Verbindungen zur Cosa Nostra: Berlusconi zahlte Schutzgeld an die Mafia

Silvio Berlusconi war einst ein Opfer der sizilianischen Mafia. Laut einem Gerichtsurteil des höchsten italienischen Berufungsgericht zahlte er in den siebziger Jahren Schutzgeld an die Cosa Nostra. Nach Ansicht der Richter waren die hohen Summen damals eine "Notwendigkeit".

Italiens Ex-Regierungschef Berlusconi: Schutz der Mafia "gab es nicht umsonst" Zur Großansicht
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Italiens Ex-Regierungschef Berlusconi: Schutz der Mafia "gab es nicht umsonst"

Rom - Italiens ehemaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat in den siebziger Jahren Schutzgeld an die sizilianische Mafia gezahlt. Zu diesem Schluss ist das höchste Berufungsgericht des Landes in einem Urteil gegen Marcello Dell'Utri, einen engen Vertrauten des Politikers, gekommen.

Berlusconi habe mit der Zahlung hoher Summen sich selbst und seine Familie vor einer Entführung bewahren wollen. Den Schutz der Mafia aber "gab es nicht umsonst", erklärte das Gericht. Deshalb habe der ehemalige Regierungschef damals aus einer "Notwendigkeit" heraus gehandelt und sei als Opfer zu sehen.

In den siebziger Jahren entführte die Mafia in Italien immer wieder wohlhabende Personen oder deren Kinder, um dann Lösegeld zu erpressen. Zu den bekanntesten Fällen gehört der von John Paul Getty III. Der Enkel eines Milliardärs war 1973 in Rom entführt worden. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, hatten die Kidnapper dem Jungen ein Ohr abgeschnitten und es einer Zeitung zugesandt. Nach fünf Monaten Gefangenschaft kam Getty schließlich nach Zahlung eines Lösegelds frei.

Mehrere Verfahren gegen Berlusconi laufen noch

In ihrem 146-seitigen Urteil begründeten die Richter, warum sie im März ein Urteil gegen Dell'Utri aufgehoben hatten. Der Senator war 2004 wegen seiner Verbindungen zur Cosa Nostra zu neun Jahren Haft verurteilt worden, 2010 wurde die Strafe auf sieben Jahre reduziert. Im März wurde das Urteil vom obersten Berufungsgericht wegen fehlender Beweise gänzlich aufgehoben.

Gleichwohl sahen es die Richter als erwiesen an, dass Dell'Utri damals als Verbindungsmann zwischen Berlusconi und der Mafia fungierte. Er habe zwischen dem damals aufsteigenden Mailänder Geschäftsmann und der Cosa Nostra "vermittelt" und stecke unter anderem hinter einer Vereinbarung Berlusconis mit der Mafia, in der es um seinen Schutz und Zusammenarbeit gegangen sei.

Berlusconi war erst in den neunziger Jahren in die Politik gegangen, nachdem er sich ein Geschäftsimperium aus Bau- und Medienunternehmen aufgebaut hatte. Gegen den ehemaligen Regierungschef, der im November vergangenen Jahres zurückgetreten war, laufen derzeit mehrere Gerichtsverfahren, unter anderem wegen Betrugs und Korruption. In einem Fall geht es darum, dass er gegen Bezahlung mit einer Minderjährigen Sex gehabt und sein Amt missbraucht haben soll.

syd/Reuters/AFP

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1.
spon-facebook-10000027820 25.04.2012
Hat er die Zahlung steuerlich geltend gemacht ?
2. Dies
westpfälzer 25.04.2012
Zitat von spon-facebook-10000027820Hat er die Zahlung steuerlich geltend gemacht ?
---------- ist doch nur möglich sofern man Steuern zahlt!!!
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