Fukushima-Jahrestag Tausende Japaner demonstrieren gegen Atomkraft

Zwei Jahre nach der Katastrophe in Fukushima demonstrieren Tausende Japaner gegen Atomkraft. Sie fordern den Verzicht auf Kernenergie, doch die neue konservative Regierung plant neue Kraftwerke.

DPA

Tokio - Die japanische Anti-Atomkraft-Bewegung ist noch jung. Vor der Katastrophe in Fukushima, wo vor zwei Jahren ein Tsunami einen verheerenden Reaktorunfall ausgelöst hatte, gab es in Japan kaum Kritik an der Kernenergie. Erst im Sommer 2012 gründete sich in Tokio eine neue grüne Partei - beinahe 30 Jahre, nachdem die deutschen Grünen in den Bundestag eingezogen waren.

Anlässlich des bevorstehenden zweiten Jahrestags des Atomunfalls demonstrierten japanische Atomkraftgegner am Samstag gegen die Kernenergie. Sie forderten ein Ende der Kernkraft und gelobten, den Kampf gegen die Nuklearenergie niemals aufzugeben. Und das, obwohl sich in den zwei vergangenen Jahren nach dem GAU kaum etwas in Japan geändert hat.

Die Demonstranten äußerten sich vor dem Jahrestag am 11. März besorgt, weil die neue japanische Regierung weiter auf die Atomkraft setzt. Erst im Dezember hatte der konservative Premier Shinzo Abe angekündigt, Atomkraftwerke wieder ans Netz nehmen zu wollen und neue Meiler zu bauen.

"Als wären Hiroshima, Nagasaki und Fukushima nie passiert"

"Ich kann mir nicht vorstellen, was kommen wird. Es sieht hoffnungslos aus, doch wenn ich jetzt aufgebe, ist alles aus", sagte der 47-jährige Demonstrant Akihiro Nakata, Eigentümer einer Baufirma. Die Organisatoren gaben an, am Samstag hätten in Tokio 13.000 Atomkraftgegner demonstriert. "Ich werde gegen jene kämpfen, die so handeln, als ob Hiroshima, Nagasaki und Fukushima nie passiert wären", sagte der Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe zu den Demonstranten.

Unter anderem wegen der seit zwei Jahren anhaltenden Proteste gegen die Atomkraft sind in Japan bisher nur zwei von 50 intakten Reaktoren wieder ans Netz gegangen. Die Demonstrationen sind die ersten öffentlichen Proteste seit der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg in den sechziger Jahren.

An landesweiten Feiertagen haben in den vergangenen zwei Jahren Atomkraftgegner in Tokioter Parks demonstriert, jeden Freitagabend versammelten sich Protestierende vor dem Parlamentsgebäude. Unter den Demonstranten waren dabei auch solche Japaner, die sich zuvor zurückgehalten hatten - etwa Hausfrauen und Angestellte.

Sammelklage gegen Regierung und Betreiber

Auch zwei Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima konnten bis zu 160.000 Menschen nach wie vor nicht in ihre Häuser in der Umgebung des Unglücksreaktors zurückkehren. In der Region gibt es Geisterstädte, die Angst der Bevölkerung vor Krebs und anderen Folgen der Strahlung wächst.

Für den Sonntag sind weitere Proteste in Tokio geplant. Am Montag wird es in ganz Japan Veranstaltungen geben, um der nahezu 19.000 Menschen zu gedenken, die in Folge des Tsunamis im Jahr 2011 gestorben sind.

Währenddessen versuchen Aktivisten, die japanische Regierung und den Betreiber der Atomkraftanlage in Fukushima, die Tokyo Electric Power Company (Tepco), mit Hilfe einer Sammelklage dazu zu zwingen, die Umgebung Fukushimas wiederherzustellen. Ob und wie allerdings die Umwelt in den Stand vor der Reaktorkatastrophe zurückversetzt werden soll, ist unklar. Die 800 Kläger sind bunt gemischt und kommen aus allen Gesellschaftsschichten, ein Umstand der für Japan ebenso ungewöhnlich ist wie, dass die Betroffenen überhaupt klagen. Eine Entscheidung in dem Gerichtsprozess wird nicht früher als in mehr als einem Jahr erwartet.

"Wir können nicht glauben, dass die Regierung daran denkt, die Reaktoren wieder ans Netz zu nehmen, nach den horrenden Schäden und Schmerzen, die dieser Unfall verursacht hat", sagte Izutaro Managi, einer der die Klage vertretenden Rechtsanwälte. "Es ist, als würden die Opfer noch einmal bestraft werden."

dba/AP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 130 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
brennholzverleiher 09.03.2013
1. Einfach laufen lassen ...
Zitat von sysopDPAZwei Jahre nach der Katastrophe in Fukushima demonstrieren Tausende Japaner gegen Atomkraft. Sie fordern den Verzicht auf Kernenergie, doch die neue konservative Regierung plant neue Kraftwerke. http://www.spiegel.de/politik/ausland/jahrestag-des-fukushima-gau-japaner-demonstrieren-gegen-atomkraft-a-887815.html
Einfach die Realität laufen lassen. Vielleicht finden die japaner ja einen Weg, in ihrem Industriestaat ohne elektrischen Strom auszukommen.
zompel 09.03.2013
2. Warum werden Dinge hier vermischt
Zitat von sysopDPAZwei Jahre nach der Katastrophe in Fukushima demonstrieren Tausende Japaner gegen Atomkraft. Sie fordern den Verzicht auf Kernenergie, doch die neue konservative Regierung plant neue Kraftwerke. http://www.spiegel.de/politik/ausland/jahrestag-des-fukushima-gau-japaner-demonstrieren-gegen-atomkraft-a-887815.html
Ereignisse des WW2, der Gau und Flutkatastophe? Relevant sollte nur der GAU sein. Sonst muesste man die Bauer von A-Waffen vor Gericht ziehen. Toderopfer gab es wegen der Flut. Da wird es extremst schwierig den Gott seiner Wahl anzuklagen. So ist es wieder nur Ideologenaktionismus wie es ihn hier auch gibt.
opa klaus 09.03.2013
3. Alternativen???
Japan hat Kohle und das war es auch! Was bleibt denn einem fleißigen Inselvolk außer der Atomkraft? Wir haben einen europäischen Stromverbund und können Strom problemlos von Nachbarn beziehen, Japan aber nicht!
fritzlothar 09.03.2013
4. Die japanische Regierung bietet...
...ein Paradebeispiel für Lobbyeinfluß. Was die Bevölkerung will, das ist belanglos, was die Industrie will, das ist Regierungspolitik. Sind es nicht "Liberale", die dort die Regierung stellen?? Ach so! Na dann....
Knacker54 09.03.2013
5. Menetekel Atomkraft
Zitat von sysopDPAZwei Jahre nach der Katastrophe in Fukushima demonstrieren Tausende Japaner gegen Atomkraft. Sie fordern den Verzicht auf Kernenergie, doch die neue konservative Regierung plant neue Kraftwerke. http://www.spiegel.de/politik/ausland/jahrestag-des-fukushima-gau-japaner-demonstrieren-gegen-atomkraft-a-887815.html
Es hat lange gedauert, bis hier in Deutschland eine relevante Menge an Menschen gegen die Atomenergie, ihre Konzerne und ihre mafiösen Strukturen aufbegehrt haben. Noch immer gibt es mächtige Verflechtungen bestehend aus Politik und Atomwirtschaft, die ohne Rücksicht auf das Leben ihre v.A. wirtschaftlichen Interessen verfolgen und teilweise mit äusserster Skrupellosigkeit durchzusetzen versuchen. In Japan - nicht zu vergessen Frankreich! - hat dieser Prozess des Aufbegehrens 3 Jahrzehnte länger gedauert. Mögen sie so schnell wie möglich aufholen! Wem nicht spätestens nach der Fukushima-Katastrophe klar geworden ist, was die Menschheit mit der Anwendung der Atomenergie (=Öffnen der Büchse der Pandora) sich und ihrer Umwelt antut - und das auf Jahrtausende hinaus! - dem ist wirklich nicht zu helfen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.