Regionalwahlen in Italien Renzis Sieg mit Schönheitsfehler

Die Regionalwahlen in Italien waren ein wichtiger Stimmungstest für Premier Matteo Renzi. Er hat ihn bestanden - allerdings mit einem großen Makel.

Premier Renzi bei der Stimmabgabe in der Toskana: PD gewinnt in fünf Regionen
AP/dpa

Premier Renzi bei der Stimmabgabe in der Toskana: PD gewinnt in fünf Regionen


Italiens Premier Matteo Renzi hat 15 Monate nach seinem Amtsantritt einen wichtigen Stimmungstest bestanden. Bei den Regionalwahlen liegt seine Demokratische Partei (PD) Prognosen zufolge in fünf von sieben Landesteilen vorn.

Mehr als 20 Millionen Italiener waren zu den Abstimmungen aufgerufen, bei denen die Beteiligung im Vergleich zu den letzten Wahlen sank. In der Toskana, Apulien und den Marken feierten Renzis Kandidaten laut den TV-Prognosen klare Erfolge. In Venetien lag wie erwartet der Mitte-rechts-Kandidat von der Lega Nord klar vorne.

Allerdings gibt es einen größeren Schönheitsfehler für den Premier: Im traditionell linken Ligurien verlor die PD-Kandidatin wohl klar gegen den Kandidaten der Mitte-rechts-Parteien, Giovanni Toti. Dieser ist ein Berater des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi.

Der frühere "Cavaliere", der selbst nicht mehr für politische Ämter kandidieren darf, hatte sich in den Wahlkampf in Ligurien eingemischt. Gleich mehrere Auftritte absolvierte er, auch wenn er sich einmal auf eine Wahlkampfveranstaltung der Linken verirrte. Auch eine linke Abspaltung klaute Renzis Partei Stimmen.

Renzi hatte auf Wahlsiege in fünf oder sechs der sieben Regionen gehofft. Auch die Oppositionsparteien, allen voran die Lega Nord, die sich im Wahlkampf klar gegen Immigration ausgesprochen hatte, erhofften sich von den Wahlen Auftrieb. Ihr Chef Matteo Salvini wollte sich mit einem Erfolg als neuer Oppositionsführer positionieren. Der Forza Italia von Berlusconi ist zuletzt geschrumpft.

Endgültige Ergebnisse für die Regionalwahlen werden erst im Laufe des Montags erwartet. Die Wahlbeteiligung lag bei den Regionalwahlen laut Innenministerium bei etwa 54 Prozent und damit zehn Prozentpunkte schlechter als bei den vergangenen Abstimmungen. Bei den Kommunalwahlen, für die es am Sonntagabend noch keine Prognosen gab, sank sie von 73 auf etwa 64 Prozent.

fab/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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freespeech1 01.06.2015
1.
Das ist aber eine sehr selektive Berichterstattung. In Österreich fanden gestern auch wichtige Wahlen statt, die Endergebnisse sind schon längst bekannt, nur berichten die deutschen Medien darüber nicht. Warum eigentlich?
From7000islands 01.06.2015
2.
Zitat von freespeech1Das ist aber eine sehr selektive Berichterstattung. In Österreich fanden gestern auch wichtige Wahlen statt, die Endergebnisse sind schon längst bekannt, nur berichten die deutschen Medien darüber nicht. Warum eigentlich?
Es wäre peinlich, in Deutschland einzugestehen, dass andere demokratische erfolgreiche nationen in der EU z.B. der überbordenden Immigration ablehnend gegenüberstehen. Slogans wie "Wohnungen statt Moscheen" wie in Österreich zu hören, sind von Merkel indirekt verboten zu publizieren. Darum wird der Wahlgang in Österreich klein geredet. In Italien ist der einfache Bürger sowieso ein niedrigeres Lebensniveau gewohnt. Da rückt man bei Immigranten eben noch mehr zusammen.
seneca55 01.06.2015
3. Ohne Berlusconi keine gute Wahlbeteiligung
Hätte Berlusconi wieder zur Wahl gestanden wäre die Walbeteiligung 10% höher gewesen. Die PD von Renzi hat sich gegenüber der EU-Wahl und 42% für die PD vor 1 Jahr,2014 geradezu halbiert auf nur noch 21% landesweit. Renzi muss jetzt bald Erfolge bringen, sonst ist der letzte Ritter der EU in Italien bald bei den Fischen!
hockeyversteher 01.06.2015
4. Was wäre ...
... wenn die Lega Nord nicht nur in Norditalien antreten würde? Renzi würden wohl vom Wähler die Hosen über die Knie gezogen.
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