Rücktritt des italienischen Premiers: Monti-Nachfolger eilig gesucht

Ministerpräsident Monti hat seinen Rücktritt eingereicht, Italien steuert auf Neuwahlen im Februar zu. Staatspräsident Napolitano trifft sich schon heute zu Beratungen mit den Bossen der großen Parteien, Monti will sich am Sonntag erklären. Tritt er doch noch einmal an?

Rom - Italien steckt in einer politischen Krise. Einen Tag nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Mario Monti will Staatspräsident Giorgio Napolitano über die weiteren Schritte entscheiden. Dazu kommt er an diesem Samstag in Rom mit den wichtigsten politischen Kräften zu Beratungen zusammen. Anschließend wird seine Entscheidung zur Auflösung des Parlaments erwartet. Napolitano hat bereits Neuwahlen für den 24. Februar in Aussicht gestellt.

Monti hatte am Freitagabend nach nur 13 Monaten im Amt seinen Rücktritt erklärt. Kurz zuvor hatte das Parlament mit großer Mehrheit seinen Haushalt für das kommende Jahr verabschiedet. Schon vor zwei Wochen hatte der Wirtschaftsprofessor angekündigt, dass er nur noch das Budget durchbringen wolle und dann abtreten werde. Als Grund nannte er fehlende Mehrheiten, nachdem ihm die Partei Volk der Freiheit (PdL) von Silvio Berlusconi die Unterstützung entzogen hatte.

Der 69-jährige Monti hatte das Amt des Regierungschefs im November 2011 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise nach dem Rücktritt Berlusconis übernommen. Seine Amtszeit sei "schwierig, aber faszinierend" gewesen, sagte er am Freitag. "Vor einem Jahr hat diese Regierung ihre Arbeit aufgenommen. Heute - und das ist nicht die Schuld der Maya-Prophezeiung - müssen wir unsere Rolle ablegen", so Monti wenige Stunden vor seinem Rücktritt.

Spekulationen über Montis Zukunft

Der ehemalige EU-Wettbewerbskommissar warnte zuletzt davor, seinen Reformkurs zurücknehmen zu wollen. Berlusconi hatte eine vollständige Änderung von Montis Politik gefordert, die zu "Rezession und Depression" führe.

Über Montis Zukunft gibt es viele Spekulationen. Ob er erneut kandidieren wird, ist ungewiss. Für Sonntag kündigte er eine Pressekonferenz an. Der parteilose Ökonom könnte an der Spitze einer Koalition der Mitte ins Rennen gehen und somit gegen seinen Vorgänger Berlusconi sowie die Mitte-Links-Kräfte antreten, heißt es.

Fabrizio Cicchitto, ein prominenter Vertreter von Berlusconis PdL, rief Monti auf, sich mit dem 76 Jahre alten Medienmogul zu verbünden. Zugleich kritisierte er Italiens Linke: Diese sei Deutschland hörig, wie sie einst der Sowjetunion hörig gewesen sei. "Deutschland kümmert sich über Europa in sehr effektiver Weise um seine Interessen", sagte Cicchitto.

Der 76-jährige Berlusconi hatte in der vergangenen Woche erklärt, er könne als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten zugunsten von Monti verzichten, wenn dieser an der Spitze eines Bündnisses aller Mitte-Rechts-Kräfte antrete.

wit/dpa/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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1.
Thomas-Melber-Stuttgart 22.12.2012
Zitat von sysopMinisterpräsident Monti hat seinen Rücktritt eingereicht, ...
Warum eigentlich? Gibt es hierfür einen sachlichen Grund?
2. Da muss
idealist100 22.12.2012
"Deutschland kümmert sich über Europa in sehr effektiver Weise um seine Interessen", sagte Cicchitto Da muss ich mich aber beeumeln. Meint er damit, das die Geldüberweisungen zu den PIIGS in Interesse der deutschen Steuerzahler ist. Ich Glaube das eher nicht.
3. Verstehe ;-)
Notion 22.12.2012
Wer für Bersani ist, ist nicht etwa für ihn weil er dessen politische Programm gut findet oder weil er einfach nicht will, dass das Land entweder von einem Medienmogul oder vom größten Industriellen des Landes durch dessen Handpuppe Monti regiert wird, nein, für Bersani ist, wer nationalen Verrat begehen möchte und das Land an Deutschland verschachert... *lol* Der Wahlkampf in Italien wird noch alles toppen was wir je gesehen haben - 1000mal besser als Obama gegen Romney wird das ;-)
4. Berlusconi idealer Kandidat
BettyWuth 22.12.2012
Berlusconi stellt hier den idealen Kandidaten dar: Nur mit ihm kann das europäische Kasperletheater möglicherweise sogar für ein Bambi oder gar einen Oscar nominiert werden. Vor allem: was wäre, wenn Europa gar nichts mehr zu lachen hätte?
5. Berluska is ä Mogelpackung
mercadante 22.12.2012
tut genau das Gegenteil von dem er spricht , einmal gewüsst bleibt man von ihm Fern. The Italians wissen es langsam , der Wirbel nutzt nur noch der Presselandschaft , und er weisst es für sich zu nutzen , also Doppelnutzung hält länger .
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