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29. Juli 2003, 06:25 Uhr

Jagd auf den Ex-Diktator

"Saddam ist nicht Bin Laden"

Das amerikanische Militär scheint bei der Jagd auf Saddam Hussein seinem Ziel immer näher zu kommen. "Nur um Stunden" soll der frühere irakische Diktator bei einer Razzia verfehlt worden sein. Aber die US-Fahnder stellten einen der wichtigsten Leibwächter des Ex-Staatschefs.

Gefürchteter Diktator: Saddam im Oktober 2002
AP

Gefürchteter Diktator: Saddam im Oktober 2002

Tikrit - Die Amerikaner fassten den Leibwächter am Dienstag in der irakischen Stadt Tikrit, dem Heimatort Saddams. Sie stürmten vor Morgengrauen das Haus des Mannes. Bei mehreren fast gleichzeitgen Razzien in Tikrit sollten drei Gesuchte erwischt werden, berichtete Generalleutnant Steve Russell, und alle seien gefangen genommen worden. "Wir haben unsere wichtigste Zielperson bekommen", sagte der Militärsprecher. "Dieser Mann war ein enger Mitarbeiter von Saddam Hussein." Der Name des Festgenommenen wurde nicht bekannt gegeben. Russell bezeichnete ihn lediglich als "einen von Saddams lebenslangen Leibwächtern".

Die US-Soldaten feuerten zwei Schüsse ab, bevor die das Haus in Tikrit stürmten. Minuten später führten sie den Mann heraus, der blutete und nur mit Unterwäsche und einem T-Shirt bekleidet war, wie es aus Armeekreisen hieß. Er habe Widerstand geleistet, und Soldaten hätten ihn niederringen müssen, sagte Russell.

Bei einer weiteren Razzia verpasste das US-Militär Saddam am Montag offenbar nur ganz knapp. Die Soldaten hätten den Ex-Diktator nur "um Stunden" Verfehlt, behauptete der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage. Saddam sei "kein Osama Bin Laden", und nicht daran gewohnt, sich in der Wildnis zu verstecken, deshalb werde man ihn bald fangen, sagte Armitage gegenüber CNN. Terrorchef Bin Laden wird von den USA unter anderem für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan wird bisher vergeblich nach ihm gefahndet.

Die US-Regierung gab unterdessen 30 Länder bekannt, die bei der Sicherung des Irak helfen oder Unterstützung zugesagt haben. Daneben gebe es Gespräche mit einer Reihe anderer Staaten über mögliche Beiträge, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher.

Die 30 Länder sind Albanien, Aserbaidschan, Großbritannien, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, die Dominikanische Republik, Estland, El Salvador, Georgien, Honduras, Ungarn, Italien, Japan, Kasachstan, Lettland, Litauen, Mazedonien, die Mongolei, die Niederlande, Nicaragua, Norwegen, die Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, die Slowakei, Südkorea, Spanien und die Ukraine.

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