Italien: Verwunderung über barsche Worte aus dem Vatikan

Der Vatikan weist Israels Kritik an Äußerungen des deutschen Papstes zum Terrorismus in scharfer Form zurück. In Italien ist die Verwunderung groß. Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, hofft auf eine "geeignete Antwort der israelischen Regierung".

Urlaubender Papst Benedikt XVI.: "Wir können keine Belehrungen akzeptieren"
DPA

Urlaubender Papst Benedikt XVI.: "Wir können keine Belehrungen akzeptieren"

Rom/Hamburg - Riccardo di Segni, Rabbiner der jüdischen Gemeinschaft in Rom, erinnerte heute in einem Interview mit der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" daran, "dass der Heilige Stuhl ein Organ ist, eine politische Institution". Bevor man sich über "die Härte der Töne" wundere, sollte man sich dieses Punktes bewusst sein. "Wenn die Kirche sich äußert, spricht sie nicht nur als moralische Autorität, sondern als politische Kraft."

Segni sagte weiter, er hoffe, "dass Benedikt XVI., dieser Papst, der die Theologie so gut kennt, sich beeilt auch den Gang der Politik zu verstehen". Er sei "ein Papst, der eine bestimmte Geschichte und kulturellen Hintergrund habe". Doch in seiner Aufgabe als Papst werde auch die "Notwendigkeit der Diplomatie" verlangt - "die Kunst der Politik".

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sagte SPIEGEL ONLINE, dass "die israelische Regierung eine geeignete Antwort auf die Vorwürfe finden" werde. Allerdings wollten sich Sprecher des israelischen Außenministeriums in Jerusalem und der israelischen Botschaft in Berlin auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zunächst nicht zu der neuesten Entwicklung äußern.

Italiens Ex-Regierungschef und heutiger Senator Giulio Andreotti bezeichnete die Angriffe aus Israel im "Corriere della Sera" als "anmaßend."

Zuvor hatte es in einer Erklärung des Vatikans geheißen, der Kirchenstaat könne in dieser Frage "keine Belehrungen akzeptieren und Führungen anderer Autoritäten entgegennehmen". Zugleich warf Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls Israel vor, mit seinen militärischen Reaktionen auf Terroranschläge selbst internationales Recht zu verletzen.

In der neusten Vatikanerklärung heißt es, man könne aus mehreren Gründen nicht jeden Anschlag auf Israel erwähnen. Zu diesen Gründen zähle auch, dass "die israelischen Reaktionen nicht immer mit den Normen des internationalen Rechts vereinbar sind". Wörtlich heißt es weiter: "Es wäre daher unmöglich, das erste (den Terrorangriff) zu verurteilen und das zweite (die israelische Vergeltung) stillschweigend zu übergehen."

Israel und der Vatikan unterhalten seit 1993 diplomatische Beziehungen. Vor allem der im April gestorbene Papst Johannes Paul II. hatte sich für eine Versöhnung der katholischen Kirche mit den Juden eingesetzt. Bei einem Besuch in Jerusalem im Jahr 2000 hatte er um Vergebung für die Judenverfolgungen gebeten. Im israelisch-palästinensischen Konflikt hat der Vatikan stets auch das Heimatrecht der Palästinenser betont.

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