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Jahrhundertdürre in Somalia: Helfer sehen "schockierende Todesrate"

Die Hungersnot am Horn von Afrika wird immer dramatischer: Zehn Millionen Menschen leiden unter der Dürrekatastrophe - darunter zwei Millionen Kinder. Die Todesrate in den Camps sei "schockierend", sagten Helfer vor Ort. 

Jahrhundertdürre: Flüchtlingsdrama am Horn von Afrika Fotos
AP

Addis Abeba/Nairobi - Sie können sich kaum mehr auf den Beinen halten, wenn sie endlich die Camps erreichen: Tag für Tag kommen völlig ausgehungerte Menschen in die drei Hilfszentren in Äthiopien. Die Zahl der Flüchtlinge aus Somalia, die ihre Heimat wegen der schweren Dürre und der anhaltenden Gewalt verlassen, ist mittlerweile auf 1700 gestiegen. In dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land am Horn von Afrika sind Millionen Menschen von Hunger bedroht.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte die Situation in Somaliaam Montag als die "dringlichste humanitäre Tragödie der Welt" bezeichnet. Die Lage am Horn von Afrika sei inzwischen "deutlich schlechter" als noch im März, sagte ein Uno-Experte. Sollte die Staatengemeinschaft nicht sofort eingreifen und umfassende Unterstützung gewähren, würden Millionen Menschen verhungern, warnte er.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass bald zehn Millionen Menschen in der Region unter der Hungersnot leiden werden, darunter allein zwei Millionen Kinder. Die Dürrekatastrophe gilt als die schlimmste seit 60 Jahren. Laut dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef besteht allein in Kenia für 65.000 Kinder akute Lebensgefahr.

"Todesrate schockierend"

Bereits jetzt beherbergten die äthiopischen Lager 114.000 Menschen, berichtete eine Sprecherin des Uno-Welternährungsprogramms (WFP). Rund 500 Millionen US-Dollar seien für eine erste Linderung der Hungerkatastrophe bis Ende des Jahres nötig. Um auf diese Summe zu kommen, brauche das WFP aber noch zusätzliche Spendengelder in Höhe von 189 Millionen Dollar.

"Die Todesrate in den Camps ist schockierend", erklärte ein Mitarbeiter der amerikanischen Agentur für Internationale Entwicklung (USAID). Auch in den kenianischen Lagern treffen wöchentlich Tausende Flüchtlinge ein. Die Vereinten Nationen haben Kenias Regierung dazu aufgerufen, ein weiteres Camp im Norden des Landes einzurichten. Nairobi hatte es bisher abgelehnt, ein weiteres Flüchtlingslager in der Nähe des überfüllten Dadaab-Zentrums zu eröffnen.

Die Politiker fürchten, dass sich die Hunderttausenden Flüchtlinge, die vor allem aus dem Not leidenden Nachbarland Somalia im Nordosten über die Grenze nach Kenia strömen, dauerhaft dort niederlassen könnten.

Größtes Flüchtlingscamp der Welt in Kenia

Das Zentrum Dadaab in Kenia wurde ursprünglich für 90.000 Menschen eingerichtet, inzwischen sind es über 380.000 - damit ist es das derzeit größte Flüchtlingslager der Welt. "Ich muss sagen, ich habe schon viele Flüchtlingslager auf der Welt besucht. Ich habe noch nie Menschen in einer so verzweifelten Lage ankommen sehen", sagte Uno-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres bei einem Besuch in dem Camp.

Die Menschen, denen es gelingt, das Camp zu erreichen, haben in ihrer Heimat meist all ihr Vieh und jede Lebensgrundlage verloren. Bei ihrer Ankunft in Dadaab müssen sie zunächst ihre Fingerabdrücke abgeben. So soll verhindert werden, dass Terroristen in die Hilfszentren kommen, sagte ein BBC-Korrespondent. Anschließend werden die Flüchtlinge mit Schlafmatten, Töpfen und einer geringen Menge Lebensmittel für rund 15 Tage versorgt. Die Kinder würden vorsorglich geimpft.

Angesichts der großen Not spendet Deutschland eine Million Euro. Diese Summe sicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem ostafrikanischen Land nach einem Treffen mit Kenias Staatspräsident Mwai Kibaki in Nairobi zu. Merkel dankte Kenia zu diesem Anlass für die Hilfe, die den Flüchtlingen in Dadaab zuteil werde.

bos/dpa/afp/dapd

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insgesamt 25 Beiträge
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1. 1 Mio Hilfe
normadrei 12.07.2011
Na, mit der großzügigen Hilfe, die Frau Merkel zugesagt hat, können sich die 10 Mio ja einmal richtig satt essen. Aber mehr ist natürlich alternativlos nicht drin. Wer weiß, wie viel die Banken/Spekulanten noch brauchen.
2. was ist eine Million?
DrStrom66 12.07.2011
die Banken werden mit Milliarden gerettet und hier verhungern Millionen Menschen und da spendet merkel großzügig "eine Million" welch christlicher Zug. Danke Frau Merkel.
3. 1 Mio für hungernde Menschen, Milliarden für die Banken...
Emmi 12.07.2011
1 Mio für hungernde Menschen, Milliarden für die Banken. So kennen wir ihn, den Kapitalismus. Meinetwegen können die ganzen "Rettungspakete", die eh nur auf den Konten der Banken landen, nach Afrika gehen. Dann sind sie zwar auch weg, aber es hilft vielleicht wenigstens, Menschenleben zu retten, statt Banken...
4. Bei fast
systemmirror 12.07.2011
400 000 Flüchtlingen im Lager wären das immerhin 2,50 Euro pro Nase. Leider gehen auf dem Weg dorthin 2,40 Euro verloren. Die restlichen 10 Cent reichen für ein ausschweifendes Leben in Saus und Braus. So menschenverachtend habe ich mir schon immer unsere Eliten vorgestellt. Die denken jetzt bestimmt darüber nach, wie sie an die restlichen 10 Cent auch noch drankommen können. Die Welt wird nur noch von assozialem, zynischen, verkommenem,absolut korruptem Dreckspack regiert, das lachend Millionen Tote in Kauf nimmt und gleichzeitig den eigenen Leuten die angeblichen tollen Zeiten ohne Krieg vorgaukeln. Das ist Krieg. Auf schmutzigstem Niveau.
5. Um genau zu sein
Zephira 12.07.2011
Zitat von Emmi1 Mio für hungernde Menschen, Milliarden für die Banken. So kennen wir ihn, den Kapitalismus. Meinetwegen können die ganzen "Rettungspakete", die eh nur auf den Konten der Banken landen, nach Afrika gehen. Dann sind sie zwar auch weg, aber es hilft vielleicht wenigstens, Menschenleben zu retten, statt Banken...
Dann rechtfertigen Sie sich mal, warum Sie Politikern den Handlungsauftrag erteilen, Ihr Vermögen eifriger zu beschützen als fremde Menschenleben. Überhaupt, Sie könnten jetzt gerade arbeiten und damit Geld für Spenden nach Afrika sammeln. Stattdessen schreiben Sie Internetbeiträge. Warum sind Ihnen andere Menschenleben so gleichgültig?
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Somalia / Horn von Afrika

Länderlexikon
Wichtigste Eckdaten

Eigenname: Republik Somalia

Offizieller Eigenname: Jamhuuriyadda Soomaaliya

Staatsoberhaupt der Übergangsregierung:
Hassan Scheich Mohammed (seit September 2012)

Regierungschef der Übergangsregierung:
Omar Abdirashid Ali Sharmarke (seit Dezember 2014)

Außenminister der Übergangsregierung: Abdisalan Hadliye Omar (seit Januar 2015)

Staatsform: Republik

Mitgliedschaften: Uno, AU

Hauptstadt: Mogadischu

Amtssprache: Somali, Arabisch

Religionen: 99,8% Muslime (Sunniten)

Fläche: 637.657 km²

Bevölkerung: 11,123 Mio. Einwohner

Bevölkerungsdichte: 17,4 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 2,8%

Fruchtbarkeitsrate: 6,5 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 1. Juli

Zeitzone: MEZ +2 Stunden

Mehr Informationen bei Wikipedia | Afrika-Reiseseite

Wirtschaft

Währung: Somalia-Schilling (So.Sh.)

Bruttosozialprodukt: 1,342 Mrd. US$ (2013; geschätzt)

Wachstumsrate des BIP: 2,6% (2013)

Gesundheit, Soziales, Bildung

Medizinische Versorgung:
Ärzte: weniger als 0,0/1000 Einwohner

Säuglingssterblichkeit: 85/1000 Geburten

Müttersterblichkeit: 732/100.000 Geburten

Lebenserwartung:
Männer 53,8 Jahre, Frauen 57,0 Jahre

Energie, Umwelt, Tourismus

Geschützte Gebiete: 0,6% der Landesfläche

CO2-Emission: 0,612 Mio. t

Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 99%, Industrie 0%, Haushalte 0%

Zugang zu sauberem Trinkwasser: 70% der städtischen, 9% der ländlichen Bevölkerung

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