Italien-Wahl Berlusconi wittert landesweite Verschwörung

Silvio Berlusconi sieht sich vom Bösen umringt. Drei Tage vor der Parlamentswahl legte sich Italiens Premier mit dem größten Teil der italienischen Gesellschaft an. Gerichte, Presse, Geschäftswelt und Banken hätten sich gegen ihn verschworen.


Rom - Drei Tage vor der Wahl legte sich Silvio Berlusconi heute nochmal richtig ins Zeug. Schlagzeilen garantiert ihm der  Auftritt. Ob auch Wählerstimmen - das ist eher fraglich. 

Der Ministerpräsident wütete bei einer Pressekonferenz: Die großen Zeitungen arbeiteten unterstützt von Großindustriellen daran, seinen Wahlkampf zu unterminieren. Die Ermittlungsrichter in Mailand wollten ihn politisch zu Grunde richten, indem sie kurz vor der Wahl eine neue Anklage durchgesetzt hatten. "Es gibt Staatsbedienstete, deren Gehälter von den Bürgern kommen, die sich gegen den Ministerpräsidenten verschwören, verschwören und verschwören", sagte der reichste Mann Italiens.

Silvio Berlusconi: "Verschwören, verschwören und verschwören"
AP

Silvio Berlusconi: "Verschwören, verschwören und verschwören"

Er forderte gar, dass Beobachter der Vereinten Nationen für den regulären Verlauf des Urnengangs sorgen sollen. "Sie müssen kommen, um uns vor diesen Herren (der Mitte-Links-Opposition, d. Red.) zu beschützen. Sie sind Experten im Betrügen und haben alle Zeitungen und Fernsehsender auf ihrer Seite haben", bellte Berlusconi.

Sich selbst stellte er als einen Märtyrer der Demokratie dar: Er warnte, nach einem Wahlsieg seines Herausforderers Romano Prodi würden die Bürgerrechte mit Füßen getreten.

Anstelle seines Markenzeichens - einem strahlenden Lächeln - schaute er finster in die Kameras.

Solche Anschuldigungen des Medienmagnaten sind nicht neu, gesellen sich nun aber zu vulgären Beleidigungen der vergangenen Tage. So hat Berlusconi Menschen, die ihre Stimme Prodis Bündnis geben wollen, als "Trottel" bezeichnet. Dabei benutzte der Regierungschef das italienische Schimpfwort "coglioni", welches wörtlich übersetzt "Hoden" bedeutet, umgangssprachlich jedoch auf höchst unflätige Weise eine wenig intelligente Person bezeichnet.

Die Mitte-Links-Opposition bemerkte, der Regierungschef verliere angesichts der drohenden Wahlniederlage offenbar die Nerven. Massimo D'Alema von der größten Oppositionspartei, den Linksdemokraten (DS), sagte heute: "Berlusconi ist ein Mann, der gegen das gesamte Land kämpft. Ich weiß nicht, wie er meint, Italien auf diese Weise regieren zu können." Er ergänzte: "Tatsächlich glaube ich nicht, dass er es weiter regieren wird."

Vor der Wahl am Sonntag und Montag dürfen in Italien keine Umfrageergebnisse mehr veröffentlicht werden. In den vergangenen Monaten hatten Befragungen Berlusconi immer mehr oder weniger deutlich als Wahlverlierer gesehen.

ler/Reuters/dpa



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