Italiens neues Kabinett Renzis Damenwahl

Italiens neuer Premier Matteo Renzi hat sein Kabinett vorgestellt - und mit einer historischen Premiere für Aufsehen gesorgt. Die Hälfte seiner Minister soll weiblich sein.

Neuer Premier Renzi: "Verantwortung und Brisanz"
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Neuer Premier Renzi: "Verantwortung und Brisanz"


Rom - Matteo Renzi hatte es nicht leicht. Etliche seiner Favoriten für die Regierungsbildung sagten Italiens designiertem Ministerpräsidenten schon im Vorfeld ab. Jetzt hat er seine Mannschaft aufgestellt: Renzi will sein Kabinett zu 50 Prozent mit Frauen besetzen, wie er dem Staatspräsidenten Giorgio Napolitano bei einem fast dreistündigen Treffen erklärte. Dessen Regierungsauftrag nahm der 39-Jährige bei dieser Gelegenheit offiziell an, seinen Amtseid soll er am Samstag ablegen.

Renzi sagte anlässlich der Regierungsbildung, er sei sich der großen "Verantwortung und Brisanz" seiner Aufgabe angesichts der schwierigen Lage Italiens bewusst. Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um das Vertrauen von Millionen Italienerinnen und Italienern zu rechtfertigen, die von der Regierung konkrete Antworten erwarten.

Renzi hatte im Vorfeld der Regierungsbildung angekündigt, noch diesen Monat eine Änderung des Wahlrechts durchsetzen zu wollen. In den ersten Monaten seiner Amtszeit sollen zudem Arbeitsmarktreformen, Bürokratieabbau und ein Umbau der öffentlichen Verwaltung ganz oben auf dem Programm stehen.

Die Frauen in Renzis Kabinett

Als jüngste italienische Außenministerin aller Zeiten soll in Renzis Kabinett die 40-jährige Federica Mogherini Italien international vertreten. Auf dem diplomatischen Spitzenposten wollte Napolitano laut Medienberichten auch künftig am liebsten Amtsinhaberin Emma Bonino sehen, doch letztlich setzte sich Renzi durch. Sollte das Kabinett in seiner vorgeschlagenen Form antreten, würde es mit einem vergleichsweise niedrigen Durchschnittsalter von 47,8 Jahren einen Rekord aufstellen.

Sieben weitere Ressorts sind mit Frauen besetzt. Die Zeitung "La Repubblica" hat eine vollständige Liste der neuen Amtsinhaber veröffentlicht:

  • Verteidigung: Roberta Pinotti
  • Wirtschaft: Federica Guidi
  • Bildung: Stefania Giannini
  • Gesundheit: Beatrice Lorenzin

Drei weitere weiblich besetzte Ämter sind - eine Besonderheit der italienischen Politik - Ministerien ohne eigenes Budget:

  • Ministerium für Beziehungen zum Parlament: Maria Elena Boschi
  • Öffentliche Verwaltung: Marianna Madia
  • Regionale Angelegenheiten: Maria Carmela Lanzetta

Insgesamt umfasst die neue italienische Regierung 16 Minister. Zwar sind die Hälfte von ihnen Frauen, die Männer unter ihnen übernehmen im Ganzen betrachtet allerdings wichtigere Ressorts als ihre Kolleginnen.

Die Männer in Renzis Kabinett

Der 63 Jahre alte Chefvolkswirt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Pier Carlo Padoan, soll neuer Finanzminister werden. Padoan war Medien zufolge ein Wunschkandidat von Napolitano, der dem international anerkannten Ökonomen offenbar zutraut, das hoch verschuldete Land aus der Krise zu führen. Innenminister soll Angelino Alfano bleiben, der mit seiner neu gegründeten Mitte-rechts-Partei einen wichtigen Teil der Koalition bildet.

Die sechs weiteren Männer in Renzis Kabinett übernehmen laut "La Repubblica" folgende Ministerien:

  • Justiz: Andrea Orlando
  • Landwirtschaft: Maurizio Martina
  • Umwelt: Gianluca Galletti
  • Verkehr: Maurizio Lupi
  • Arbeit und Soziales: Giuliano Poletti
  • Kultur: Dario Franceschini

Das italienische Regierungsbündnis aus linken und rechten Kräften soll in der bisherigen Form erhalten bleiben. Als Chef der Demokratischen Partei (PD) hatte Renzi in der vergangenen Woche den bisherigen Amtsinhaber Enrico Letta, der ebenfalls der PD angehört, in einem parteiinternen Machtkampf zum Rücktritt gezwungen.

Der 39-jährige Renzi, bislang Bürgermeister von Florenz, wird nun voraussichtlich zum jüngsten Ministerpräsidenten in der Geschichte Italiens und zum jüngsten Regierungschef in der Europäischen Union aufsteigen.

Napolitano wies nach seinem langen Gespräch mit Renzi Spekulationen über politische Spannungen zwischen ihm und dem designierten Ministerpräsidenten zurück und äußerte die Hoffnung, dass die neue Regierung "eine ganze Legislaturperiode" überdauern könne - was in Italien erfahrungsgemäß längst keine Selbstverständlichkeit ist.

bos/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Steuerzahler0815 22.02.2014
1.
[QUOTE=sysop;14967261 Die Hälfte seiner Minister soll weiblich sein. [/QUOTE] Ja und?
ph.latundan 22.02.2014
2. ein anderer ..........
ein anderer italienischer schaumschlaeger und xxxxx ...... schaun wir mal. ohne hoffnung ist der mensch ein tier.
tokchi'i 22.02.2014
3. 20 Jahre
Gender Mainstreaming. Und eine solche Meldung ist nach diesen zwanzig Jahren beinahe-sensationell. Dennoch, sollte dies stimmen, herzlichen Glückwunsch, Italien!
kampftier 22.02.2014
4. Frauen an die Macht ...
Zitat von sysopDPAItaliens neuer Premier Matteo Renzi hat sein Kabinett vorgestellt - und mit einer historischen Premiere für Aufsehen gesorgt. Die Hälfte seiner Minister soll weiblich sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/italien-premier-renzi-holt-ministerinnen-in-sein-neues-kabinett-a-955005.html
-Daumen hoch-,für Matteo Renzi -
helle_birne 22.02.2014
5. Ein guter erster Schritt!
Nicht zuletzt patriacharliches und machohaftes Verhalten der (ganz überwiegend) männlichen italienischen politischen Kaste mit dem %&(%$§"( Berlusconi an der Spitze hat Italien bis unmittelbar vor den Staatsbankrott geführt. Weibliche Fähigkeiten wie Teamfähigkeit, Empathie, Zuhörenkönnen, Besonnenheit, Zurückhaltung, Fehlerzugebenkönnen usw. sind da sicher von Nöten. Viel Glück, Matteo!
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