Italien: Schlappe Beteiligung an der Schicksalswahl
Die Spannung steigt: In Europas Sorgenland Italien hat der zweite und letzte Tag der vorgezogenen Parlamentswahlen begonnen. Die Wahlbeteiligung ist bisher noch zurückhaltend. Gibt es doch ein Berlusconi-Revival?
Rom - In einer Zeit anhaltender tiefer Rezession und drohender politischer Instabilität bestimmen die Italiener ihr Abgeordnetenhaus und den Senat in Rom neu. Am Montagmorgen öffneten die Wahllokale erneut. Mehr als 50 Millionen Italiener sind zur Wahl aufgerufen. Schnee und Regen hatten am Vortag zu einem schleppenden Wahlbeginn beigetragen.
Bei Schließung der Wahllokale um 22 Uhr betrug die Wahlbeteiligung 55,17 Prozent. Das waren nach Angaben der Wahlkommission vom Sonntagabend deutlich weniger als zu diesem Zeitpunkt vor fünf Jahren. Damals hatte die Beteiligung bei 62,55 Prozent gelegen.
Als Favorit gilt das Mitte-links-Bündnis mit dem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani. Der Ex-Kommunist hat angekündigt, die Konsolidierungspolitik des amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti fortzusetzen. Der für seine Arbeit bei den EU-Partnern gelobte Monti liegt mit seiner Zentrums-Bewegung abgeschlagen auf Platz vier und könnte Partner eines Bündnisses mit Bersani werden.
Die Finanzmärkte und europäische Politiker befürchten angesichts des offenen Ausgangs eine Unregierbarkeit des Krisenlands ohne stabile Mehrheit oder auch eine Rückkehr des umstrittenen Ex-Regierungschefs Silvio Berlusconi. Der 76-jährige Medienzar hatte in einer Aufholjagd seinen Rückstand auf Bersani zuletzt auf nur noch fünf Prozentpunkte verringert. Der skandalumwitterte Milliardär hat unter anderem die Rückzahlung der unpopulären Immobiliensteuer versprochen, die wegen des hohen Anteils an Wohneigentum mehr als drei Viertel aller Italiener zahlen müssen.
Besonderen Auftrieb hatte zuletzt allerdings die populistische Protestbewegung "Fünf Sterne" des Komikers Beppe Grillo verzeichnen können. Sie kann mit bis zu 20 Prozent der Stimmen rechnen, strebt aber nicht in die Regierung und hat überwiegend unerfahrene Kandidaten aufgestellt.
Gewählt werden kann an diesem zweiten Tag noch bis 15 Uhr. Mit ersten Hochrechnungen wird noch vor dem Abend gerechnet.
ler/dpa/Reuters
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