Brasiliens Präsident vereidigt Mit Peng-Peng durch die Straßen

Er will die "Gender-Ideologie" bekämpfen und den Zugang zu Waffen erleichtern: In Brasilien hat der Ultrarechte Jair Bolsonaro seinen Amtseid als Präsident abgelegt - und gleich gezeigt, was auf die Welt zukommt.

Jair Bolsonaro und seine Ehefrau Michelle
AFP

Jair Bolsonaro und seine Ehefrau Michelle


In einem offenen Rolls-Royce fuhr er gemeinsam mit seiner Ehefrau Michelle durch die Straßen, winkte seinen Fans zu - und formte mit Daumen und Zeigefinger eine Pistole und schoss in die Luft. In Brasilien ist der ultrarechte Ex-Militär Jair Bolsonaro als neuer Präsident vereidigt worden.

Der 63-Jährige legte am Dienstag im Kongress seinen Amtseid ab. Damit steuert die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas auf einen radikalen Richtungswechsel zu. "Wir haben jetzt die einzigartige Möglichkeit, unser Land neu aufzubauen", sagte Bolsonaro in seiner Rede vor den Parlamentariern.

Beobachter erwarten nach Bolsonaros Amtsantritt einen scharfen Rechtsruck im fünftgrößten Land der Welt. Manche sehen in ihm gar eine Gefahr für die noch junge Demokratie Brasiliens. US-Präsident Donald Trump gratulierte Bolsonaro via Twitter.

Grüße aus dem Oldtimer
AP

Grüße aus dem Oldtimer

Bolsonaro, ein Hauptmann der Reserve, hatte sich immer wieder abfällig über Schwarze, Indigene und Homosexuelle geäußert und die Militärdiktatur in Brasilien gelobt. Er hat angekündigt, keine weiteren Schutzgebiete für indigene Gemeinschaften auszuweisen und den Zugang zu Waffen zu erleichtern.

Die Ideologie des neuen Staatschefs wird als "Bala, Boi e Bíblia" (Kugel, Vieh, Bibel) beschrieben. Evangelikale Christen, nationalistische Militärs und die neoliberale Wirtschaftselite unterstützten seinen Wahlkampf. Welche der Gruppen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen während Bolsonaros Amtszeit den Ton angeben wird, ist allerdings noch unklar.

"Ich werde unsere Werte verteidigen und die Gender-Ideologie bekämpfen", kündigte Bolsonaro in seiner Rede an. Der langjährige Abgeordnete verunglimpft immer wieder Schwule. Er ziehe es vor, seinen Sohn bei einem Verkehrsunfall zu verlieren, als einen homosexuellen Sohn zu haben, sagte er einmal.

Bolsonaro in Zitaten

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In seiner Rede kündigte Bolsonaro einen "nationalen Pakt" an, um Brasilien voranzubringen. In den kommenden vier Jahren will der Rechtspopulist die weit verbreitete Korruption in dem größten Land Lateinamerikas bekämpfen, die Kriminalität eindämmen und die Wirtschaft ankurbeln. Zu seinem Kabinett zählen der prominente Anti-Korruptionsermittler Sergio Moro und der ultraliberale Wirtschaftswissenschaftler Paulo Guedes.

Kritiker befürchten, dass ein einfacherer Zugang zu Waffen die Gewalt nicht eindämmen, sondern verschärfen dürfte. Die Mordrate in Brasilien ist gewaltig: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 63.000 Menschen getötet. Zum Vergleich: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr etwa 730 Tötungsdelikte.

kha/dpa



insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
famon 01.01.2019
1. Der Messias aus Glicério...
...ist keine Lösung, sondern das Ergebnis von Brasiliens Probleme. Es ist nicht nur ein Rechtsrück, es ist ein Rückschritt um mindestens 40 Jahre.
Interzoni 01.01.2019
2. Da hilft nur noch Exil
Als BrasilianerIn, die nicht so tickt wie diese indiskutable Marionette der Holzwirtschaft, des Militärs und evangelikaler Sekten, würde ich alles dafür tun, schnellstmöglich das Land zu verlassen. Bolsonaro und seine Jünger rufen ja schon offen zur Denunziation Andersdenkender auf - und wer es wagt, mit einem roten Hemd herumzulaufen, kann damit rechnen, zusammengeschlagen zu werden. Brasilien hat seinen Untergang gewählt, das wird sich schneller zeigen, als selbst moderate Skeptiker befürchten.
collapsar 01.01.2019
3. Und wer hats verbrochen ?
Zitat von famon...ist keine Lösung, sondern das Ergebnis von Brasiliens Probleme. Es ist nicht nur ein Rechtsrück, es ist ein Rückschritt um mindestens 40 Jahre.
Stimmt leider uneingeschränkt. Wirklich erschreckend allerdings, daß Bolsonaro sich nicht etwa an die Macht geputscht, sondern freie Wahlen gewonnen hat. Keine Werbung für die Demokratie. Carsten
roninger2000 01.01.2019
4. Cool bleiben
Fakt ist, dass Brasilien demokratisch eine neue Regierung gewählt hat. Wir wünschen also einen guten Start u. viel Erfolg.
Garak 01.01.2019
5. Und wer ist Schuld daran das es soweit.....
Zitat von famon...ist keine Lösung, sondern das Ergebnis von Brasiliens Probleme. Es ist nicht nur ein Rechtsrück, es ist ein Rückschritt um mindestens 40 Jahre.
....gekommen ist? Die angeblich guten Linken! Wenn Dilma und vor ihr Lula einen besseren Job gemacht hätten und es dem Volk besser gegangen wäre dann hätte Bolsonaro doch keine Chance gehabt. Aber wie immer versprechen können die linken Wohltaten für alle, am Ende haben sie sich genauso wie die Rechten nur die Taschen/Konten mit Geld vollgestopft und ihre Freunde auch bedacht. Das versagen der Linken hat doch erst die Grundlage für diesen Rechtsruck gegeben. Und in Venezuela wird es ähnlich laufen wenn das System nicht ganz implodiert und zu einem failed State degeneriert.
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