Mittelmeer Schiff mit 66 Migranten darf nicht in Italien anlegen

Vor der Küste Libyens hat ein Schiff Dutzende Migranten gerettet. Doch die "Vos Thalassa" darf die Menschen nicht nach Italien bringen - stattdessen ist die italienische Küstenwache eingeschritten.

Italienische Küstenwache (Archiv)
REUTERS

Italienische Küstenwache (Archiv)


Italien hat erneut ein Schiff mit Dutzenden aus Seenot geretteten Migranten davon abgehalten, in einem seiner Häfen anzulegen. Im aktuellen Fall handelt es sich um die "Vos Thalassa" - ein sogenanntes "Schleppboot" mit italienischer Flagge, das zu einer Ölplattform im Mittelmeer gehört - mit 66 Migranten an Bord.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist Italiens Innenministerium verstimmt, weil sich die Migranten und Flüchtlinge im Verantwortungsbereich der libyschen Küstenwache befunden haben sollen. Die hätte "diese Ladung illegaler Migranten aufnehmen sollen", sagte Stefano Candiani, Staatssekretär im Innenministerium, dem staatlichen Radiosender Rai.

Zur Lösung des Streits wurden die Migranten jetzt auf ein Schiff der italienischen Küstenwache gebracht, wie Infrastrukturminister Danilo Toninelli bei Twitter bestätigte. Zur Begründung sagte er, die Migranten hätten das Leben der Crew auf der "Vos Thalassa" gefährdet.

Toninelli forderte Ermittlungen, damit die "Unruhestifter" bestraft werden könnten. Der Minister sprach von 60 Migranten, Medien hatten zuvor von 66 Menschen berichtet. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Küstenwache die Personen nun in Italien an Land gehen lässt. Kein Menschenleben werde gefährdet, versicherte Staatssekretär Candiani.

Die neue italienische Regierung, an der auch die ausländerfeindliche Lega beteiligt ist, will, dass gerettete Migranten und Asylsuchende nicht nach Europa kommen, sondern nach Libyen zurückgeführt werden. Lega-Chef und Innenminister Matteo Salvini hat Rettungsschiffen von Hilfsorganisationen die Einfahrt in italienische Häfen verwehrt und will dies auch für ausländische Marineschiffe durchsetzen, die als Teil von EU-Rettungsmissionen unterwegs sind.

mes/dpa/Reuters



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