Hochrechnung Italienwahl Fünf Sterne triumphiert, Berlusconi verpasst Durchmarsch

Großer Verlierer der Wahlen in Italien sind die Sozialdemokraten von Matteo Renzi. Gewinner ist die populistische Fünf-Sterne-Partei, Europaskeptiker holen zusammen wohl mehr als 50 Prozent.

AFP

Italien hat gewählt, und Silvio Berlusconis Bündnis ist obenauf. Das große Comeback für den skandalumwitterten Cavaliere bleibt jedoch offenbar aus.

Zwar lag das Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs in den ersten Prognosen vorne, was nun Hochrechnungen bestätigen. Doch Berlusconis eigene Partei Forza Italia wurde innerhalb der Allianz von der rechtspopulistischen Lega überholt.

Europakritische und rechte Parteien sind die großen Gewinner: Die Fünf-Sterne-Partei und die Lega konnten ordentlich zulegen, sie werden aber voraussichtlich nicht auf eine regierungsfähige Mehrheit kommen. Die regierenden Sozialdemokraten der Partito Democratico (PD) mussten hingegen eine schwere Schlappe einstecken.

  • Die Fünf-Sterne-Bewegung, die ohne Bündnispartner ins Rennen gegangen war, ist größter Einzelsieger. Sie liegt einer Hochrechnung der Tageszeitung "La Repubblica" vom Montagmorgen zufolge bei 32,2 Prozent.
  • Mitte-Rechts (Berlusconis Bündnis) kommt demnach auf rund 37 Prozent. Davon entfallen 17,7 Punkte auf die Lega und nur 14 Punkte auf Forza Italia, der Rest auf zwei kleine Rechtsparteien.
  • Die sozialdemokratische Regierungspartei Partito Democratico von Ministerpräsident Paolo Gentiloni und Parteichef Matteo Renzi kam demnach auf nur 18,9 Prozent. Für die Abgeordnetenkammer lagen zunächst noch keine Hochrechnungen vor, weil die Stimmen dafür erst später ausgezählt werden sollten.

Gewählt wurden beide Kammern des Parlament. Der Senat ist mit 315 Sitzen die kleinere. Um eine Mehrheit zu erreichen, muss eine Partei oder ein Bündnis auf mindestens 158 Sitze kommen. Im Abgeordnetenhaus werden 630 Sitze vergeben.

Wahlsieger Fünf Sterne will womöglich regieren

Bei der stärksten Einzelkraft, der Fünf-Sterne-Partei, sprachen mehrere Vertreter von einem großen Triumph. "Jetzt müssen alle mit uns reden", sagte Alessandro Di Battista, der in Italien zu den bekanntesten Köpfen der Bewegung gehört.

Fotostrecke

10  Bilder
Italienwahl: Sieger und Verlierer am Tiber

Die Fünf-Sterne-Bewegung ist für ihre Fundamentalopposition bekannt, traditionell hat sie Koalitionen ausgeschlossen, scheint nun aber Lust aufs Regieren bekommen zu haben. "Eines geht sicher aus diesen Daten hervor: Nämlich dass Fünf Sterne der Eckpfeiler der nächsten Legislaturperiode wird", sagte der Sterne-Abgeordnete Alfonso Bonafede.

Bei Renzis Sozialdemokraten waren dagegen lange Gesichter angesagt. PD-Fraktionschef Ettore Rosato sah seine Partei schon auf dem Weg in die Opposition und sprach von einer "Niederlage".

Eine Mehrheit im Parlament zu bekommen, wird aber wohl für alle Parteien schwer, "wenn nicht unmöglich sein", erklärte Wolfgango Piccoli von der Denkfabrik Teneo. "Eine lange Zeit des Kuhhandels zwischen den Parteien steht bevor."

Die Italiener, sagte der bekannte Philosoph und Journalist Paolo Flores d'Arcais, hätten wählen dürfen zwischen "etwas Widerlichem (die Fünf-Sterne-Bewegung), etwas noch Widerlicherem (PD und dergleichen) und dem Allerwiderlichstem (der Mitte-Rechts-Allianz)".

cht/dpa/AP

insgesamt 250 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
michi3191 05.03.2018
1. Zeichen
Ein ganz klares Zeichen an Europa. Do gehts nicht mehr weiter. Stopp mit der Zuwanderung, kein Vereinigten Staaten von Europa, hin zu einer Handelsunion, wie von Anfang an gedacht, oder bald stehen wir in Europa völlig allein da. Ok Vl Frankreich noch. Osteuropa, Südeuropa, es bilden sich Allianzen gegen Brüssel
marthaimschnee 05.03.2018
2. und immer wieder die Sozialdemokraten
überall sind sie beteiligt, die Karre an die Wand zu fahren und überall staunen sie ungläubig, daß der Wähler ihnen dafür irgendwann die Quittung überreicht und die bloße Warnung vor noch schlechterem nicht mehr ausreicht, um damit ausreichend starke Kraft zu bleiben. Die Sozialdemokratie muß wieder nach links! Woanders kann sie nicht überleben! Woanders wird sie nicht überleben!
lupo44 05.03.2018
3. es zeigt sich einmal mehr,dass Europa anfängt sich selbst zu ......
demomtieren in seiner Berechenbarkeit. Italien war schon immer für eine Überraschung gut.Es zeigt aber auch das trotz EUund ihrer Garnden die Einheit Europas noch lange nicht entstanden ist. Man wird sich wohl in Brüssel einige Fragen stellen müssen.Deutschland ,so sieht es jetzt aus scheint mit Abstand der verlässlichste Partner zu sein.Durch das bestätigte Bündnis CDU/CSU und SPD bleibt der Kurs Merkel in Verlängerung Junker in Brüssel bestehen.Aber wie lange noch? Frankreich hat auch seineProbleme mit Marcon.Die Napolonische Form des regieren findet dort auch keine Mehrheiten mehr (30% derzeitig) Und wenn unser ebend bestätitigstes Bündnis nicht das umsetzt was in der Koalisation vereinbart ist dann werden auch wir bei den bürgerlichen Parteien keine Mehrheiten hinbekommen. Herr Renzi in Italien ist erst einmal besiegt.Wie es in der Dritt stärksten Volkswirtschaft von Europa weiter geht ist abzu warten.Es wird sehr viel Neuorietierungen geben müssen um den sozialen Frieden in Europa zu sichern.
omanolika 05.03.2018
4. In Europa...
wird die Sozialdemokratie zu Grabe getragen, und man beginnt sich gar ernsthaft zu fragen, ob die Mehrheit wirklich den Populismus will? Stellt man sich das vor, wird man ganz still... Die Menschen fühlen sich in der Einigelei, scheinbar ja erst wieder ganz und gar frei, und eine echte Union rückt in weite ferne, nicht nur grade da wegen der Fünf Sterne, sondern einfach wegen der Stimmung in so vielen Ländern, und die Leute denken, die Populisten würden etwas ändern. Okay, etwas ändern würden die sicherlich schon, das es besser wäre ist aber leider eine Illusion... Aber so ist nunmal die gute, alte Demokratie, man muss es aktzeptieren - alle zufrieden! - das gibt`s eh nie
stiller_denker 05.03.2018
5. ' Mitte-Rechts kommt demnach auf 32,1 Prozent '
'Davon entfallen 18,6 Punkte auf die Lega und nur 13,5 Punkte auf Forza Italia, der Rest auf zwei kleine Rechtsparteien.' - Welcher Rest? 18,6 Prozent und 13,5 Prozent sind schon 32,1. Wieviel Prozent die beiden kleinen Parteien haben ist nicht erkennbar. Die FDI hat 4,1 Prozent so daß es insgesamt sogar über 36 ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.