Ivorischer Ex-Präsident Gbagbo wettert vor Gericht gegen französische Armee

Er soll als "mittelbarer Täter" für viele Todesopfer verantwortlich sein: Als erster Ex-Staatschef steht Laurent Gbagbo vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Zum Auftakt erhob der 66-jährige Ivorer Vorwürfe gegen Frankreich - seine Anhänger wittern eine Verschwörung.

Ehemaliger Präsident Gbagbo: Haftbedingungen korrekt, Festnahme nicht
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Ehemaliger Präsident Gbagbo: Haftbedingungen korrekt, Festnahme nicht


Den Haag - Laurent Gbagbo machte einen entspannten Eindruck, lächelte seinen Unterstützern im Zuschauerraum zu. Während der 25-minütigen Befragung erhob der ehemalige Präsident der Elfenbeinküste jedoch schwere Vorwürfe. Am Montag ist Gbagbo erstmals vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag erschienen. Bei dem Anhörungstermin beschuldigte er die französische Armee, seine Festnahme im vergangenen April organisiert zu haben. Er habe gesehen, wie sein Sohn bei der Aktion verprügelt und ein Minister getötet wurde.

Befragt zu den Haftbedingungen in Den Haag sagte Gbagbo, diese seien korrekt, nicht aber die Umstände seiner Festnahme.

Der IStGH ermittelt parallel zur ivorischen Justiz gegen Gbagbo wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl Ende November 2010. In dem monatelangen Machtkampf zwischen dem langjährigen Präsidenten und seinem Herausforderer Alassane Ouattara wurden laut IStGH mindestens 3000 Menschen getötet.

Nach Überzeugung der Ermittler ist der 66-jährige Gbagbo "als mittelbarer Täter" strafrechtlich verantwortlich für die von seinen Milizen begangenen Morde, Vergewaltigungen und Verfolgung.

Gbagbo war im April in der Elfenbeinküste festgenommen worden, im Mai wurde Ouattara als neuer ivorischer Präsident vereidigt. Vergangenen Mittwoch wurde Gbagbo als erster Ex-Staatschef an den 2002 gegründeten IStGH nach Den Haag überstellt.

Gbagbo-Unterstützer protestieren gegen Verfahren

Dies hatte bei seinen Anhängern für scharfe Proteste gesorgt, seine Ivorische Volksfront (FPI) verkündete ihren Ausstieg aus dem Versöhnungsprozess in dem westafrikanischen Land. Die Anwälte von Gbagbo würden alles in ihrer Macht Stehende tun, um einen fairen Prozess zu gewährleisten, sagte der Sprecher der Ivorischen Volksfront, Augustin Guehoun, in Abidjan. Politische Gegner des jetzigen Präsidenten hatten das Haager Verfahren als ein Instrument bezeichnet, mit dem Gbagbo an der Rückkehr auf die politische Bühne gehindert werden solle.

Der Haager Chefankläger Luis Moreno-Ocampo versicherte am Montag der Nachrichtenagentur AFP, die Überstellung Gbagbos habe in der "Verantwortung der ivorischen Regierung" gelegen.

Richterin Silvia Fernández de Gurmendi legte den 18. Juni als Termin für die nächste Anhörung fest. Dann will das Gericht prüfen, ob die Beweislast für einen Prozess ausreicht. Uno-Experten werfen sowohl Anhängern Gbagbos als auch Kämpfern Ouattaras schwere Vergehen vor.

Nichtregierungsorganisationen warnten davor, in einer Art "Siegerjustiz" lediglich gegen den ehemaligen Präsidenten vorzugehen. Moreno-Ocampo bekräftigte am Montag, Gbagbo werde nicht der letzte Ivorer sein, der sich vor dem Gericht verantworten müsse. "Wir sind uns einig, dass von allen Seiten Verbrechen begangen wurden, die untersucht werden müssen", sagte er.

jok/dapd/dpa



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