Kampf um Berlusconis Erbe "Sie wollen mich zerstören"

Silvio Berlusconi steht vor den Trümmern seiner Karriere, es tobt ein Krieg um Macht und Milliarden des italienischen Ex-Premiers. Die Partei zerfleischt sich, seine Kinder zoffen, Vertraute ringen um Einfluss.

DPA

Endlich einmal eine gute Nachricht aus dem Justizapparat für Silvio Berlusconi: Am Montag hob ein Mailänder Berufungsgericht seine Verurteilung zu einem Jahr Haft auf.

Der ehemalige Regierungschef hatte Mitschnitte vertraulicher Telefonate eines politischen Gegners seinem Bruder Paolo zugespielt, der sie in einer familieneigenen Tageszeitung veröffentlichte. In erster Instanz wurden sie dafür verurteilt. Beiden bleibt aber die Strafe nun erspart: Die Taten sind verjährt.

Aber so richtig vermochte dieser Lichtblick weder Berlusconis triste Stimmung noch seine tatsächliche missliche Lage zu verbessern. Zu dick kam es in den vergangenen Wochen für den großen Zampano der italienischen Politik:

  • Sein Sitz im Senat wurde ihm aberkannt.
  • Er musste seinen geliebten "Cavaliere"-Titel zurückgeben, nun ist er kein "Held der Arbeit" mehr.
  • Das höchste römische Gericht entschied endgültig, dass er zwei Jahre lang kein öffentliches Amt ausüben darf.
  • Auch bei der Europawahl darf er nicht, wie bis zuletzt erhofft, kandidieren.
  • In zwei, drei Wochen wird ein Gericht darüber befinden, ob er die von vier Jahren auf zwölf Monate reduzierte Haftstrafe wegen Steuerbetruges im Sozialdienst ableisten kann oder unter Hausarrest gestellt wird.
  • Das heikle "Ruby"-Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und bezahltem Sex mit einer Minderjährigen läuft ja auch noch, da ist er in erster Instanz zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden.

"Sie wollen mich zerstören", jammert der lange Zeit mächtigste Mann Italiens, Herrscher über ein großes Medienimperium und mehrfacher Milliardär - aber er werde das nicht zulassen. Doch seine engsten Freunde, seine Partei und selbst seine Kinder sind da ganz anderer Meinung. Längst tobt der Streit um Erbe und Nachfolge.

In seiner Partei, die nach einigen Namensänderungen jetzt wieder "Forza Italia" ("Vorwärts Italien") heißt, zerfleischen sich die alten Kämpen und die smarten Jungen. Profil hat keiner, nur Selbstbewusstsein gibt es reichlich. Der Zuspruch für die Partei im Wahlvolk schwindet rapide. "Ohne mich", so Berlusconi, "gerät die Partei außer Kontrolle." Aber was soll er tun? Neuwahlen kann er sich nicht leisten. Die würde Regierungschef Matteo Renzi derzeit haushoch gewinnen.

Berlusconis Kinder bekriegen sich

In seiner Familie sieht es nicht besser aus. Da kämpfen die Kinder aus erster Ehe mit denen aus der zweiten um den Nachlass. Marina, Jahrgang 1966, ist Chefin des Mondadori-Verlages und der Familien-Holding Fininvest. Ihr drei Jahre jüngerer Bruder Pier Silvio sitzt im Vorstand des väterlichen TV-Imperiums Mediaset und in etlichen Aufsichtsräten. Nun fordern die Kinder aus zweiter Ehe ihren Teil.

Barbara, 1984 geboren, hat sich schon einmal den Fußballclub AC Mailand gekrallt. Aber der derzeit wenig erfolgreiche Verein reicht ihr nicht. Mit ihren jüngeren Geschwistern Eleonora und Luigi drängt sie auf eine neue Aufteilung von Macht und Milliarden. "Alle wollen mein Erbe", erregt sich der 77-jährige Berlusconi, "aber ich bin nicht tot."

Doch unangefochtener Chef im Ring ist er auch nicht mehr. Als er seine fünf Sprösslinge zum gemeinsamen Abendessen lud, sagten die glatt ab. Er musste mit den drei kleineren und den beiden älteren getrennt speisen und parlieren.

Mitten im Getümmel: Verlobte, Sekretärin und Anwalt

Als dritte Kraft mischt der sogenannte magische Zirkel in der Schlacht um Berlusconis Reich mit. Dieser wird angeführt von einem Trio aus dessen langjähriger Sekretärin Maria Rosaria Rossi, dem Chef seiner Anwaltstruppe Niccolò Ghedini und dem ehemaligen Showgirl Francesca Pascale.

Die hatte nach Berlusconis Wahlniederlage 2006 den Unterstützungsverein "Silvio, du fehlst uns" gegründet und wurde 2012 Berlusconis Verlobte. Jetzt hätte sie Lust auf einen großen Sprung in die Politik, etwa bei der Europawahl. "Das würde mir gefallen", sagte sie in einem Interview.

Doch das würde den ehrgeizigen Berlusconi-Kindern überhaupt nicht gefallen. Denn auch Barbara hat politische Ambitionen, deren Umsetzung bislang ihre Halbschwester Marina verhindert. Die ihrerseits war im Gespräch, den Parteivorsitz bei "Forza Italia" vom Vater zu übernehmen, sagte aber dann doch ab. Man solle "nie nie sagen", meldete sich dagegen Bruder Pier Silvio bereit zum Einstieg in die Politik.

"Mein Vater ist von zu vielen Leuten umgeben", befand Tochter Barbara jetzt öffentlich, "die es nicht gut mit ihm meinen." Das sei in der Partei wie in der Firma so. Da immerhin sind wohl alle Kämpfer im Erbkrieg einer Meinung.

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Seite 1
harnack-schuetz 03.04.2014
1.
" Vorwärts Italien " ? Schuster bleib bei deinen Leisten.
ablaufdatum 03.04.2014
2. Warum die Aufregung?
Ein ganz normaler Vorgang, wenn es was zu erben gibt. Jeder ist sich selbst der Nächste ...
bjbehr 03.04.2014
3.
Geld fressen Charakter auf.
crocsffm 03.04.2014
4.
Jaja...so gings schon Don Vito Corleone....
veritas31 03.04.2014
5. :)
Ich weiß, dass man nicht schadenfroh sein sollte...aber bei einem Spinner wie Silvio B. - doch, da bin ich schadenfroh und genieße seinen Niedergang
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