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Terror in Indonesien: IS bekennt sich zum Anschlag in Jakarta

Erstmals hat die Terrororganisation "Islamischer Staat" einen Anschlag in Indonesien verübt - dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land. Bei dem Angriff auf ein Einkaufszentrum in Jakarta starben mindestens sieben Menschen.

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat sich zu dem Anschlag auf ein Einkaufszentrum in der indonesischen Hauptstadt Jakarta bekannt. Kämpfer des IS hätten am Donnerstagmorgen ausländische Bürger und Sicherheitskräfte angegriffen, meldete die Nachrichtenagentur Aamaq, die als Sprachrohr der Dschihadisten gilt. Angaben zu Tätern und Motiven für den Anschlag machte Aamaq nicht.

"Hinter diesem Anschlag steht definitiv der IS", sagte auch der Polizeichef von Jakarta, Tito Karnavian. Konkret benannte er Bahrun Naim als Verantwortlichen. Der Dschihadist wird in Syrien vermutet. "Er hat das seit einer ganzen Weile geplant", sagte Karnavian. Unter den Angreifern seien keine Ausländer.

Es ist der erste IS-Anschlag in Indonesien. In dem Inselstaat leben rund 200 Millionen Muslime - mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Am Donnerstagvormittag Ortszeit hatte ein Terrorkommando das Sarinah-Einkaufszentrum im Zentrum von Jakarta angegriffen. Die Attentäter erschossen mehrere Polizisten und zündeten Sprengsätze. Ein Polizeisprecher sagte, das Vorgehen der Täter ähnele der Terrorserie von Paris am 13. November.

"Zwei Täter haben sich in die Luft gesprengt", sagte Polizeisprecher Mohammad Iqbal. "Drei weitere hat die Polizei erschossen, als sie Bomben werfen wollten." Zwei Menschen starben durch das Terrorkommando.

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Anschläge in Jakarta: Terror im Einkaufszentrum
Die indonesischen Sicherheitskräfte brauchten mehrere Stunden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Die Polizei schloss zunächst nicht aus, dass Attentäter flüchteten und womöglich in einem Gebäude Geiseln hielten. Eine schwer bewaffnete Anti-Terror-Einheit riegelte die Umgebung ab und war mit Scharfschützen im Einsatz. Tausende Menschen in den umliegenden Bürohäusern durften die Gebäude zunächst nicht verlassen.

Laut Auswärtigem Amt in Berlin wurde auch ein Deutscher verletzt. Die deutsche Botschaft in Jakarta stehe mit den örtlichen Behörden in engstem Kontakt, um weitere belastbare Angaben zu erhalten. Das Außenministerium riet, den Innenstadtbereich vorerst zu meiden.

Indonesiens Präsident Joko Widodo rief zur Ruhe auf. "Wir werden uns nicht von diesen Terroranschlägen in die Knie zwingen lassen", sagte er im Fernsehen. Indonesien hatte seine Alarmbereitschaft in den vergangenen Wochen erhöht, nachdem Dschihadisten angekündigt hatten, in der größten muslimischen Nation der Welt Unheil anzuzetteln. Seither gehen die Behörden verstärkt gegen Extremisten vor, in den vergangenen Wochen setzten die Sicherheitskräfte Dutzende Verdächtige fest.

Nach Geheimdienstschätzungen haben sich mehrere Hundert Indonesier dem IS in Syrien und im Irak angeschlossen. Gemessen an der Bevölkerungszahl sind das deutlich weniger als etwa aus Deutschland und vielen anderen Ländern.

Indonesien war in den Jahren 2000 bis 2009 Ziel mehrerer schwerer Bombenanschläge. Allein bei einem Attentat auf der Urlaubsinsel Bali wurden im Jahr 2002 rund 200 Menschen getötet.

syd/dpa/Reuters

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Bevölkerung: 252,812 Mio.

Fläche: 1.910.931 km²

Hauptstadt: Jakarta

Staats- u. Regierungschef:
Joko Widodo

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