Kairo - Die Bilder sehen sich verblüffend ähnlich: Der Tahrir-Platz im Herzen Kairos ist voller Menschen, sie schwenken Fahnen, haben ihre Gesichter in den Nationalfarben bemalt und halten Transparente in die Höhe. Vor genau einem Jahr begannen dort die Unruhen, die zum Sturz des verhassten Despoten Husni Mubarak geführt haben. Am Mittwoch, zwölf Monate später, haben hunderttausende Menschen in Kairo, Alexandria, Suez und anderen Städten diesen Jahrestag gefeiert.
Bis in die Nacht hinein nutzten die Menschen auf dem Tahrir-Platz die Situation vor allem auch, um gegen den Militärrat zu demonstrieren. Zwar hat am Montag zum ersten Mal das frei gewählte Parlament getagt, doch viele Ägypter sind besorgt, da das Parlament kaum Befugnisse hat. Stattdessen zieht der mächtige Militärrat hinter den Kulissen die Strippen. Ihn forderten die Demonstranten am Mittwoch auf, seine Macht abzugeben. Zudem kritisierten sie die Muslimbruderschaft, die bei den Wahlen als Sieger hervorgegangen war.
"Ich habe Hoffnung, dass diese Märsche eine Botschaft an die Bruderschaft und den Militärrat senden", sagte der Aktivist Sahar Abdel-Mohsen, der fünf Kilometer durch Kairo gelaufen war. Ein anderer Aktivist, Attiya Mohammed Attiya, sagte: "Ich bin nicht hier, um zu feiern. Ich bin hier für eine zweite Revolution." Der Militärrat sei voller Mubarak-Anhänger. Diese müssten abgesetzt werden.
Der Militärrat weiß um die negative Stimmung in der Bevölkerung. Um eine weitere Revolution abzuwenden, hat er deshalb in den vergangenen Tagen mehrfach Zugeständnisse an die Demonstranten gemacht: Die Generäle erließen beispielsweise eine Amnestie für in den vergangenen Monaten verhaftete Demonstranten und hoben die jahrzehntelang geltenden Notstandsgesetze auf.
Dennoch: Ein schnelles Ende der Proteste auf dem Tahrir-Platz ist noch nicht in Sicht. Mehrere Gruppen haben angekündigt, bis zum Morgen bleiben zu wollen, andere wollen bis Freitag ausharren.
Anders als vor einem Jahr blieben die Proteste am Mittwoch größtenteils friedlich. Dass keine Polizisten auf dem Tahrir-Platz waren, wurde als Zeichen gewertet, dass gewalttätige Zusammenstöße vermieden werden sollten. Wie die BBC berichtet, glich die Veranstaltung mehr einer großen Straßenfeier, als einem politischen Protest. Die Nachrichtenagentur dpa hingegen schreibt von gewalttätigen Übergriffen: Eine Frau sei entkleidet und fast vergewaltigt worden, berichtet die Agentur unter Berufung auf Aktivisten.
Bei den Protesten Anfang 2011 hatten Hunderttausende Ägypter gegen das autoritäre Mubarak-Regime rebelliert - und den Präsidenten nach fast 30-jähriger Herrschaft zu Fall gebracht. Während der Revolution kamen rund 1000 Menschen ums Leben.
aar/dpa/Reuters/AP
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