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Jahrzehnt des Terrors: Gefangen im langen Krieg

Von Yassin Musharbash

Es war der Tag, der ein ganzes Jahrzehnt prägen sollte: Am 11. September 2001 steuerten Terroristen gekaperte Flugzeuge in das World Trade Center und ins Pentagon. Sie töteten 2996 Menschen. Seitdem befindet sich die Welt im "Krieg gegen den Terror". Eine Bilanz.

Die Dekade des Terrors: 9/11 und die Folgen Fotos
REUTERS

Der Militäranalyst James Carafano gab der Ära ihren Namen, und zwar eher unbeabsichtigt und wohl zunächst auch wenig beachtet. "The Long War Against Terrorism" lautete der Titel eines Beitrags, den er für die konservative Heritage Foundation schrieb, "Der lange Krieg gegen den Terrorismus." Und Carafano stellte darin im September 2003 eine düstere These auf, die bis heute nicht widerlegt ist: "Bevor das hier vorbei ist, wird sich die Zeit, die wir darauf verwendet haben werden, die Taliban in Afghanistan und Saddams Streitkräfte im Irak zu besiegen, innerhalb der Zeitspanne des Kriegs gegen den Terror etwa so ausnehmen wie der Korea-Krieg (...) im Verhältnis zum Kalten Krieg: Als relativ kurzes Aufblitzen (...) innerhalb eines langen Konflikts."

"Der lange Krieg": Mit diesem Terminus war nun der passende Begriff gefunden, um den Kampf gegen den Terrorismus verbal in die Nachfolge des Kalten Krieges zu stellen. US-Präsident George W. Bush und sein Verteidigungsminister Donald Rumsfeld benutzten die Bezeichnung, ebenso das Militär. Mittlerweile ist es ein feststehender Begriff. Obwohl ihn, ironischerweise, sowohl US-Behörden als auch Kritiker der US-Politik gern wieder einfangen würden. Den Ersten klingt er zu pessimistisch, den Letzteren zu sehr nach einer Rechtfertigung für einen ewig währenden Kriegszustand.

Dabei ist die Länge noch eines der objektiveren Kriterien zur Beschreibung jener Auseinandersetzung, die am 11. September 2001 begann. Sie dauert bereits länger als der Zweite Weltkrieg, aber noch nicht ganz so lange wie der Vietnam-Krieg nach Eingreifen der USA. Aber wer würde prognostizieren, dass al-Qaida & Co. in wenigen Jahren kapitulierten?

Das werden sie nicht tun, weil es in ihrer Ideologie nicht vorgesehen ist. Es ist auch kein Krieg, in dem auf beiden Seiten zwei Generalstäbe die Fäden in der Hand halten. Es ist ein Konflikt, der auf mehreren Ebenen asymmetrisch ist: Netzwerke gegen Staaten, Terroristen gegen Zivilisten, Religion gegen Moderne - und Weltsicht gegen Weltsicht. Denn für al-Qaida begann dieser Krieg nicht am 11. September 2001, wohl aber für die USA und alle, die sich mit ihnen angegriffen fühlten. Was für die Angreifer eine einzige siegreiche Schlacht in einem schon ewig währenden Krieg ist, wirkte für die Gegenseite wie ein Fanal, ein zweites Pearl Harbour, auf das man reagieren musste.

Beängstigende Spirale der Eskalation

Das Jahrzehnt war noch jung, als Mohammed Atta und seine Mitverschwörer ihren schrecklichen Plan am 11. September 2001 ausführten. Es war eine unvorstellbare, unvorhergesehene Tat, die sofort die Frage aufwarf: Wieso haben wir das nicht vorhergesehen? Vieles von dem, was in den Jahren danach an Überreaktionen und Exzessen folgte, wurzelte - zum Teil - in der Angst, noch einmal etwas zu übersehen.

9/11 setzte in beängstigender Geschwindigkeit eine Spirale in Gang: Es dauerte nur Wochen, bis der Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan begann, das den Terroristen um Osama Bin Laden Unterschlupf gewährt hatte. Es war ein Feldzug, der als unvermeidbar galt. Er wurde breit legitimiert, von der Uno, der Nato. In Deutschland, das ebenfalls Truppen stellte, erklärte Verteidigungsminister Peter Struck die Operation mit einem Satz, der zum Gemeinplatz wurde: Deutschlands Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt.

Die Taliban hatten dem Ansturm nicht viel entgegenzusetzen, ihr Regime zerbröselte. Doch Frieden hat Afghanistan auch acht Jahre nach Kriegsbeginn nicht gefunden, die Taliban gibt es immer noch, und ihre radikalen Flügel haben keineswegs die Absicht aufzustecken.

George W. Bush definierte die "Achse des Bösen"

Der US-Präsident George W. Bush, gerade ins Amt gewählt, stolperte in der Folge von 9/11 in eine globale Auseinandersetzung, für die er nicht gewappnet war. Mit seinen Worten vom "Kreuzzug", vom "Entweder ihr seid für uns oder für die Terroristen" und von der "Achse des Bösen" trug er zur Eskalation bei. Vor allem aber, indem er sich von seinen Beratern in einen Krieg gegen den Irak treiben ließ, den diese als Teil des Kriegs gegen den Terror verkauften.

Auch Saddam Hussein fiel schnell, seine Herrschaft war schon Geschichte, als er aus einem Erdloch gezogen wurde. Doch dem Irak erging es schlecht: Ein Fast-Bürgerkrieg mit Tausenden Toten und täglichen Terroranschlägen erschütterte das Land. Der Irak stand in Flammen, immer wieder angefacht von Abu Mussab al-Sarkawi, dem Qaida-Statthalter im Zweistromland, der sich einen Namen damit gemacht hatte, dass er Geiseln vor laufender Kamera enthauptete.

So wurde der Irak erst durch den Krieg zu dem, was er angeblich schon vorher war: zu einem Hort des Terrors.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 81 Beiträge
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1. Die Hintergründe des Terrors
Ingmar E. 07.12.2009
Wer lernen will, lass sich von Volker Pispers mal über alle Hintergründe aufklären. Alles wahr, witzig erzählt, aber eigentlich zum Heulen: History of USA and Terrorism http://www.youtube.com/watch?v=n4H_E8b-qmo
2. ,
Haio Forler 07.12.2009
Zitat von Ingmar E.Wer lernen will, lass sich von Volker Pispers mal über alle Hintergründe aufklären. Alles wahr, witzig erzählt, aber eigentlich zum Heulen: History of USA and Terrorism http://www.youtube.com/watch?v=n4H_E8b-qmo
Pispers bringt das gut auf den Punkt. Er pickt sich zwar von der Wahrheit immer nur eine Hälfte heraus, die dann weiterhin wahr bleibt, aber die andere wahre Hälfte läßt er weg. Aber gerade die unsägliche Außenpolitik der USA bringt er gut auf den Punkt.
3. Krieg gegen den Terror hat faden Beigeschmack
Viva24 07.12.2009
Die gewaltigen Investitionen in Kriegsgerät und Erorberung von Erdölfeldern der USA lässt nur ein Schluss zu, die fanden nach dem Klaten Kreig eine neue Gelegenheit Ihre Lobbyisten von Militär, Erdölindustrie und Rüstungsindustrie mit einer neuen Aufgabe zu vertrauen. Auf die Idee zu kommen, den Hungern und die sozialen Probleme auf der Welt zu lösen, sind die nicht gekommen. Auch sterben 1000x soviele Menschen an Verkehrsunfällen und der Staat, der seine Bürger "schützt" treibt kaum Aufwand diese Zahl der Toten zu reduzieren. Am Ende bleibt, dass totale Versagen der Demokratien und der soziale Unfriede geht weiter....
4.
lemming51 07.12.2009
Irgendwann vor langer Zeit wurde "Pandoras Box" geöffnet und nun haben wir den Salat. Ein treffender Kommentar, zweifelsohne.
5. Terrorismus rechtfertigt keine Kriege!
werner thurner, 07.12.2009
Der Autor des Spiegel Berichts schreibt: "9/11 setzte in beängstigender Geschwindigkeit eine Spirale in Gang: Es dauerte nur Wochen, bis der Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan begann, das den Terroristen um Osama Bin Laden Unterschlupf gewährt hatte. Es war ein Feldzug, der als unvermeidbar galt. Er wurde breit legitimiert, von der Uno, der Nato." Und da sind mehrere grobe Fehler in diesem Satz. 1) der "Feldzug" war vermeidbar. 2) er wurde nicht legitimiert (vor allem nicht breit), weil diese Legitimation vor dem 7.10.01 , dem Angriff von OEF auf AFG nicht bestand (z.B. der UNO). 3) daß die NATO Anfang Okt.2001 den "Bündnisfall" ausgerufen aht, ist angesichts des Nichtangriffs AFGs auf das Bündnis erst Recht keine Legitimation für diesen Krieg, sondern der Beweis eines klaren Angriffskrieges. 4) Beherbergung von Terroristen ist kein Kriegsgrund, denn sonst müßten Pakistan, Saudi Arabien, Somalia etc. von der NATO bzw. OEF auch angegriffen werden. 5) Terrorismus (auch im nie gekannten Ausmaß wie am 11.Sept.) bleibt das was er ist, Terrorismus. Terrorismus rechtfertigt keine Kriege, n i e und n i m m e r, Terrorismus muß man mit polizeilichen Mitteln und mit Aufklärung und Bildung der Menschen bekämpfen (z.B. ordentliche Schulen statt Madrassen). Daran aber kann der milit.industrielle Komplex nichts verdienen. Der Artikel hat darüberhinaus keinen Tiefgang, weil er nur oberflächliche (und dazu falsche) Gründe für diesen Krieg benennt. Die tieferen Gründe (Energieinteressen und deshalb geostrategische Interessen des Westens, sowie die glänzende Geschäfte derer die am Krieg (mit allen anderen Implikationen außer Waffen, wie Nachschub,Versorung, Basen Bau, etc.) verdienen und an dessen Beendigung von daher nicht interessiert sind (weil für die Kosten ja der Steuerzahler, das dumme Volk, welches mehrheitlich gegen diesen Krieg ist, aufkommt) werden vom Autor nicht benannt. Die größte Schwäche, dieses damit äußerst oberflächlichen Artikels.
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11. September 2001: Der Tag des Schreckens
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Interaktive Grafik: al-Qaidas wichtigste Kader

Terrorpropaganda gegen Deutschland
Al-Qaida
Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.
IJU
Die "Islamische Dschihad-Union" (IJU), eine ursprünglich usbekische Terrororganisation, die mittlerweile von Pakistan aus operiert, ist in Deutschland ein Begriff, weil sie der Sauerland-Zelle den Auftrag erteilte, Anschläge in Deutschland zu planen. Auch die IJU veröffentlichte auf Deutschland bezogene Propaganda. So verherrlichte sie in mehreren Videos etwa den Tod des aus Bayern stammenden Cüneyt Citfci als IJU-Selbstmordattentäter im März 2008. Mehrmals meldete sich auch der Saarländer Eric Breininger für die IJU zu Wort und rief deutsche Muslime auf, die Dschihadisten zu unterstützen. Allerdings drohte die IJU nicht ausdrücklich mit Terror in Deutschland. Eher ließen sich ihre Warnungen auf die Bundeswehr in Afghanistan beziehen.
IBU
Die "Islamische Bewegung Usbekistan" (IBU) operiert ebenfalls von Pakistan aus und verfügt über Rekruten aus Deutschland. Zwei von ihnen, Jassin und Mounir C., stammen wie Bekkay Harrach aus Bonn. Im Dezember 2008 meldeten sie sich erstmals zu Wort und riefen Gesinnungsgenossen dazu auf, sich in IBU-Trainingslager aufzumachen. Im März und im September 2009 wurden diese Aufforderungen erneuert. In den IBU-Videos tauchen noch weitere deutschsprachige Personen auf, die aber noch nicht identifiziert werden konnten. Die IBU hat wie die IJU nicht offen mit Anschlägen in Deutschland gedroht.
Taliban
Am 25. September 2009 veröffentlichten erstmals auch die Taliban ein Video, dass Terrordrohungen gegen Deutschland enthielt. Gezeigt wurde darin ein bisher nicht identifizierter deutschsprachiger Kämpfer, der sich "Ajjub" nennt. Anschläge in Deutschland seien wegen des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr verlockend geworden, sagt er in dem Band.
Einzelpersonen
Es gibt unbestätigte Medienberichte über weitere gegen Deuschland gerichtete Terrorpropaganda, die sich aber nicht mit bestimmten Terrorgruppen in Verbindung bringen lässt. Sicher ist, dass einzelne Dschihadisten, vor allem in Internet-Diskussionsforen, über Anschläge gegen deutsche Ziele polemisieren oder zu diesen aufrufen.
Propaganda
Deutschland ist nicht das erste und nicht das einzige Land, das al-Qaida kampagnenartig bedroht. Mehrfach etwa riefen Osama Bin Laden und Aiman al-Sawahiri (neben weiteren Qaida-Kadern) zum militanten Dschihad in Pakistan auf. Auch Dänemark ist sehr häufig (wegen der Karikaturenkrise) als Ziel herausgehoben worden. Osama Bin Laden hat zudem 2006 den USA weitere verheerende Anschläge "in Bälde" angekündigt. Oft, aber nicht immer, zeitigen solche Heraushebungen Folgen. Die dänische Botschaft in Afghanistan wurde zum Beispiel attackiert, ebenso kam es zu schweren Anschlägen in Pakistan.

Viele Analysten gehen davon aus, dass eine Fokussierung der Propaganda mit einer Neuausrichtung der physischen Zielvorgaben korrespondiert, man aus der Häufung von Propaganda-Attacken also zu einem gewissen Grad auf Anschlagsplanungen schließen kann.

Andererseits ist Propaganda auch ein Ersatz für physischen Terror: Angst und Schrecken werden verbreitet, ohne dass man etwas tun muss. Al-Qaida & Co. betrachten es mitunter schon als Erfolg, wenn sie durch Drohungen ökonomische Verluste auslösen können. Da die Warnungen zudem im Raum stehen bleiben, können sie theoretisch auch Jahre später "eingelöst" werden, was oftmals zu einer dauerhaften Anspannung der Sicherheitslage in den herausgehobenen Ländern führt.
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"Gitmo-Five": Die mutmaßlichen Drahtzieher vom 11. September


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