Südkorea-Visite Ivanka Trump auf olympischer Mission

Donald Trump kündigt neue Sanktionen gegen Nordkorea an. Derweil ist seine Tochter zu Gast bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang - zum Anfeuern, aber auch mit politischem Auftrag.


Am späten Nachmittag koreanischer Zeit hatte Ivanka Trump dann doch noch Grund zum Jubeln: Mit 10:7 gewann die amerikanische Männer-Curling-Mannschaft ihr olympisches Finale gegen Schweden, das erste Curling-Gold für die USA überhaupt. Auf der Tribüne des Gangneung Curling Centre feierte die First Daughter mit, den vierjährigen Sohn von Skip John Shuster auf dem Arm. "America First" also.

Zuvor hatte die 36-Jährige mit blau-roter Team-USA-Pudelmütze im roten Skianzug beim Snowboard-Wettbewerb zugeschaut, wo allerdings der Kanadier Sebastien Toutant dem US-Fahrer Kyle Mack die Big-Air-Goldmedaille weggeschnappt hatte. Zudem besuchte Ivanka Trump das Hauptquartier der US-Mannschaft bei den Winterspielen und überreichte eine Ehrenmedaille an einen ehemaligen Bobfahrer und heutigen Armeereservisten.

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Ivanka Trump in Südkorea: Tochter, Fan und Repräsentantin

Denn schließlich ist die Tochter des US-Präsidenten nicht bloß als Olympia-Touristin nach Südkorea gereist, sie ist als Sondergesandte Donald Trumps gekommen in eine Region, die nach den Atomwaffentests und Drohungen Nordkoreas hochnervös ist. Für ihren Vater "könnte es keine bessere, schlauere" Repräsentantin der USA geben als Ivanka, wie er via Twitter mitteilte.

Den im engeren Sinne politischen Teil ihrer Südkorea-Reise hatte Ivanka Trump bereits am Freitag, gleich nach ihrer Landung in Seoul absolviert. Vor einem abendlichen Bankett zu ihren Ehren hatte die Präsidententochter bereits hinter verschlossenen Türen mit Südkoreas Präsident Moon Jae In gesprochen.

Weiter "maximaler Druck" gegen Nordkorea

Wie ein Sprecher der südkoreanischen Regierung berichtete, habe Moon in diesem Gespräch betont, dass die Olympischen Winterspiele als Vehikel für den Dialog zwischen den beiden Koreas wertvoll sei. Die USA und Südkorea sollten diese neue, entspanntere Stimmung nutzen, um die Verbesserung der interkoreanischen Beziehungen und die nukleare Abrüstung Nordkoreas parallel voranzutreiben.

Ivanka Trump hingegen sagte in ihrer Bankettrede, sie sei nach Südkorea gekommen, um die Olympischen Spiele zu feiern und um die Entschlossenheit der USA zu bestätigen, "mit maximalem Druck dafür zu sorgen, dass die koreanische Halbinsel nuklearwaffenfrei werde".

Ihr Vater hatte am Freitag zunächst angekündigt, Washington werde die Sanktionen gegen Nordkorea noch einmal anziehen. Das Finanzministerium belegte Reedereien und Handelsunternehmen mit Strafmaßnahmen. "Heute gebe ich bekannt, dass wir das größte Maß an neuen Sanktionen gegen das Regime in Nordkorea verhängen, das es je gegeben hat", hatte Trump verkündet.

Dann stellte US-Präsident Donald Trump sogar eine mögliche Eskalation für den Fall in den Raum, dass die Strafmaßnahmen gegen Nordkorea nichts ändern. "Wenn die Sanktionen nicht funktionieren, müssen wir Phase zwei beginnen", sagte Trump: "Phase zwei wird eine sehr raue Angelegenheit werden. Das könnte sehr, sehr bedauerlich für die Welt sein." Er denke aber nicht, dass er diese Karte spielen wolle, sagte Trump.

Kein Treffen mit dem General aus Pjöngjang

Am Sonntag wird Ivanka Trump die US-Delegation bei der Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang anführen. Auch Nordkorea wird dort offiziell vertreten sein. Während allerdings zur Eröffnung der Spiele Kim Yo Jong den Norden repräsentiert hatte - die Schwester von Machthaber Kim Jong Un mit dem Spitznamen "Ivanka von Nordkorea" -, wird für den Abschluss der Spiele der hohe General Kim Yong Chol erwartet, der Vizevorsitzende des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei. Konservative südkoreanische Abgeordnete protestierten gegen den Besuch des Generals, den sie als "Kriegsverbrecher" bezeichneten.

Dass Ivanka Trump den General aus Nordkorea treffen könnte, wurde aber ausgeschlossen. An der Eröffnungsfeier in Pyeongchang hatte US-Vizepräsident Mike Pence teilgenommen. Zu einem Treffen zwischen den Regierungsdelegationen aus Nordkorea und den USA war es aber nicht gekommen. Nach Angaben der US-Regierung war zwar ein Geheimtreffen der von Pence angeführten Delegation mit den Nordkoreanern anvisiert, doch habe Pjöngjang in letzter Minute abgesagt.

feb/AP/dpa/AFP

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