Jahresübersicht In diesen Ländern wird es 2015 spannend

G7-Gipfel, Wirtschaftskrise in der Ukraine, Weichenstellung für die US-Präsidentschaftswahl: 2015 stellt die politischen Entscheider vor große Herausforderungen. Die wichtigsten Ereignisse.

Politische Weltkarte 2015: Was politisch wichtig wird
SPIEGEL ONLINE

Politische Weltkarte 2015: Was politisch wichtig wird


1. Januar: Ausbildungsmission in Afghanistan startet

Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Scharif (2013)
DPA

Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Scharif (2013)

Afghanistan hofft auf eine friedliche Zukunft, doch die Chancen dafür stehen schlecht. Zum Jahresende 2014 ging der Isaf-Einsatz nach 13 Jahren zu Ende. Auftrag der internationalen Truppen war, für Sicherheit zu sorgen und Afghanistan wiederaufzubauen. Es war ein Kampfeinsatz, den auch die Bundesregierung sich lange Zeit weigerte, Krieg zu nennen. Rund 3500 ausländische Soldaten verloren dabei ihr Leben, darunter 55 Bundeswehrangehörige.

Jetzt folgt eine Ausbildungsmission mit rund 12.000 Soldaten. Deutschland wird bis zu 800 Soldaten stellen. Das Mandat gilt zunächst für ein Jahr. Die afghanischen Sicherheitskräfte sollen trainiert werden, damit sie später selbst für ein sicheres, stabiles Afghanistan sorgen können.

Politische Gegner und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen stehen sich jedoch nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Das Land hat einen Präsidenten und einen "Geschäftsführer" - und damit einen Neben-Staatschef. In dieser instabilen Situation drängen die Taliban wieder an die Macht: keine guten Voraussetzungen also für Frieden in Afghanistan.

Hasnain Kazim


1. Januar: Litauen führt den Euro ein

Neue Euro-Münzen mit dem litauischen Reiter
DPA

Neue Euro-Münzen mit dem litauischen Reiter

Als 19. Mitgliedsland der EU führt Litauen die Gemeinschaftswährung ein. Der litauische Reiter, das nationale Symbol, schmückt nun nicht nur das Staatswappen, sondern auch die Euromünzen des kleinen baltischen Staates.

Litauen ist das letzte Land im Baltikum, das auf den Euro umsteigt: Estland war der Eurozone bereits 2011 beigetreten, Lettland 2014. Litauen brauchte dafür einen zweiten Anlauf. Ursprünglich wollte der Staat schon 2007 den Euro einführen, scheiterte aber wegen einer leicht überhöhten Inflation.

Gab es in der Ex-Sowjetrepublik zunächst noch Befürchtungen wegen steigender Preise, befürworten nun viele der rund drei Millionen Einwohner den Euro. Dabei geht es vielen Litauern nicht nur um den Wegfall der Wechselgebühren, das Beleben ihres Außenhandels oder mehr ausländische Investitionen. Für die meisten Bürger ist die Euro-Einführung vielmehr ein weiterer Schritt der EU-Integration - und vermittelt ihnen angesichts des Ukraine-Konflikts und des russischen Importverbots litauischer Lebensmittel ein Gefühl der Sicherheit. Litauen ist nun auch Mitglied im Euroklub und könne sich besser gegen den Druck aus Moskau wehren, so die Hoffnung der Bürger.

Christina Hebel


5. Januar: Neue Pegida-Proteste

Pegida-Anhänger in Dresden
REUTERS

Pegida-Anhänger in Dresden

Sie rufen "Lügenpresse" und "Wir sind das Volk": Die Anhänger der Protestbewegung mit dem kruden Namen "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", kurz Pegida, versammeln sich seit Wochen montagabends in Dresden. Zuerst kamen nur 300, zuletzt vor Weihnachten 17.500 Menschen. In Sachsen ist so eine Art rechte Bürgerbewegung entstanden.

Die Pegiden, unter die sich auch NPD-Anhänger, Hooligans und Rechtspopulisten mischen, fordern eine strengere Asylpolitik und sprechen sich gegen die Aufnahme von "Wirtschaftsflüchtlingen" aus. So nennen sie Asylbewerber, die ihrer Meinung nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie protestieren zudem gegen islamische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege in Deutschland.

Für Anfang Januar haben die Organisationen, angeführt von Lutz Bachmann, eine neue Kundgebung in Dresden angemeldet. Bachmann ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. Er und seine Leute lehnen es in der Regel ab, mit deutschen Medien und Politikern zu sprechen.

Pegida besitzt mittlerweile zum Beispiel in Bonn, Düsseldorf, Kassel, München oder Leipzig Ableger - dort wächst aber auch die Zahl der Gegendemonstranten. Vor allem in der Union hat Pegida zu einer scharfen Debatte über den künftigen politischen Kurs geführt. Die sächsische CDU, seit Wochen unter Druck, hat bereits angekündigt, die Zuwanderungs- und Asylpolitik prüfen zu wollen.

Christina Hebel


11. Januar: Zweite Runde in Kroatien

Kroatiens Staatschef Ivo Josipovic
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Kroatiens Staatschef Ivo Josipovic

Mitten in einer schweren Wirtschaftskrise müssen die Kroaten zum zweiten Mal ihre Stimme für einen neuen Präsidenten abgeben. Amtsinhaber Ivo Josipovic von den regierenden Sozialdemokraten galt im ersten Wahlgang Ende Dezember als klarer Favorit, verpasste aber die absolute Mehrheit. Am 11. Januar muss er nun in einer zweiten Runde gegen seine konservative Herausforderin, die ehemalige Außenministerin Kolinda Grabar-Kitarovic, in einer Stichwahl bestehen.

Bei seiner ersten Wahl 2009 war Josipovic vor allem mit dem Versprechen angetreten, die Korruption zu bekämpfen. Tatsächlich wurden in den zurückliegenden Jahren ein Ministerpräsident und mehrere Minister wegen Korruption verurteilt. Im Sommer 2013 trat das Land der EU bei, damit löste der 57-Jährige sein zweites großes Wahlversprechen ein.

Die Krise belastet die 4,2 Millionen Einwohner der früheren jugoslawischen Teilrepublik. Die Wirtschaft ist schwer angeschlagen, die Industrie liegt am Boden, die Sozialsysteme stehen unter Druck. Entsprechend angespannt ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote liegt bei 20 Prozent, bei den jungen Erwachsenen ist sogar jeder Zweite ohne Job.

Vera Kämper


Anfang des Jahres: Hillary Clinton bringt sich in Stellung

Demokratin Hillary Clinton
AP

Demokratin Hillary Clinton

So hat sie es angekündigt: Nach dem Jahreswechsel werde sie sagen, ob sie sich nach 2008 ein weiteres Mal um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt. Aber wann genau? Im Januar? Oder im Februar? Oder gar später? Seit Monaten heizt Hillary Clinton, die Ex-Außenministerin (2009-2013), Ex-Senatorin (2001-2009), Ex-First-Lady (1993-2001) die Spekulationen an.

Sie schrieb ihre Memoiren über die Zeit im State Department, machte eine Buchtour durchs ganze Land; im Herbst trat sie im Kongresswahlkampf Dutzende Male auf; sie saß in den Talkshows und fütterte die Klatschpresse. Die 67-Jährige hat die besten Umfragewerte und die größten Finanzreserven aller möglichen demokratischen Bewerber. Längst läuft eine Hillary-Schattenkampagne.

Je länger sie zögert, desto komplizierter wird es für ihre parteiinternen Rivalen. Denn die meisten wollen Clintons Entscheidung abwarten - und dann abwägen, ob es sich überhaupt lohnt, ins Rennen zu gehen. Vizepräsident Joe Biden etwa hat schon mehr oder weniger seinen Verzicht erklärt, sollte Clinton antreten. Hinzu kommt: Je länger sie abwartet, desto schwieriger wird es für ihre Gegner, Geld zu sammeln, eine Kampagne zu starten. Auch das ist Teil des politischen Spiels, das Polit-Profi Clinton wie wenige andere beherrscht.

Sebastian Fischer


25. Januar: Neuwahl in Griechenland

Oppositionsführer Alexis Tsipras
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Oppositionsführer Alexis Tsipras

Die Griechen wählen früher als geplant ein neues Parlament, eigentlich sollten sie erst 2016 an die Urnen gehen. Doch die vorgezogene Abstimmung in dem Euro-Krisenstaat ist nötig, weil die Wahl des früheren EU-Kommissionars Stavros Dimas zum neuen Staatschef im Parlament dreimal gescheitert war. Die Verfassung sieht in diesem Fall vorgezogene Wahlen vor.

Nun entscheidet das Volk, wer das pleitebedrohte Land weiter führen soll. Es läuft wohl auf einen Showdown zwischen dem konservativen noch amtierenden Ministerpräsidenten Antonis Samaras und dem Syriza-Chef Alexis Tsipras hinaus. Seine linkspopulistische Partei will das EU-Sparprogramm beenden. Tsipras' erklärtes Ziel ist ein Schuldenschnitt.

Samaras warnt dagegen: Alle bisherigen Anstrengungen könnten bei einer falschen Entscheidung umsonst gewesen sein. Er setzt auf die Stimmen der Mittelklasse, die Angst vor noch schlimmeren Zuständen im Land hat. Griechenland leidet unter anderem unter einer hohen Arbeitslosigkeit von über 25 Prozent.

Die Neuwahlen kommen zu einem schlechten Zeitpunkt, gerade hatte die griechische Wirtschaft begonnen, sich leicht zu erholen. Ende Februar läuft das aktuelle Hilfsprogramm für Athen aus. Danach entscheidet sich, ob die noch ausstehenden sieben Milliarden Euro an Notkrediten ausgezahlt werden. Anderenfalls droht Athen die Zahlungsunfähigkeit.

Lisa Erdmann


14. Februar: Nigeria - Wahl im zerissenen Land

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan
AFP

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan

Kaum ein Land des an Konflikten reichen Afrika ist innerlich so labil wie Nigeria. Die Wahlen der Nationalversammlung und des Präsidenten können leicht zu Gewaltausbrüchen in dem mit 174 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents führen.

Im christlich dominierten Süden entführen Rebellen regelmäßig Ölmanager. Sie haben daraus ein regelrechtes Geschäftsmodell gemacht - und können sich auch des Rückhalts der lokalen Bevölkerung sicher sein. Denn die Menschen im Nigerdelta leiden darunter, dass die Ölkonzerne Wasser, Luft und Boden verseuchen - aber von den Fördererlösen in der Region kaum etwas hängen bleibt.

Der überwiegend muslimische Norden ist den Übergriffen der militanten islamistischen Sekte Boko Haram nahezu schutzlos ausgesetzt. Die Truppe verübt fast täglich Bombenanschläge. Im Staat Borno herrscht sie bereits über weite Landstriche und ist im Begriff, die Großstadt Maiduguri einzunehmen. Ihr größter Coup war im Frühjahr 2014 die Entführung von mehr als 200 Mädchen. Bis heute werden die Schülerinnen vermisst. Der amtierende Präsident Goodluck Jonathan ist mit der Situation vollkommen überfordert. Statt die Täter zu stellen, metzelt seine unfähige Soldateska immer wieder unschuldige Zivilisten nieder.

Jonathan hat keines seiner Wahlversprechen von vor vier Jahren eingelöst: Weder gelang es ihm, die Öl-Milliarden gerechter zu verteilen, noch erzielte er nennenswerte Fortschritte im Kampf gegen die Korruption. Trotzdem tritt der Christ Jonathan 2015 erneut an. Die Opposition hat den 73-jährigen Muhammadu Buhari in Stellung gebracht. Dieser war bereits einmal Staatsoberhaupt. 1983 hatte er sich gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten an die Macht geputscht.

Jan Puhl


15. Februar: Scholz kämpft um die absolute Mehrheit

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz
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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz

Auch wenn Olaf Scholz derzeit mit der einzigen absoluten SPD-Mehrheit in einem Bundesland regiert: Die Bürgerschaftswahlen am 15. Februar werden spannend. Jüngste Umfragen sehen die Sozialdemokraten momentan zwischen 43 und 45 Prozent. Sollte Scholz einen Koalitionspartner benötigen, will er zuerst mit den Grünen sprechen. Die CDU, die zuvor zehn Jahre lang in Hamburg regiert hatte, war vor drei Jahren auf 21,9 Prozent abgestürzt. Aktuell zeichnet sich kein entscheidender Wählergewinn ab.

Die FDP um Landeschefin Katja Suding kämpft in Hamburg ums Überleben, Umfragen sehen sie bei zwei Prozent. Das liegt auch daran, dass sich der Landesverband eine harte Auseinandersetzung geleistet hat. Nun sind einige Mitglieder um die Ex-Landesparteichefin Sylvia Canel ausgetreten und haben eine neue Partei, die Neue Liberale, gegründet.

Dazu kommt die Konkurrenz durch die Alternative für Deutschland (AfD). Mit dem Hanseat Hans-Olaf Henkel will die AfD in Hamburg punkten und so erstmals in ein westdeutsches Landesparlament einziehen, nach der letzten Umfrage muss die Partei jedoch um den Einzug bangen.

Bei der Wahl dürfen erstmals auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Thematisch wird neben dem Wohnungsnotstand, der Elbvertiefung und der Verkehrsführung über die Unterbringung von Flüchtlingen gestritten. Zurzeit ist eine Unterkunft im feinen Stadtteil Harvestehude vorgesehen.

Vera Kämper


März: Wahl im Familiendramen-Land Usbekistan

Karimows Tochter Gulnara
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Karimows Tochter Gulnara

Ein Vierteljahrhundert herrscht Islam Karimow bereits über Usbekistan. 1989 war sein Land noch Teil der Sowjetunion, damals stieg Karimow zum Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei auf. Ein Jahr später wurde er Präsident des Obersten Sowjets, des höchsten Staatsorgans der UdSSR, 1991 erklärte er sein Land für unabhängig von Moskau. Demokratisch ist Usbekistan aber nie geworden: Karimow lässt Gegner brutal unterdrücken und Wahlen manipulieren.

Im März könnte es wieder soweit sein: Dann sind offiziell Präsidentschaftswahlen angesetzt. Diktator Karimow wird dann 77 Jahre sein. Er gilt als herzkrank, hat aber dennoch angekündigt wieder anzutreten.

Sein Land wird seit Monaten von Machtkämpfen seiner Herrscherfamilie erschüttert. Lange galt Karimows Tochter Gulnara als aussichtsreiche Kandidatin für die Nachfolge. Sie hat Usbekistan als Botschafterin in Spanien und bei der Uno vertreten. Dann aber wurde sie Opfer einer Intrige, seit Monaten steht Gulnara unter Hausarrest, sie berichtete von Misshandlungen. Sie beschuldigte ihre sechs Jahre jüngere Schwester Lola und Mutter Tatjana, gemeinsam mit der usbekischen Staatssicherheit Intrigen gegen sie zu schmieden. Karimowa hält den Chef des Geheimdienstes für den Drahtzieher der Angriffe. Das Familiendrama überschattet die Probleme Usbekistans: Aus dem Nachbarland Afghanistan befürchtet man das Einsickern islamistischer Kämpfer.

Benjamin Bidder


17. März: Israel - Für Netanyahu wird es eng

Israels Premier Benjamin Netanyahu
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Israels Premier Benjamin Netanyahu

Nur zwei Jahre nach der letzten Parlamentswahl werden die Israelis schon wieder an die Urnen gerufen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat seine Mitte-rechts-Koalition platzen lassen. Im Wahlkampf setzt er auf eine Stärkung seiner Likud-Partei und der nationalreligiösen Parteien.

Der 65-Jährige hofft auf eine vierte Amtszeit als Regierungschef. Er ist der einzige israelische Politiker von internationalem Format, allerdings hat seine Popularität in den vergangenen Monaten gelitten.

Iran und der Westen haben sich zum Leidwesen Israels im Atomstreit angenähert, der Gaza-Krieg im Sommer hat die Hamas nicht entscheidend geschwächt. Die Wirtschaft schwächelt. Netanyahu will die Schuld dafür auf den bisherigen Finanzminister und Koalitionspartner Yair Lapid abwälzen. Ob das gelingt, wird die Wahl im Februar zeigen.

Christoph Sydow


Bis Ende März: Abstimmung mit Segen der Armee in Ägypten

Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi
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Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi

Zum ersten Mal seit seiner Machtübernahme lässt Ägyptens Staatschef Abdel Fattah el-Sisi ein neues Parlament wählen. Die Wahl muss laut Gesetz bis Ende März stattfinden. Zugelassen sind nur politische Kräfte, die das vom Militär eingesetzte System stützen. Die Muslimbrüder und mit ihr verbündete Gruppen sind in die Illegalität gedrängt worden.

420 der 567 Parlamentssitze sind für Einzelkandidaten reserviert. Hier haben finanzstarke Geschäftsleute mit besten Verbindungen zur Armee die besten Chancen. Sie waren schon zuzeiten von Ex-Diktator Hosni Mubarak in großer Zahl im Parlament vertreten und können sich die Unterstützung der Wähler erkaufen. 120 Mandate werden über Parteilisten vergeben, 27 Abgeordnete darf Sisi persönlich ernennen.

Die vom Militär durchgesetzte Verfassung hat die Macht des Parlaments wieder deutlich beschnitten, entsprechend niedrig dürfte die Wahlbeteiligung liegen.

Christoph Sydow


2. April: Im Sudan droht eine Wahl-Farce

Sudans Staatschef Omar al-Bashir
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Sudans Staatschef Omar al-Bashir

Es sind die ersten Abstimmungen seit der Abspaltung des Südens 2011. Für das Präsidentenamt stellt sich Sudans Langzeitherrscher Omar al-Bashir erneut zur Wiederwahl. Erst im Dezember hatte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag die Anklage gegen ihn und fünf weitere Beschuldigte fallen lassen - mangels Erfolgsaussichten.

Baschir war wegen Kriegsverbrechen in der westsudanesischen Krisenregion Darfur per Haftbefehl gesucht worden - allerdings ohne Erfolg, der 71-Jährige blieb auf freiem Fuß und im Amt. Nach Uno-Angaben wurden bei den Kämpfen in Darfur seit 2003 mindestens 300.000 Menschen getötet und zwei Millionen Menschen in die Flucht geschlagen.

1989 hatte sich Baschir mithilfe der Islamisten an die Macht geputscht. 2010 ließ er erstmals Wahlen abhalten, die ihn als Staatschef bestätigten. Die Abstimmung war international kritisiert und von der unterdrückten Opposition boykottiert worden. Wegen des Machtmonopols von Bashir und seiner Kongresspartei hielt sie faire Wahlen für unmöglich. Auch die kommenden Abstimmungen - neben einem neuen Präsidenten werden Abgeordnete für das Nationalparlament und die Versammlungen der Bundesstaaten gewählt - drohen zur Farce zu werden.

Unklar ist, wie sich die Opposition dieses Mal verhalten wird: Weigert sie sich erneut, an den Wahlen teilzunehmen, oder schafft sie es, sich auf einen gemeinsamen Spitzenkandidaten für den Staatschef zu einigen? Im letzteren Fall hätte Bashirs Gegner möglicherweise sogar eine Chance. Denn die Popularität des Präsidenten hat durch die Unabhängigkeit des Südens, die wirtschaftlichen Probleme und ständigen Korruptionsvorwürfe stark gelitten.

Christina Hebel


14./15. April: G7-Außenministertreffen in Lübeck

Das neue Europäische Hansemuseum
Andreas Heller Architects & Designers

Das neue Europäische Hansemuseum

Wer an G7-Treffen denkt, denkt an Präsident Barack Obama, an Kanzlerin Angela Merkel, an Japan oder Frankreich. Bald aber muss man auch an Lübeck denken. Denn in der beschaulichen Hansestadt - aktuelle Einwohnerzahl: 210.577 - werden sich die Außenminister der G7-Staaten im April 2015 treffen, rund zwei Monate, bevor ihre Chefs im bayerischen Schloss Elmau zu ihrem Gipfel zusammenkommen. Deutschland hat derzeit den G7-Vorsitz inne.

Auf der Tagesordnung dürften die Krisen in der Ukraine und in Syrien und Irak stehen, nicht weniger als die Sicherheit der Welt also. Für Lübeck geht es aber vor allem darum, wie sehr die Sicherheitsmaßnahmen für die Tagung das Bild der Stadt verändern werden.

US-Außenminister John Kerry etwa genießt beinahe so hohen Schutz wie der amerikanische Präsident, weshalb die Amerikaner sogar Secret-Service-Experten nach Lübeck entsenden werden. Große Teile der historischen Altstadt werden rund um das neue Europäische Hansemuseum, in dem die Minister tagen, zur Hochsicherheitszone erklärt. 4000 Polizisten sollen im Einsatz sein.

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) freut sich dennoch: "Das ist eine wirkliche Auszeichnung und eine weltweite PR, die man nie bezahlen könnte." Das sehen allerdings nicht alle so: Ein Bündnis aus Attac, Linkspartei, Grüner Jugend und anderen Gruppierungen hat für den 14. April unter anderem eine Großdemonstration in der Innenstadt angekündigt. Es kritisiert unter anderem die strengen Sicherheitsvorkehrungen. Von den erwarteten Sperrungen seien Tausende Menschen im Zentrum und auf den Zufahrtswegen betroffen.

Gregor Peter Schmitz


19. April: Rechtsruck i n Finnland?

Timo Soini von den Wahren Finnen
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Timo Soini von den Wahren Finnen

Setzt sich der Rechtsruck in Finnland fort? Am 19. April wird in der Republik ein neues Parlament gewählt. Dann muss sich Ministerpräsident Alexander Stubb vor allem gegen die Partei Die Finnen behaupten. Die Rechtspopulisten waren bereits 2011 mit 19 Prozent der Stimmen sehr nah an die jetzige konservative Regierungspartei (20,4 Prozent der Stimmen) herangerückt.

Die-Finnen-Chef Timo Soini gibt sich konservativ und katholisch, wettert etwa gegen Abtreibung und Sex vor der Ehe. Seine Partei macht mit einem Mix aus Protest, Populismus und rechten Vorurteilen Stimmung. Lieblingsfeindbilder sind Europa, die Homo-Ehe und die vermeintliche schleichende Islamisierung. Zuletzt erreichten Die Finnen bei der Europawahl im Mai jedoch nur noch 12,8 Prozent der Stimmen.

Stubb hat ein turbulentes erstes Jahr als Ministerpräsident hinter sich: Im November überstand seine Regierung nur knapp das bereits dritte Misstrauensvotum, seitdem Stubb im Juni das Amt von Jyrki Katainen übernommen hat. Der Grund: die wirtschaftlich schwierige Situation in Finnland.

Der Premier setzt sich für eine Nato-Mitgliedschaft ein, sieht jedoch keine breite Mehrheit für den baldigen Beitritt. Gleichzeitig plädiert er in der öffentlichen Debatte vehement für eine diplomatische Lösung im Ukraine-Konflikt. Wohl auch, weil sein Land unter der Wirtschaftskrise des russischen Nachbarns stark leidet. Vorerst verfolgt Stubb in Finnland eine strenge Sparpolitik. Dennoch nimmt die Verschuldung im einstigen EU-Musterland jährlich zu.

Vera Kämper


Frühjahr: Showdown für die Ukraine

Ukraines Premier Arsenij Jazenjuk
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Ukraines Premier Arsenij Jazenjuk

Korruption, Krieg und Krise haben die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zwar ein Rettungspaket aufgelegt, die Mittel reichen aber nicht. Schon im Frühjahr droht Kiew das Geld auszugehen.

Die Wirtschaft schrumpfte 2014 um bis zu sieben Prozent, die Währung Hrywnja stürzt ab und die Devisenreserven liegen nur noch bei acht Milliarden Dollar.

Die Regierung in Kiew hat den IWF um weitere Hilfen gebeten, nach Schätzungen der Kiewer Investmentbank Dragon Capital braucht das Land mindestens weitere 12 Milliarden Dollar, die "Financial Times" geht sogar von 15 Milliarden Dollar aus.

Dem Währungsfonds sind aber praktisch die Hände gebunden. Er kann nur dann Geld nachschießen, wenn sich andere Geldgeber massiv beteiligen, sprich: die Europäische Union und die USA. Beide haben sich finanziell bislang zurückgehalten. Die USA haben Hilfen in Höhe von einer Milliarde Dollar gewährt, die EU 1,3 Milliarden Dollar.

Benjamin Bidder


Frühjahr: Offensive gegen den "Islamischen Staat" in Irak

Kurdischer Kämpfer mit Rakete in Irak
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Kurdischer Kämpfer mit Rakete in Irak

Einigen in Bagdad kann es gar nicht schnell genug gehen. Die irakische Armee soll in den Norden vorrücken und die Stadt Mossul zurückerobern, die Dschihadisten der radikalislamischen Miliz "Islamischer Staat" (IS) 2014 eingenommen hatten. Am liebsten schon im Winter, so irakische Hardliner.

Zur Geduld mahnen dagegen die USA, sie wollen die Offensive erst im Frühjahr starten lassen: Die irakische Armee ist derzeit noch nicht bereit für eine solche Aktion. Sie wird von internationalen Militärberatern noch im Häuserkampf ausgebildet. Der Kampf um Mossul dürfte langwierig und schwierig werden. Bagdads Ziel ist, die Stadt bis Ende 2015 zurückerobert zu haben. Das wäre ein wichtiges Signal - aber noch lange nicht das Ende des Krieges gegen den IS.

Auch 2015 stehen die USA und ihre Verbündeten wieder vor entscheidenden Fragen: Sollte man sich stärker im Irak und in Syrien engagieren, um die Dschihadisten zu stoppen? Und wenn ja, wie? Die internationalen Luftangriffe, Waffenlieferungen und Militärberater-Missionen gehen auch im kommenden Jahr weiter. Immer dringlicher wird zudem das Dilemma in Syrien: Wie soll man mit Machthaber Baschar al-Assad umgehen, der die Dschihadisten einst förderte und sich nun als Partner gegen sie anbietet?

Raniah Salloum


Mai/Herbst: Superwahljahr in Polen

Polens Premierministerin Ewa Kopcaz
AFP

Polens Premierministerin Ewa Kopcaz

Die Polen werden 2015 gleich zweimal abstimmen: Im Mai wählen sie ihren neuen Präsidenten, im Herbst ihr neues Parlament. Bei der Präsidentenwahl wird kaum mit Überraschungen gerechnet.

Amtsinhaber Bronislaw Komorowski hat zwar bisher noch nicht offiziell seine Kandidatur erklärt, aber es gilt als sicher, dass der beliebte Staatschef wiedergewählt wird. Seine Umfragewerte sind glänzend.

Um Komorowskis Popularität weiß auch Jaroslaw Kaczynski, Chef der nationalkonservativen polnischen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Lange war gerätselt worden, ob er selbst für das Präsidentenamt kandidiert. Im November kündigte er jedoch an, dies solle der Europaparlamentarier Andrzej Duda übernehmen.

Damit ist klar, dass sich Kaczynski auf die Parlamentswahl im Herbst konzentrieren will. Diese verspricht Spannung. In den Umfragen liegen die PiS und die liberalkonservative Regierungspartei PO von Premierministerin Ewa Kopacz Kopf an Kopf. Sie hatte das Regierungsamt von Donald Tusk übernommen, der im Dezember EU-Ratspräsident wurde.

Nach zwei Niederlagen gegen Tusk ist die Abstimmung nun die letzte Chance für Kaczynski, der 2010 bei der Flugzeugkatastrophe in Smolensk seinen Zwillingsbruder Lech verlor. Der 65-Jährige stimmte seine Anhänger bereits auf den Wahlkampf ein: Nachdem es bei den Kommunalwahlen technische Probleme beim Auszählen der Stimmen gab, sprach er von Manipulation. Im Dezember rief er zu Protesten auf, 30.000 Menschen kamen an dem Tag, den Kaczynski den "Beginn eines Wandels" nannte.

Vieles wird in den kommenden Monaten nun davon abhängen, ob Kopacz genügend Vertrauen bei den Wählern aufbauen kann - die Polen gelten als politisch flexibel. Bisher gelang nur einem Regierungschef die Wiederwahl: Tusk, doch der ist nun weit weg in Brüssel.

Christina Hebel


Mai 2015: Cameron zittert um sein Amt

Der britische Premier David Cameron
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Der britische Premier David Cameron

Für David Cameron wird 2015 ein entscheidendes Jahr: Anfang Mai stehen in Großbritannien die Unterhauswahlen an. Dabei ist nicht nur die Wiederwahl des britischen Premierministers und Tory-Chefs gefährdet, es droht auch eine Spaltung der Konservativen. Die eurokritische UK Independence Party (Ukip) findet immer größeren Anklang bei der britischen Bevölkerung. Schon jetzt sitzen zwei Vertreter der rechtspopulistischen Partei durch eine Nachwahl und durch einen Überläufer im britischen Parlament.

Ukip-Chef Nigel Farage hat gute Chancen: Die Rechtspopulisten, die für den Austritt Großbritanniens aus der EU kämpfen und die Einwanderung stark einschränken wollen, bestimmen bereits die politische Debatte im Land. Wählerumfragen sprechen für die Eurokritiker: Auch wenn erst 2017 über den Ausstieg abgestimmt werden soll, wollen laut einer Umfrage schon jetzt fast 40 Prozent der Briten raus aus der EU, im Oktober gab bereits ein Viertel der Befragten an, Ukip wählen zu wollen. Ob es Cameron da nützt, ähnliche Themen anzuschlagen, wird sich zeigen. Zumindest hat der Premier angekündigt, die Freizügigkeit in der EU einzuschränken und den Einfluss des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu beschneiden.

Wenn sich die konservativen Wähler auf Ukip und Tories aufteilen, könnte Labour-Kandidat Ed Miliband als neuer Premier dastehen. Der Oppositionsführer verspricht der abstiegsbedrohten Mittelschicht eine Villensteuer und mehr Staatsausgaben für das Gesundheitssystem. Allerdings wirkt der Sozialdemokrat im Wahlkampf ungeschickt, kritisiert wird er mittlerweile auch aus den eigenen Reihen. Und: Seine Labour-Partei verlor bei den Nachwahlen ebenfalls Stimmen an Ukip.

Vera Kämper


8. Mai: 70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg

Die Ruinen des Nikolai-Viertels in Berlin 1945
DPA

Die Ruinen des Nikolai-Viertels in Berlin 1945

Der 8. Mai ist 2015 ein besonders wichtiger Tag - genau 70 Jahre liegt dann das Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Genaue Opferzahlen gibt es nicht, aber seriösen Schätzungen zufolge starben zwischen 1939 und 1945 sowie an den Folgen des Kriegs 60 Millionen Menschen. Die Kapitulation der Wehrmacht beendete am 8. Mai 1945 den Kampf der Alliierten gegen Deutschland und damit die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Die Nazis mit Adolf Hitler an der Spitze hatten Deutschland in diesen Krieg geführt - 70 Jahre später werden Staatsoberhaupt Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel als oberste Repräsentanten der Bundesrepublik des Weltkriegsendes gedenken. Welche Veranstaltungen dabei im Detail geplant sind und in welchem Rahmen, ist noch weitgehend offen. Auch im vergangenen Jahr waren die Termine zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 teilweise relativ kurzfristig anberaumt worden.

Ein Termin steht allerdings schon fest: Bundespräsident Joachim Gauck wird am 27. Januar in Auschwitz zum Gedenken an die Befreiung des dortigen Vernichtungslagers sprechen. Zum 70. Jahrestag kommen viele der letzten lebenden Zeugen und ihre Nachkommen nach Auschwitz. Die Feierlichkeiten stehen unter der Schirmherrschaft des polnischen Staatschefs Bronislaw Komorowski.

Etwa 7000 Menschen befanden sich am 27. Januar 1945 noch in dem größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten nahe der polnischen Stadt Oswiecim zwischen Kattowitz und Krakau. Sie wurden von der Roten Armee befreit.

Auschwitz-Birkenau ist Symbol geworden für den bis heute unbegreiflichen organisierten Massenmord an den europäischen Juden. Mehr als eine Million Menschen wurden dort getötet: Sie wurden vergast, erschossen, erhängt oder starben an Misshandlungen, Folter, Unterernährung, Krankheit oder medizinischen Experimenten. Nur wenige der Inhaftierten haben überlebt.

Weltweit wird der Befreiung mit zahlreichen Veranstaltungen gedacht. Bereits am 7. Januar wird Papst Franziskus in Rom eine Gruppe von Überlebenden treffen.

Christina Hebel und Florian Gathmann


10. Mai: Bleibt Bremen rot-grün?

Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen
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Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen

Bremen ist das kleinste deutsche Bundesland - und nach Meinung mancher politischer Beobachter auch das politisch langweiligste. Vor allem deshalb, weil seit dem Zweiten Weltkrieg die SPD den Regierungschef in der Hansestadt stellt und die CDU praktisch ständig in der Opposition sitzt. Dort ist sie meistens mit sich selbst beschäftigt. Für die anstehende Wahl zur Bürgerschaft - wie in Bremen das Landesparlament heißt - hatten die Christdemokraten diesmal schon Mühe, überhaupt jemanden zur Spitzenkandidatur zu bewegen. Nach zig Absagen übernimmt dies nun die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann.

Dass sie am 10. Mai dem populären SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen gefährlich werden könnte, ist unwahrscheinlich. Beobachter rechnen mit der Fortsetzung der rot-grünen Koalition.

Spannend dürfte noch die Frage sein, ob die AfD auch in Bremen den Einzug ins Parlament schafft. Aktuelle Umfragen gibt es nicht, deshalb ist hier eine Prognose schwierig.

Florian Gathmann


7./8. Juni: G7-Gipf el auf Schloss Elmau

Schloss Elmau
DPA

Schloss Elmau

Deutschland spielt nach acht Jahren erstmals wieder Gastgeber für die weltweit größten Industrienationen. Anfang Juni trifft sich Angela Merkel mit den Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und den USA im beschaulichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Wegen der Ukraine-Krise findet der Gipfel wahrscheinlich ohne Russland statt, die G7-Staaten hatten Wladimir Putin nach der Krim-Annexion zur unerwünschten Person erklärt.

Rund um Schloss Elmau, das die Gipfelprominenz beherbergt, wird dann Ausnahmezustand herrschen. Schon jetzt wird in der Region kräftig umgebaut und hergerichtet, es fließt viel Geld: Die Bundesregierung kalkuliert mit Gipfelkosten von 81 Millionen Euro. Vor allem die vielen Krisen von 2014 werden die internationalen Gäste beschäftigen, außerdem will Deutschland Finanz- und Wirtschaftspolitik, Umwelt- und Gesundheitsfragen thematisieren.

Das Luxushotel in Oberbayern lockt mit dichten Wäldern und Alpenblick. Das ist angenehm für die Gipfelteilnehmer - aber ungünstig für Gipfelgegner: Die Abgeschiedenheit des Schlosses macht es Demonstranten schwer, einen Protest zu organisieren. Trotzdem sind mehrere Großdemos angekündigt.

Annett Meiritz


1. Juli: Atomkonflikt - Kommt es zur Einigung mit Iran?

Irans Präsident Hassan Rohani
AP

Irans Präsident Hassan Rohani

Für den iranischen Präsidenten Hassan Rohani wird das kommende Jahr entscheidend. Er ist 2013 angetreten mit der Mission, eine Einigung im Streit um Irans Atomprogramm zu erreichen. Denn das würde auch eine Lockerung der harschen Sanktionen bedeuten. Die Verhandler haben zwar Fortschritte gemacht, echte Ergebnisse suchte man 2014 aber vergebens.

Leichter wird es auch im neuen Jahr nicht. In den USA dominieren die Republikaner im Kongress beide Kammern. Sie könnten neue Sanktionen gegen Iran vorbereiten - und so die Gespräche ernsthaft gefährden. Denn ein solcher Schritt würde die Verhandlungsgegner in Teheran stärken. Bisher unterstützt Irans Establishment Rohanis Kurs noch.

Die Verhandler drängen daher zur Eile: Am 1. März sollen die groben Umrisse eines Abkommens verkündet, bis zum 1. Juli die technischen Details geklärt und umgesetzt werden. Platzen die Verhandlungen jedoch, sind neue Strafmaßnahmen gegen Iran wahrscheinlich. Dabei leidet die Bevölkerung schon jetzt unter den Sanktionen und den Folgen des sinkenden Ölpreises.

Raniah Salloum


Sommer 2015: Erdogan hofft auf noch mehr Macht

Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan
AP/dpa

Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan

Aller Voraussicht nach wird die bisherige Regierungspartei AKP wiedergewählt werden. Seit 2002 ist sie an der Macht - von Wahl zu Wahl schneidet sie erfolgreicher ab. Die Frage ist nur, ob sie die Alleinherrschaft erreicht oder ob sie auf einen Koalitionspartner angewiesen sein wird.

Der Aufstieg der AKP ist mit einem Namen verbunden: Recep Tayyip Erdogan. Drei Legislaturperioden war er Regierungschef, seit August 2014 ist er Staatspräsident. In seiner Amtszeit boomte die türkische Wirtschaft, Erdogan impfte seinen Landsleuten Selbstvertrauen ein. Aber er regierte autoritär, ließ Demonstrationen brutal niederschlagen und Kritiker mundtot machen.

Kritiker befürchten, dass ein Wahlsieg Erdogan dazu verleiten wird, seine Politik der Islamisierung und der Abkehr vom Westen zu verschärfen. Seine Anhänger rechnen dagegen mit einem weiteren Aufschwung und dem Aufstieg der Türkei zu einer wirtschaftlichen Großmacht. Klar ist, dass Erdogan als Präsident den Kurs vorgeben wird. Von rein repräsentativen Aufgaben, das hat er mehrfach gesagt, hält er nichts.

Hasnain Kazim


Bis 15. September: Kopf-an-Kopf-Rennen in Dänemark

Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt
AFP

Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt

Die Dänen bestimmen 2015 ein neues Parlament. Spätestens am 15. September muss die Wahl gelaufen sein, Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt von den Sozialdemokraten kann den Termin aber auch deutlich früher ansetzen.

Die Abstimmung wird hochspannend: Zu erwarten ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der rechtsliberalen Partei Venstre und der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei, die bei den Europawahlen in Dänemark stärkste Kraft wurde und zuletzt Umfragen anführte.

Die Sozialdemokraten von Thorning-Schmidt haben an Ansehen verloren. Reformvorhaben scheiterten, das eigne Klientel ist enttäuscht wegen der verkürzten Bezugsdauer des Arbeitslosengelds. Im Januar hatte außerdem die sozialistische Volkpartei die Minderheitsregierung verlassen, seitdem regiert Thorning-Schmidt nur noch mit den Sozialliberalen.

Thorning-Schmidts Herausforderer, Ex-Premier und Venstre-Chef Lars Lökke Rasmussen machte zuletzt Schlagzeilen, weil er sich Kleidung und einen Mallorca-Urlaub von der Partei sponsern ließ. Im Wahlkampf wird es wohl neben der Wirtschaftslage auch wieder um Einwanderer und Flüchtlinge gehen. Zuletzt hatten die Rechtspopulisten vorgeschlagen, man solle Asylbewerber in von Dänemark finanzierten Auffanglagern nahe ihrer Heimat unterbringen.

Anna Reimann


September: Parlamentswahl in Portugal

Portugals Premier Pedro Passos Coelho
AP/dpa

Portugals Premier Pedro Passos Coelho

Die konservative Koalitionsregierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho von der PSD, dem Partido Social Democrata, droht bei der Abstimmung abgestraft zu werden. Denn sie hat das Land, das nur durch ein Rettungspaket von 78 Milliarden Euro aus EU-Kassen vor dem Bankrott gerettet werden konnte, in den vergangenen drei Jahren einer harschen Sanierung unterzogen.

Angetrieben von der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF hat Premier Coelho Strukturreformen durchgezogen, Steuern erhöht, Gehälter gesenkt und Staatsausgaben gekürzt. So gelang es ihm, Portugal im vergangenen Sommer wieder an die Märkte zu führen und ein Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Bei den meisten Bürgern kommt davon jedoch wenig an. Selbst gut ausgebildete Jugendliche finden keine Stellen und sehen sich gezwungen, auf Arbeitsuche ins Ausland zu ziehen. Auch deshalb liegt die Sozialistische Partei in den Umfragen vorn. Sie hat im September den energischen Bürgermeister der Hauptstadt Lissabon, António Costa, zum Spitzenkandidaten erkoren. Der übernahm auch den Parteivorsitz. Bisher hat sich die Verhaftung des früheren sozialistischen Regierungschefs José Sócrates wegen des Verdachts auf Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug noch nicht auf die Wahlabsichten der Portugiesen ausgewirkt.

Helene Zuber


3. Oktober: 25 Jahre Deutsche Einheit

Jubelnde Menschen vor dem Berliner Reichstag 1990
DPA

Jubelnde Menschen vor dem Berliner Reichstag 1990

Kaum hat man sich von den Feiern zum Gedenken an die friedliche Revolution im Herbst 1989 in Ostdeutschland erholt, steht schon das nächste 25-jährige Jubiläum an: Am 3. Oktober 1990 wurde der Einheitsvertrag unterschrieben und damit formal die deutsche Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg aufgehoben.

Die Festveranstaltung zu 25 Jahren Deutsche Einheit findet in Frankfurt am Main statt. Dort ist am 3. Oktober ein Bürgerfest geplant, alle 16 Bundesländer präsentieren sich auf einer sogenannten Ländermeile in der Innenstadt. Der zentrale Festakt findet in der Alten Oper der Bankenmetropole statt, dort werden Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel sowie sämtliche Ministerpräsidenten erwartet. Auch mit internationaler Politikprominenz ist bei dem Festakt zu rechnen.

Weitere große Veranstaltungen zu 25 Jahren Deutsche Einheit sind unter anderem in Leipzig und Berlin vorgesehen.

Florian Gathmann


Oktober/November: Burma - Sind diese Wahlen wirklich frei?

Burmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi
REUTERS

Burmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi

Burmas Wahlkommission hat eine "freie und faire" Abstimmung versprochen. Die Wahl soll in der letzten Oktoberwoche oder Anfang November stattfinden. Das neue Parlament wird dann im Anschluss einen Präsidenten bestimmen.

Als große Favoritin bei der Parlamentswahl gilt die Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Die Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte bei Nachwahlen im Jahr 2012 nahezu jeden zu vergebenden Sitz erobert. Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi ist seitdem Abgeordnete im Parlament. Erst im November wurde sie von US-Präsident Barack Obama besucht. Er mahnte, die von der Regierung unternommenen Reformen seien "weder vollständig noch irreversibel".

So trägt die Verfassung des Landes, die 2008 ausgearbeitet worden war, noch über weite Strecken Züge der alten Militärdiktatur. Sie schließt Suu Kyi zudem von einer Präsidentschaftskandidatur aus. Staatschef können nur Politiker werden, deren Kinder die burmesische Staatsbürgerschaft besitzen. Suu Kyis Söhne sind - aufgrund der Staatsbürgerschaft ihres verstorbenen Gatten - aber Briten.

Dass die Verfassung vor den Wahlen noch geändert wird, erscheint unwahrscheinlich. Das parlamentarische Gremium, das Vorschläge für eine Verfassungsänderung ausarbeiten soll, wird vom Militär kontrolliert - und es will von der Macht nicht loslassen.

Vor der Machtübergabe an die zivile Regierung 2011 hatten die Generäle sich Privilegien in der Verfassung gesichert. So darf das Militär ein Viertel der 664 Parlamentsmandate auch ohne Wahl besetzen.

Burma war mehr als 50 Jahre von einer Militärjunta beherrscht worden. Suu Kyi hatte rund 15 Jahre in Haft gesessen oder unter Hausarrest gestanden, bevor sie kurz nach der Parlamentswahl 2010 freigelassen wurde. Die Abstimmung war von Betrugsvorwürfen überschattet worden, die NLD hatte die Wahl boykottiert.

Christina Hebel


20. November: Lukaschenko lässt in Weißrussland abstimmen

Staatschef Alexander Lukaschenko
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Staatschef Alexander Lukaschenko

Alexander Lukaschenko regiert Weißrussland seit zwei Jahrzehnten mit harter Hand. Das hat ihm schon vor Jahren den Spitznamen "letzter Diktator Europas" eingebracht. Für November 2015 sind in dem zehn Millionen Einwohner zählenden Land Präsidentschaftswahlen angesetzt.

Die letzte Abstimmung gewann Lukaschenko klar, schon nach dem ersten Wahlgang rief er sich mit angeblich 80 Prozent der Stimmen zum Sieger aus. Für gewöhnlich lässt Lukaschenko im Wahlkampf seine gefährlichsten Konkurrenten ins Gefängnis werfen. Aller Repressionen zum Trotz kommt Lukaschenkos hemdsärmelige Art vor allem in der Landbevölkerung gut an.

Die meisten weißrussischen Städte wirken sehr gepflegt, das hat Lukaschenko im ganzen postsowjetischen Raum Anerkennung bei vielen Bürgern eingebracht. Bei einer Umfrage in der Ukraine wurde Lukaschenko kürzlich zum beliebtesten ausländischen Staatschef gekürt - vor Barack Obama und Angela Merkel.

Die weißrussische Wirtschaft aber ist stark abhängig von billigen Energieimporten aus Russland: Der Absturz des russischen Rubels drohte im Dezember auch Weißrusslands Währung mitzureißen. Der weißrussische Rubel verlor seit Beginn 2014 gut die Hälfte seines Wertes, vor den Wechselstuben bildeten sich teils Hunderte Meter lange Schlangen: Die Menschen wollten ihre Ersparnisse in andere Währungen umtauschen.

Lukaschenko reagierte mit einer Kabinettsumbildung: Er entließ den Regierungschef, mehrere Minister sowie die Zentralbank-Chefin. Sollte sich die Russland-Krise 2015 verschärfen, könnte auch Lukaschenkos Weißrussland in Turbulenzen geraten.

Benjamin Bidder


Bis spätestens 20. Dezember: Spanien - Premiere für die Kümmerer

Podemos-Chef Pablo Iglesias
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Podemos-Chef Pablo Iglesias

Bisher regiert die konservative Volkspartei PP in Spanien mit absoluter Mehrheit. Doch schon seit Monaten zeigen die Umfragen einen rasanten Absturz der PP unter ihrem Chef Mariano Rajoy. Seit er vor drei Jahren während einer tiefen Wirtschaftskrise die Regierung übernahm, hat er Steuern erhöht, den Beamten die Bezüge gekürzt und im Haushalt besonders die Ausgaben für Gesundheit und Bildung zusammengestrichen.

Allerdings mussten die durch leichtsinnige Vergabe von Immobilienkrediten maroden Banken mit 42 Milliarden Euro aus dem EU-Rettungsschirm gestützt werden. Die Arbeitslosenzahl stieg zeitweise auf über 6,2 Millionen, besonders die Jugend sucht nun im Ausland nach Jobs.

Hinzu kamen immer neue Korruptionsskandale um schwarze Parteikassen und Schmiergelder. Zwar rühmte sich Rajoy zum Jahresende, er habe die Krise überwunden, weil die Wirtschaft wieder etwas wächst. Doch die Bürger merken noch nichts von der Besserung. Deshalb wollten bei der letzten "Sonntagsfrage" im Dezember nur noch 20 Prozent die Volkspartei wählen. Aber auch die ebenfalls von Korruptionsaffären belasteten Sozialisten haben die Spanier nachhaltig enttäuscht. Der im Sommer gekürte Generalsekretär Pedro Sánchez konnte ihre Wahlchancen zuletzt immerhin auf 27 Prozent steigern.

Doch zur Europawahl im Mai überraschte eine neue Partei mit dem Namen Podemos (Wir können). Die von Intellektuellen um den Madrider Politologieprofessor Pablo Iglesias angeführte Gruppe wirbt für soziale Fürsorge, eine hohe Belastung der Reichen und einen Schuldenschnitt. Sie will vor allem Enttäuschte und Nichtwähler mobilisieren und setzt auf direkte Bürgerbeteiligung. Podemos lag zuletzt bei 25 Prozent. 2015 wird die Partei die spanische Politik entscheidend mitbestimmen.

Helene Zuber



insgesamt 5 Beiträge
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Hamberliner 01.01.2015
1. Westsahara völkerrechtlich falsch dargestellt
Zur Information an die Autoren: Das Staatsgebiet Marokkos reicht im Süden nicht bis Mauretanien. Die Westsahara gehört weder teilweise (wie dargestellt) noch zur Gänze zu Marokko. Ihr ergreift Partei für ein Kriegsverbrechen (das ist der Grüne Marsch, der ja immer noch andauert, völkerrechtlich nämlich). Im übrigen funktioniert diese "Interaktive Karte" nicht, zumindest nicht mit dem aktuellen Firefox unter SuSE Linux 13.1. Mein Browser hängt sich auf.
leonbrubacher 01.01.2015
2.
Schön dass SPON die wichtigen Wörter dick markiert, die wären mir sonst garnicht aufgefallen.
stefan_mahrdt 01.01.2015
3. Analogien 2015
Mit dem Jubiläum von 70 Jahren nach Weltkriegsende im Jahr des anhaltenden Glaubenskrieges im Nordirak zwischen Euphrat und Tigris, der Wiege der Menschheit, der Mutter aller Kriege bringt sich eine Frau in Stellung zur Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten von Amerika, die unsere Menschheit nachhaltig verändern könnte. Ich bin gespannt und es bleibt interessant mit uns Homo Sapiens auf dem Planeten Erde.
malocher77 01.01.2015
4. Was passiert
Wenn die Griechen aus dem Euro austreten und die Bürgschaften fällig werden? Die Kommunalwahl in Frankreich wird nicht erwähnt,Hollande kann dann an Le Pen übergeben und Euro ist dann endgültig Geschichte.
sailfast 01.01.2015
5. März 2015
Venezuela zahlungsunfähig.
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