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Jahrestag der Invasion: Kriegsgegner demonstrieren in US-Metropolen gegen Bushs Irak-Feldzug

Sie ketteten sich an Häuser, stoppten den Verkehr und blockierten wichtige Gebäude. Zum fünften Jahrestag des Irak-Feldzugs machten Demonstranten in etlichen US-Städten ihrer Wut Luft. Die Polizei führte rund 200 Kriegsgegner ab.

Washington/Bagdad - Allein in San Francisco wurden am Mittwoch nach Angaben der Behörden rund 150 Personen abgeführt. Sie hatten den Verkehr im Finanzzentrum blockiert oder sich an Gebäude angekettet. Schwarze Luftballons säumten die Straßen, während Demonstranten einen "unhappy birthday cake" angeschnitten und die Kuchenstücke an Passanten verteilten. Einige Demonstranten hätten mit Farbe gefüllte Weihnachtsbaumkugeln auf Polizisten geworfen, sagte ein Polizeisprecher.

In Washington wurden bei einer Sitzblockade vor dem Kapitol etwa 20 Teilnehmer festgenommen. Weitere Festnahmen gab es, als Demonstranten die Absperrungen vor einer Finanzbehörde überwanden. Zu Protesten kam es auch New York und Boston.

In Syracuse wurden 20 Demonstranten festgenommen, die an einem Straßentheater teilgenommen hatten, bei dem Szenen in Bagdad nachgespielt wurden. In Chicopee (Massachusetts) wurden acht Personen wegen der Blockade eines Luftwaffenstützpunkts abgeführt.

In Cincinnati legten Kriegsgegner 4000 T-Shirts aus, um so an die 4000 im Irak getötete US-Soldaten zu erinnern. In Louisville (Kentucky) stellten Demonstranten Militärstiefel, Sandalen und Kinderschuhe auf die Stufen eines Gerichtsgebäudes.

Der Jahrestag brachte die Irak-Debatte auch in den Vorwahlkampf zurück. Der bei den Demokraten bislang führende Senator Barack Obama sagte in North Carolina, seiner Rivalin Hillary Clinton könne nicht vertraut werden, wenn es um die Beendigung des Kriegs gehe. Während er selbst von Anfang an gegen das militärische Vorgehen im Irak gewesen sei, habe Clinton zunächst für den Einsatz gestimmt.

Der Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General David Petraeus, sagte dem Fernsehsender CNN, die Sicherheitslage habe sich im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich gebessert. Die Fortschritte seien aber weiter gefährdet, sagte der General: "Es gibt da draußen zahllose Herausforderungen."

In Bagdad rief der irakische Präsident Dschalal Talabani alle gesellschaftlichen Gruppen zu einer "wirklichen Versöhnung" auf. Nur dann könne der am 20. März 2003 begonnene Weg erfolgreich zum Ziel führen, sagte der kurdische Politiker.

Unter massivem politischen Druck der USA machte der irakische Präsidentschaftsrat den Weg frei für Regionalwahlen im Herbst. Die USA erhoffen sich von der Wahl von Landesversammlungen in den 18 Provinzen eine Entspannung im Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten. Nach der Grundsatzentscheidung Talabanis und seiner beiden Stellvertreter müssen jetzt noch die Einzelheiten für die geplanten Wahlen geklärt werden.

als/AP/Reuters

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