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Jahrzehnt des Terrors Gefangen im langen Krieg

Die Dekade des Terrors: 9/11 und die Folgen
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REUTERS

2. Teil: Die erfolglose Jagd auf Osama Bin Laden

Die Jagd auf Osama Bin Laden blieb erfolglos. Heute hat man sich daran gewöhnt, doch lange erschien das unfassbar: Wie kann ein einzelner Mann sich einfach so verstecken und nicht gefunden werden?

Freilich, auch wenn Bin Laden noch lebt und sich alle paar Monate per Tonband zu Wort meldet: Dass er auch heute noch Anschläge plant, glaubt kein Experte mehr. Allerdings spielt er als spiritus rector nach wie vor eine überragende Rolle. Man erkennt sie daran, dass es nichts ungewöhnliches mehr ist, wenn ein Terrorist sich selbst rekrutiert und im Namen Bin Ladens zuschlägt: "Leaderless Jihad" nennen Analysten dieses Phänomen.

Al-Qaida reagierte derweil nicht nur mit Wegducken auf den GWOT, wie der "Global War On Terror" bald genannt wurde, das Netzwerk entwickelte sich von einer Kaderorganisation zur Bewegung weiter, gründete Filialen, veröffentlichte Schulungsunterlagen, machte sich das Internet auf alle nur denkbaren Arten und Weisen zunutze. Darin liegt ein Teil des Geheimnisses begründet, warum die Organisation noch existiert: Sie hat ihre Sympathisanten zu Mittätern gemacht.

Terror im Westen, Terror im Osten

Al-Qaidas Ziel war es nie gewesen, nur den Westen anzugreifen. Die Gründungsidee bestand darin, die eigenen verhassten Regierungen parallel anzugreifen. Die Serie von Qaida-inspirierten Großanschlägen in den 2000ern spiegelt das wider: Bali, Djerba, Madrid, London, Casablanca, Mumbai und so weiter.

Was die Terroristen befeuerte, war dabei längst nicht mehr nur ihre Ideologie, sondern immer mehr die aktuelle Politik - und diese ging einher mit massiven Menschenrechtsverletzungen, mit Folter und Misshandlungen. US-Vizepräsident Dick Cheney sprach davon, dass die "Handschuhe ausgezogen" werden müssten. Die Gefängniswärter, CIA-Agenten und Regierungsjuristen verstanden das auf ihre Art. Guantanamo Bay und Abu Ghuraib, CIA-Geheimgefängnisse, auch in Europa, sind Synonyme für diese Überschreitungen, die etliche Terroristen als Motive angegeben haben.

In Deutschland glaubte man lange, wegen des Schröderschen "Nein!" zum Irak-Krieg sei man immun gegen Angriffe von al-Qaida & Co. Doch je länger die Dekade andauerte, desto klarer wurde: Dieser Schutz ist nicht mehr wirksam.

Deutschland ist nicht immun

Denn die Bundeswehr steht in Afghanistan, und das reicht für al-Qaida, die Taliban, und auch für erst kürzlich ins Rampenlicht getretene Truppen wie die "Islamische Bewegung Usbekistan" oder die "Islamische Dschihad Union". Für die "Kofferbomber" reichte schon, dass Zeitungen Karikaturen nachdruckten.

In Deutschland waren es zwei kompromisslose Innenminister, die den Takt vorgaben: Erst Otto Schily (SPD), der ankündigte, wer den Tod liebe, könne ihn haben, danach Wolfgang Schäuble (CDU), der ihm nacheiferte. Eine Kaskade von Sicherheitsgesetzen stürzte auf die Deutschen herab, das Bundeskriminalamt erhielt völlig neue Kompetenzen, Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung sind weitere Stichworte. Maßvolle oder maßlose Reaktionen? Ähnlich wie in der RAF-Debatte wird diese Frage wohl erst in der Retrospektive entschieden werden können.

Dieselbe Frage, dieselbe Antwort

Denn noch ist der "lange Krieg" nicht vorbei. Pakistan steht auf der Kippe, Somalia und der Jemen ebenfalls, und überall haben al-Qaida & Co. ihre Hände im Spiel. In Nordafrika gibt es jetzt eine Qaida-Filiale, im Gaza-Streifen sammeln sich die Bin-Laden-Fans, und selbst aus Deutschland hat die bunte Palette an Dschihad-Gruppen ungebrochenen Zulauf.

Heute, am Ende der Dekade, regiert im Weißen Haus ein anderer Präsident. Im Juni 2009 streckte Barack Obama in Kairo seine Hände in Richtung islamischer Welt aus, er sprach von einem Neuanfang, von einem Ende der Folter, von der Schließung Guantanamos, vom Nahost-Frieden. Es war ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht ist es noch immer einer. Aber auch Obama lässt die CIA in Waziristan Terroristen mit Drohnen jagen und nimmt zivile Opfer in Kauf. Und Guantanamo ist noch immer nicht geschlossen.

"Zwei Jahre Krieg gegen den Terror. Wie viele folgen noch? Wir wissen es nicht." So begann Carafanos Text 2003. Heute sind es acht Jahre. Die Antwort ist dieselbe.

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insgesamt 81 Beiträge
Ingmar E. 07.12.2009
Wer lernen will, lass sich von Volker Pispers mal über alle Hintergründe aufklären. Alles wahr, witzig erzählt, aber eigentlich zum Heulen: History of USA and Terrorism http://www.youtube.com/watch?v=n4H_E8b-qmo
Wer lernen will, lass sich von Volker Pispers mal über alle Hintergründe aufklären. Alles wahr, witzig erzählt, aber eigentlich zum Heulen: History of USA and Terrorism http://www.youtube.com/watch?v=n4H_E8b-qmo
Haio Forler 07.12.2009
Pispers bringt das gut auf den Punkt. Er pickt sich zwar von der Wahrheit immer nur eine Hälfte heraus, die dann weiterhin wahr bleibt, aber die andere wahre Hälfte läßt er weg. Aber gerade die unsägliche Außenpolitik der USA [...]
Zitat von Ingmar E.Wer lernen will, lass sich von Volker Pispers mal über alle Hintergründe aufklären. Alles wahr, witzig erzählt, aber eigentlich zum Heulen: History of USA and Terrorism http://www.youtube.com/watch?v=n4H_E8b-qmo
Pispers bringt das gut auf den Punkt. Er pickt sich zwar von der Wahrheit immer nur eine Hälfte heraus, die dann weiterhin wahr bleibt, aber die andere wahre Hälfte läßt er weg. Aber gerade die unsägliche Außenpolitik der USA bringt er gut auf den Punkt.
Viva24 07.12.2009
Die gewaltigen Investitionen in Kriegsgerät und Erorberung von Erdölfeldern der USA lässt nur ein Schluss zu, die fanden nach dem Klaten Kreig eine neue Gelegenheit Ihre Lobbyisten von Militär, Erdölindustrie und Rüstungsindustrie [...]
Die gewaltigen Investitionen in Kriegsgerät und Erorberung von Erdölfeldern der USA lässt nur ein Schluss zu, die fanden nach dem Klaten Kreig eine neue Gelegenheit Ihre Lobbyisten von Militär, Erdölindustrie und Rüstungsindustrie mit einer neuen Aufgabe zu vertrauen. Auf die Idee zu kommen, den Hungern und die sozialen Probleme auf der Welt zu lösen, sind die nicht gekommen. Auch sterben 1000x soviele Menschen an Verkehrsunfällen und der Staat, der seine Bürger "schützt" treibt kaum Aufwand diese Zahl der Toten zu reduzieren. Am Ende bleibt, dass totale Versagen der Demokratien und der soziale Unfriede geht weiter....
lemming51 07.12.2009
Irgendwann vor langer Zeit wurde "Pandoras Box" geöffnet und nun haben wir den Salat. Ein treffender Kommentar, zweifelsohne.
Irgendwann vor langer Zeit wurde "Pandoras Box" geöffnet und nun haben wir den Salat. Ein treffender Kommentar, zweifelsohne.
werner thurner 07.12.2009
Der Autor des Spiegel Berichts schreibt: "9/11 setzte in beängstigender Geschwindigkeit eine Spirale in Gang: Es dauerte nur Wochen, bis der Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan begann, das den Terroristen um Osama [...]
Der Autor des Spiegel Berichts schreibt: "9/11 setzte in beängstigender Geschwindigkeit eine Spirale in Gang: Es dauerte nur Wochen, bis der Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan begann, das den Terroristen um Osama Bin Laden Unterschlupf gewährt hatte. Es war ein Feldzug, der als unvermeidbar galt. Er wurde breit legitimiert, von der Uno, der Nato." Und da sind mehrere grobe Fehler in diesem Satz. 1) der "Feldzug" war vermeidbar. 2) er wurde nicht legitimiert (vor allem nicht breit), weil diese Legitimation vor dem 7.10.01 , dem Angriff von OEF auf AFG nicht bestand (z.B. der UNO). 3) daß die NATO Anfang Okt.2001 den "Bündnisfall" ausgerufen aht, ist angesichts des Nichtangriffs AFGs auf das Bündnis erst Recht keine Legitimation für diesen Krieg, sondern der Beweis eines klaren Angriffskrieges. 4) Beherbergung von Terroristen ist kein Kriegsgrund, denn sonst müßten Pakistan, Saudi Arabien, Somalia etc. von der NATO bzw. OEF auch angegriffen werden. 5) Terrorismus (auch im nie gekannten Ausmaß wie am 11.Sept.) bleibt das was er ist, Terrorismus. Terrorismus rechtfertigt keine Kriege, n i e und n i m m e r, Terrorismus muß man mit polizeilichen Mitteln und mit Aufklärung und Bildung der Menschen bekämpfen (z.B. ordentliche Schulen statt Madrassen). Daran aber kann der milit.industrielle Komplex nichts verdienen. Der Artikel hat darüberhinaus keinen Tiefgang, weil er nur oberflächliche (und dazu falsche) Gründe für diesen Krieg benennt. Die tieferen Gründe (Energieinteressen und deshalb geostrategische Interessen des Westens, sowie die glänzende Geschäfte derer die am Krieg (mit allen anderen Implikationen außer Waffen, wie Nachschub,Versorung, Basen Bau, etc.) verdienen und an dessen Beendigung von daher nicht interessiert sind (weil für die Kosten ja der Steuerzahler, das dumme Volk, welches mehrheitlich gegen diesen Krieg ist, aufkommt) werden vom Autor nicht benannt. Die größte Schwäche, dieses damit äußerst oberflächlichen Artikels.
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Terrorpropaganda gegen Deutschland
Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.

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