Italien: Letta hat es geschafft - Regierung wird am Sonntag vereidigt

Der Vize-Chef der Demokratischen Partei Enrico Letta: Vereidigung am Sonntag Zur Großansicht
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Der Vize-Chef der Demokratischen Partei Enrico Letta: Vereidigung am Sonntag

Die neue italienische Regierung steht: Der designierte Ministerpräsident Letta hat nach Gesprächen mit Koalitionspartner Berlusconi und Präsident Napolitano seine endgültige Kabinettsliste vorgelegt. Neue Außenministerin soll die Ex-EU-Kommissarin Emma Bonino werden.

Rom - Am Sonntag wird es amtlich gemacht: Dann wird die neue italienische Regierung vereidigt werden. Das wurde am Samstag nach zweistündigen Beratungen des Vize-Chefs der Demokratischen Partei, Enrico Letta, mit Staatspräsident Giorgio Napolitano in Rom offiziell mitgeteilt.

Danach gab Letta seinen zunächst geäußerten Vorbehalt gegen den Auftrag Napolitanos auf, eine breite Regierungskoalition zu bilden. Letta hatte lange mit den politischen Parteien über die Aussichten einer solchen Koalition verhandelt. Neue Außenministerin soll die Ex-EU-Kommissarin Emma Bonino werden. Fabrizio Saccomanni, Generaldirektor der Bank von Italien und damit zweiter Mann in der Spitze, übernimmt das Wirtschaftsministerium. Der Vorsitzende der rechten Partei Volk der Freiheit (PdL) des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Angelino Alfano, wird Vize-Regierungschef und Innenminister.

Lettas Regierung muss sich nach der Vereidigung Anfang nächster Woche in beiden Kammern des Parlaments einem Vertrauensvotum stellen. Die Regierung wird von seiner linken Demokratischen Partei (PD), der rechten PdL-Partei Berlusconis und der kleinen Zentrumspartei Mario Montis getragen.


Letta hatte sich am Samstag mit Berlusconi und Vertretern dessen Mitte-Rechts-Bündnisses getroffen. Letta stand unter Druck, sich möglichst schnell mit dem Bündnis des Ex-Ministerpräsidenten zu einigen, um das seit Monaten dauernde politische Patt zu beenden.

Für Enrico Letta ist das Überwinden parteipolitischer Gräben familiär: Nach dem Regierungswechsel 2006 wurde er unter Romano Prodi Kabinettssekretär und löste damit seinen Onkel Gianni Letta ab, der dieses Amt in den ersten drei Regierungen von Berlusconi ausübte.

Italiens Präsident hatte Letta am Mittwoch den Regierungsauftrag erteilt. Die neue Regierung soll vor allem von Lettas Demokraten und Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis getragen werden und vor Öffnung der Finanzmärkte am Montag stehen. Letta könnte dann bereits zum Wochenbeginn die Vertrauensfrage im Parlament stellen.

Auseinandersetzungen über Ministerposten und politische Themen hatten eine Einigung bislang verhindert. Im Fokus steht vor allem Berlusconis Forderung, die umstrittene Immobiliensteuer abzuschaffen - ein Schritt, der ein acht Milliarden Euro großes Loch in den diesjährigen Haushaltsplan reißen würde.

jjc/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
tulius-rex 27.04.2013
Eine Kabinettsliste? Schön und gut. Aber für welches Programm steht eine solche Regierung? Das war noch nirgends zu lesen. Gibt es einen glaubhaften Koalitionsvertrag?
Eine Kabinettsliste? Schön und gut. Aber für welches Programm steht eine solche Regierung? Das war noch nirgends zu lesen. Gibt es einen glaubhaften Koalitionsvertrag?
aiim 27.04.2013
Eine schöne Regierung bestehend aus Technokraten und EU nahen Beamten, die das Volk Italien auf keinem Fall haben wollte. Getoppt wird das durch die Anteilnahme der destruktiven Partei Montis in der Regierung. Er war viele Monate [...]
Eine schöne Regierung bestehend aus Technokraten und EU nahen Beamten, die das Volk Italien auf keinem Fall haben wollte. Getoppt wird das durch die Anteilnahme der destruktiven Partei Montis in der Regierung. Er war viele Monate als nicht legitimierte Staatschef in Italien aufgestellt,stellte Steuernd und Freheitsrestriktionen auf,die die Mittelschicht ausbluten lässt wie kein Politiker vor ihm zu Gunsten der Banken ( Goldman Sachs ). Beispiel: Immobiliensteuer - Eigentümer von Land (die sie seit Genrationen besitzen) sollen viele Tausend Euro an Banken bezahlen,für deren Fehlkalkulationen. Grillo,der weit mehr als doppelt so viele Stimmen wie Monti bekam wurde außen vorgelassen. Demokratie gleich null, wo bleibt die Justiz und bunkert diese Volksverräter endlich ein?
braamsery 27.04.2013
Dazu mal etwas kurzes: 1. Wir haben in Deutschland immer Regierungen (besonders aber schwarz-gelb) die ihr Programm häufig über den Haufen werfen. Wozu braucht man ein Programm, das man nicht hält? Klingt vielleicht [...]
Zitat von tulius-rexAber für welches Programm steht eine solche Regierung? Das war noch nirgends zu lesen. Gibt es einen glaubhaften Koalitionsvertrag?
Dazu mal etwas kurzes: 1. Wir haben in Deutschland immer Regierungen (besonders aber schwarz-gelb) die ihr Programm häufig über den Haufen werfen. Wozu braucht man ein Programm, das man nicht hält? Klingt vielleicht ironisch, meine ich aber nicht damit. Ist ne ernste Frage. 2. Ein glaubhafter Koalitionsvertrag? Schwarz und Gelb sind sich oft nicht weniger als absolut uneinig was jetzt gemacht werden soll. Damit aber rot-grün nichts recht bekommt, wird das schlimmste gemacht. Der Koalitionsvertrag ist also nur dazu da, dass der Rest nicht an der Macht ist in sehr vielen Fällen. Glaubwürdig kann sowas gar nicht sein.
dr.ideen 27.04.2013
Sie haben generell Recht, dass Monti die Balance der Berlusconi-Ära ins Wanken brachte bzw zerstörte, indem die Zahlung von Beträgen über 1000 EUR in bar nicht mehr möglich ist (und so vor allem dem eigenen Mittelstand, wie [...]
Sie haben generell Recht, dass Monti die Balance der Berlusconi-Ära ins Wanken brachte bzw zerstörte, indem die Zahlung von Beträgen über 1000 EUR in bar nicht mehr möglich ist (und so vor allem dem eigenen Mittelstand, wie Möbelindustrie erheblichen Schaden fügte) und durch die Erhöhung der Grundsteuer, die leider nicht nach Einkommensvehältnissen unterscheidet und im Schnitt 1700 EUR Belastung bedeutet, den Immobilienmarkt quasi zum Stillstand brachte (auch weil die Banken das günstige Geld der EZB lieber in Staatsanleihen investieren als Kredite, ua an so wichtigen Mittelstand zu verteilen). Andererseits wollte Grillo nie eine Koalition mit der alten Garde eingehen und blieb bei seinem Versprechen - das bedeutet in Italien schon sehr viel. Zuletzt kann man doch als positives Zeichen deuten, dass Berlusconi (zumindest noch nicht, denn dieser Mann ist immer für eine Überraschung gut) NICHT in der Ministerliste auftaucht und hoffentlich nicht mehr verhindert ist, seine Gerichtstermine wahrzunehmen. Diese Regierung sollte das Wahlrecht reformieren und dann den Weg für Neuwahlen frei machen, denn so lässt sich das Land sicher nicht auf lange Sicht regieren bzw. die längst überfälligen Veränderungen und Reformen durchführen.
Der italienische Schuldenberg wächst. Die EZB hat in der Vergangenheit italienische Staatsanleihen am Sekundärmarkt aufgekauft, über LTRO haben italienische Banken Staatsanleihetitel aufgekauft. Die Arbeitslosigkeiten [...]
Zitat von sysopDie neue italienische Regierung steht: Der designierte Ministerpräsident Letta hat nach Gesprächen mit Koalitionspartner Berlusconi und Präsident Napolitano seine endgültige Kabinettsliste vorgelegt. Neue Außenministerin soll die Ex-EU-Kommissarin Emma Bonino werden. Italiens designierter Ministerpräsident Letta legt Kabinettsliste vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/italiens-designierter-ministerpraesident-letta-legt-kabinettsliste-vor-a-896973.html)
Der italienische Schuldenberg wächst. Die EZB hat in der Vergangenheit italienische Staatsanleihen am Sekundärmarkt aufgekauft, über LTRO haben italienische Banken Staatsanleihetitel aufgekauft. Die Arbeitslosigkeiten wachsen, der italienische Staat hat riesige Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen und ist in einem jahrelangen Zahlungsverzug. Eine rigorose Steuereintreibung hat zwar eine gewisse Entspannung bewirkt, aber es wird nicht reichen. Die italienische Wirtschaft steckt in der Überschuldungs- und Wettbewerbsfalle des Euro. Der Weg über eine Abwertung ist nicht mehr möglich, also steht nur ein brutaler und harter Anpassungsprozess bevor, der Jahre brauchen wird. Dabei werden die Arbeitslosigkeiten weiter steigen, die Rezession verfestigt sich und weitere Belastungen für die Bürger sind somit vorprogrammiert. Ein ähnliches Szenario wie in Frankreich.
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  • Samstag, 27.04.2013 – 17:47 Uhr
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Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 59,571 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Enrico Letta

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