Indien-Trip US-Ministerium torpediert offenbar Reise von Ivanka Trump

Beim Unternehmergipfel GES wird Ivanka Trump die USA repräsentieren - allerdings ohne die Unterstützung hochrangiger Diplomaten. US-Medien spekulieren über einen gezielten Affront durch Außenminister Rex Tillerson.

Ivanka Trump
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Ivanka Trump


"Women First, Prosperity for All" - Frauen zuerst, Wohlstand für alle, das ist das Motto des diesjährigen Global Entrepreneurship Summit (GES), des internationalen Unternehmergipfels, der am 28. November im indischen Hyderabad startet. Passend zu diesem Motto schicken die USA in diesem Jahr Präsidententochter und -beraterin Ivanka Trump als ihre prominenteste Delegierte nach Indien.

Doch außer Ivanka Trump wird die Delegation bemerkenswert dünn besetzt sein: Laut Nachrichtensender CNN hat Außenminister Rex Tillerson beschlossen, keine hochrangigen Vertreter seines Ministeriums nach Indien zu schicken - um Ivanka Trumps Profil zu untergraben.

Der Gipfel, den Barack Obama vor acht Jahren ins Leben gerufen hat, wird vom US-amerikanischen Außenministerium finanziert und findet an wechselnden Orten in der Welt statt. In den vergangenen Jahren haben sowohl der damalige Außenminister John Kerry als auch Obama selber an dem Gipfel teilgenommen.

Von einer derart prominenten Besetzung kann 2017 keine Rede sein: "Niemand im Rang über dem stellvertretenden Staatssekretär darf teilnehmen", zitiert CNN einen anonymen hochrangigen Mitarbeiter des Außenministeriums. "Der Minister und seine wichtigsten Mitarbeiter bestehen darauf, dass sie alle Reisen genehmigen - bis ins kleinste Detail. Sie wollen niemand Hochrangigen schicken, weil sie Ivanka nicht stärken wollen. Das ist ein weiteres Zerwürfnis zwischen dem Weißen Haus und dem Außenministerium zu einer Zeit, in der Tillerson nicht noch mehr Probleme mit dem Präsidenten gebrauchen kann."

Eine andere Quelle, die ebenfalls anonym bleiben will, bestätigte gegenüber CNN, dass die ausgedünnte Delegation nichts mit den rigorosen Sparplänen von Tillerson für sein eigenes Ministerium zu tun habe: "Rex mag es nicht, dass er nominell der wichtigste Diplomat unseres Landes ist, und Jared (Kushner) und nun auch Ivanka (Trump) ihn seit Langem übergehen."

Vom Außenministerium kam in der Sache bislang nur ein vages Statement. Man unterstütze die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und deren unternehmerische Initiativen. Der Gipfel sei eine herausragende Möglichkeit, die Wichtigkeit dieser Themen zu unterstreichen.

Über Bande scheint Präsident Donald Trump gegen den CNN-Bericht zu schießen: Am späten Samstagabend twitterte er, dass der konkurrierende Nachrichtenkanal Fox News in den USA sehr viel wichtiger sei als CNN und CNN International "Fake News" verbreite.

hpi

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
kurschi 26.11.2017
1. Ivanka allein zuhaus
Dann wird sich jetzt zeigen, ob sie außer einem netten Lächeln und Allgemeinplätzen mehr drauf hat und ob sie Verpfluchtungen eigehen wird, die sie auch einhalten kann.
vitalik 26.11.2017
2.
Zitat von kurschiDann wird sich jetzt zeigen, ob sie außer einem netten Lächeln und Allgemeinplätzen mehr drauf hat und ob sie Verpfluchtungen eigehen wird, die sie auch einhalten kann.
Die Wirtschaftlichen Beziehungen sind kein SPON Artikel, den man in 5 Minuten verinnerlicht hat. Wie bereits in dem Artikel steht, werden bei solchen Veranstaltungen immer Ranghohe Diplomaten mitgenommen, nicht weil diese gut aussehen, sondern weil man hier viel Wissen und Expertise braucht. Niemand (außer Ihnen) erwartet, dass eine einzelne Person dies stämmen kann. Die Frage ist doch auch, welche Verpflichtungen Ivanka eingehen darf.
lgerlich 26.11.2017
3. darf er das?
Ungeachtet welcher Sender besser ist, frage ich mich da immer wieder, ob ein Präsident das darf: Werbung für einen privaten Nachrichtenkanal machen und einen anderen verunglimpfen . Ich kann mich kaum erinnern, dass ein demokratisch gewählter Regierungschef oder Staatsoberhaupt das so hartnäckig gemacht hat. Das kann eben Ivanka Trump auch als Chance sehen alleine zu glänzen, wie #1 schon gesagt hast.
Beat Adler 26.11.2017
4. Unter Trump keine USA softpower mehr
Unter Trump keine USA softpower mehr: Eine Veranstaltung, ins Leben gerufen von den USA, Obama, die dafuer da ist die USA softpower zu verbreiten, wird durch das Weglassen der wichtigen Diplomaten torpediert. Trump haette Rex Tillerson befehlen koennen an der Veranstaltung teilzunehmen. Es scheint, dass Trump nur noch an hardpower, Milliaer und Aehnlichem, interessiert ist. Er zieht sich mit den USA aus Allem und Jedem, das Geld kostet, dafuer internationale softpower einbringt, konsequent zurueck. Streichen der Beitraege an die UNO, die Verminderung des CO2 Ausstosses, Entwicklungshilfe und Vielem mehr. America first = America alone bedeutet eben auch keinen Einfluss der USA auserhalb des Militaerischen. mfG Beat
fatal.justice 26.11.2017
5. Disrespect.
Ohne die Teilnahme der Trump´schen Brut hätte das GES eine ähnliche mediale Reichweite, wie die Uraufführung des Schwanensees in der überkonfessionellen Kindertagesstätte "Kleine Wichtel" in Wanne-Eickel. Die derzeitige US-amerikanische Administration beweist Konsequenz: Keinerlei Wertschätzung für internationale Beziehungen, keinerlei Willen zur Kooperation, keinerlei Respekt vor dem Gegenüber. Es sei denn, das Gegenüber ist saudi-arabischer Erbmonarchist mit Hang zum lustigen Auslöschen des südlichen jemenitischen Nachbarn. Da darf gerne die Zivilbevölkerung über die sogar von Lemmingen gemiedene Klippe springen.
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