Jared Kushner und Ivanka Trump Das Power-Paar gerät ins Abseits

Was machen Ivanka Trump und Jared Kushner? Bislang galten sie als wichtige Berater des US-Präsidenten - doch nun werden sie von Hardlinern im Weißen Haus verdrängt. Wie viel Einfluss haben die Familienmitglieder noch?

Ivanka Trump und Jared Kushner
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Ivanka Trump und Jared Kushner

Von , Washington


In Jeans und Turnschuhen präsentierten sich Ivanka Trump und Jared Kushner als glückliches Paar in einem Park in Washington. Die First Daughter und ihr Gatte feierten unweit ihres Wohnhauses im Nobelstadtteil Kalorama den zweiten Geburtstag ihres Sohnes mit Saft und Süßigkeiten vom Biosupermarkt. Alles sah ganz normal aus.

In Wahrheit zählen die Bilder von dem kleinen Fest, die in den sozialen Medien die Runde machten, zu den wenigen sichtbaren Lebenszeichen des Paares aus der jüngsten Zeit. Um Jared und Ivanka Kushner-Trump, die sich sonst so gerne als das neue Power-Paar der amerikanischen Politik inszenieren, ist es ansonsten erstaunlich ruhig geworden.

Bislang galten Ivanka Trump und Schwiegersohn Jared als wichtige Stützen und Einflüsterer von US-Präsident Donald Trump. Sie bestimmten die Personalpolitik im Weißen Haus mit, sie gaben bei wichtigen Themen Rat, und sie vertraten den Präsidenten häufig in diplomatischen Angelegenheiten.

Gleichzeitig zählten sie zu den liberalen, moderaten Kräften in der Regierung, zu den "Vernünftigen". Immer wieder soll vor allem Tochter Ivanka versucht haben, auf den Vater mäßigend einzuwirken.

Doch mehr und mehr wird in Washington gerätselt, wie es um den Einfluss von "Jarvanka" auf den Mann im Oval Office wirklich bestellt ist. Hört der Präsident überhaupt noch auf sie? Oder folgt er lieber wieder seinen eigenen, radikalen politischen Instinkten?

Von politischer Mäßigung im Sinne des Duos ist bei Donald Trump derzeit jedenfalls kaum etwas zu spüren. Stattdessen setzt der Präsident auf seine Rezepte aus dem Wahlkampf: Er pöbelt gegen seine Gegner, macht gegen Einwanderer Stimmung und verfolgt - zumindest rhetorisch - eine streng nationalistische Agenda. Gleichzeitig sortiert er moderate Mitarbeiter aus und ersetzt sie durch Hardliner vom Schlag des neuen Sicherheitsberaters John Bolton.

Ihre wichtigen Projekte werden torpediert

Schwiegersohn Jared und Tochter Ivanka wirken da ein wenig fehl am Platz. Im harten Machtbetrieb der Hauptstadt hatten es die beiden Polit-Neulinge aus Manhattans High Society nie ganz leicht. Aber zunehmend geraten wichtige Projekte, die sie verfolgen, ins Stocken oder werden vom Schwiegervater und seinen Hardliner-Freunden im Weißen Haus torpediert.

Zum Beispiel die Verbesserung der Beziehungen zu Mexiko. Als Sondergesandter des Präsidenten wollte sich Jared Kushner eigentlich darum bemühen, das Verhältnis zu dem Nachbarland zu verbessern. Erst kürzlich reiste er zu politischen Gesprächen dorthin, traf sich unter anderem mit Präsident Enrique Peña Nieto. Dabei wurden auch eine Reihe kleinerer bilateraler Abkommen auf den Weg gebracht.

Doch Trump fährt Kushner immer wieder in die Parade. Derzeit lässt der Präsident praktisch keinen Tag verstreichen, ohne Mexiko öffentlich zu attackieren. Am Osterwochenende feuerte er einen Tweet nach dem anderen ab, drohte Mexiko erneut mit der Aufkündigung des Freihandelsabkommens Nafta.

Außerdem beschwerte er sich wieder einmal lautstark über den angeblichen Ansturm von illegalen Einwanderern aus dem Land. Die Bemühungen des Schwiegersohns macht er so quasi mit einem Handstreich zunichte.

Ivanka und Jared verlieren zugleich wichtige Unterstützer im Weißen Haus. Erst kündigte ihr persönlicher Kommunikationsberater Josh Raffel seinen Rückzug an. Dann verabschiedete sich der Wirtschaftsexperte des Präsidenten, Gary Cohn. Der Goldman-Sachs-Mann war auf Kushners Empfehlung ins Weiße Haus geholt worden, um Trump davon abzuhalten, eine allzu globalisierungsfeindliche Politik zu verfolgen. Doch Cohn konnte Trump nicht bremsen. Der Präsident verkündete Strafzölle auf Stahl und trat den Handelskonflikt mit China los.

Gary Cohn, Jared Kushner, Ivanka Trump
DPA

Gary Cohn, Jared Kushner, Ivanka Trump

Weitere Probleme kommen für "Jarvanka" hinzu: Seit Jared Kushner vor einigen Wochen durch Stabschef John Kelly die höchste Sicherheitsstufe für Mitarbeiter des Präsidenten entzogen wurde, hat er keinen Zugang mehr zu Unterlagen oder Treffen, in denen streng geheime Themen abgehandelt werden. Bis heute ist unklar, warum Kushner von Kelly gesperrt wurde. Üblicherweise erfolgen solche Sperren immer dann, wenn den Sicherheitsbehörden Hinweisen auf mögliche kriminelle Verwicklungen eines Mitarbeiters vorliegen.

Im Fall von Kushner verfolgen die Behörden dabei wohl gleich zwei Spuren: Zum einen prüft Russland-Sonderermittler Robert Mueller, inwieweit Kushner an einer möglichen Zusammenarbeit des Wahlkampfteams von Donald Trump mit der russischen Regierung beteiligt war. Zum anderen interessieren sich die Sicherheitsdienste wohl dafür, ob Kushner womöglich seine Position in der Regierung dazu missbraucht haben könnte, um über seine vielfältigen neuen Kontakte die Geschäftsinteressen seiner Familie zu befördern - etwa durch das Einfädeln von Immobilienkrediten.

Natürlich könnte Jared in beiden Fällen auch weiterhin von jeder Schuld freigesprochen werden. Er selbst weist den Verdacht eines Fehlverhaltens stets zurück. Gleichwohl belasten die Vorwürfe sein Ansehen und seinen Status in Washington. Auch er selbst soll nach einem Bericht der "New York Times" über den Entzug der Sicherheitsfreigabe durch Kelly schockiert gewesen sein.

Robert Mueller
Getty Images

Robert Mueller

Die große Frage lautet deshalb nun, wie es für Jared und Ivanka weitergeht. Alles scheint denkbar: Von einem baldigen Rückzug in ihr altes Leben nach New York bis hin zu einem gesichtswahrenden Abgang für Jared in die neue-alte Wahlkampfzentrale, die bereits jetzt an Trumps Wiederwahl 2020 arbeitet.

Gut möglich ist aber natürlich auch immer noch das große Comeback. Hinter den Kulissen arbeitet Kushner mit Unterstützung von Ivanka an dem versprochenen Friedensplan für den Nahen Osten. Kushner trifft sich mit Israelis und mit deren arabischen Nachbarn, die wiederum die Palästinenser zu einem Friedensschluss überreden sollen.

Wie im Nahen Osten üblich gestaltet sich die Sache kompliziert. Angeblich soll der Friedensplan aber bald fertig sein. Eine Einigung wäre für Jared die Chance, doch noch als Polit-Stratege Eindruck zu machen. Es ist vielleicht die Letzte.

insgesamt 34 Beiträge
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quatermain4000 03.04.2018
1. Mageres Resume aus US Zeitungen und Fernsehsendungen
Fuer so einen Artikel muss man nicht in Washington sein. Es ist ein wirklich sehr flaches Resume auf der Basis von ein paar Zeitungsartikeln in US Zeitungen. Flach ist der Artikel, weil er der Kushner Problematik nicht gerecht wird.
scratchpatch 03.04.2018
2. Ein um sich schlagender Präsident
Ich würde darauf spekulieren, dass Trump Kushner dem Sonderermittler Mueller zum Fraß hinwirft in der Hoffnung, das Thema damit aus der Welt zu schaffen. An der Vielzahl von Tweets über Ostern, die sehr aggressiv waren und offenbar sogar in der Wortwahl ("Caravan") eine direkte Reaktion auf Fernsehsendungen waren, kann man ablesen, dass Trump unter Druck ist. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich auch aus dem komplizierten Thema Handelskrieg herauswindet und sich ganz auf Einwanderung konzentriert, das Stimmungsthema, mit dem er alle Emotionen entfachen kann. Wie amerikanische Medien aufdeckten, sind ihm Fakten dabei wieder einmal völlig egal. So giftete er gegen angeblich massenhafte illegale Grenzüberquerungen, die darauf zurückzuführen seien, dass viele auf die angestrebte Dreamer-Regelung und ein Bleiberecht (als Gegenleistung für die Zustimmung der Demokraten zum Mauerbau) hofften und deswegen noch schnell einreisen wollten, obwohl dies wohl nur für Kinder gelten soll, die schon seit 2007 in den USA sind. Ein Präsident, der den Gesetzentwurf nicht kennt, über den er sich permanent äußert, oder ihn gar wissentlich fälscht, ist eigentlich untragbar. Trump sieht aus wie ein Verlierer, das Schlimmste, was ihm in seiner Vorstellung passieren kann. Es würde mich nicht wundern, wenn er jetzt ganz hemmungslos mit rechtsradikaler fremdenfeindlicher Hetze anfängt.
glissando 03.04.2018
3. Das passt schon so
Man fragt sich, wo Roland Nelles die letzten Monate verbrachte. Iavanca sind von Tag eins an ein Totalausfall, Nelles klngt fasst bedauernd, ob der schwindenden Rolle der beiden. Keine sichtbaren, substanziellen Erfolge und dann Ratschläge wie den, Comey zu feuern. Wenn Trump jemals etwas richtig gemacht haben sollte, dann, diese beiden aus der ersten Reihe zu nehmen. Erstaunlich, dass Nelles dem billigen Iavanca Eigenmarketing auf den Leim geht und die Mär vom mäßigenden Einfluss nochmal hervorkramt. Außer der Förderung wirtschaftlicher Eigeninteressen war und ist von den beiden nichts, aber auch gar nichts zu erwarten. Leider.
dekorte 03.04.2018
4. Aha
Was sollen wir nur mutmaßen? Was spielt sich dramatisches im Weißen Haus ab? Trinkt jetzt Trump doch nicht mehr seinen Kaffee mit Milch? Hat er gar das Interesse an weiß verloren? Oder bedeutet es ein Schießbefehl auf alle schwarzen? Es bleibt spannend. Und dank SPON ist selbst der unpolitischte Michel immer bestens informiert, über alles was drüben passiert. Wunderbar.
cipo 03.04.2018
5.
Ich sehe es so: das "Power-Paar" hat nie auch nur annähernd den Einfluss gehabt, den die Medien ihm attestierten. Es diente immer nur als pseudo-liberales Feigenblatt.
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