Fall Khashoggi Friedensnobelpreisträgerin wirft Saudi-Arabien Staatsterrorismus vor

Das Verschwinden Jamal Khashoggis nennt die Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman ein "großes Verbrechen". Sie verlangt Konsequenzen - auch für Kronprinz Mohammed bin Salman.

Tawakkol Karman
SEDAT SUNA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Tawakkol Karman


Die Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman hat Saudi-Arabien Terror gegen seine eigenen Bürger vorgeworfen. Hintergrund ist der Fall des in Istanbul verschwundenen und möglicherweise ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi.

"Das Verbrechen wirft ein Schlaglicht auf die Situation der Menschenrechte in Saudi-Arabien und den durchgeführten Staatsterrorismus", sagte die jemenitische Journalistin dem TV-Sender Al Jazeera während eines Protestes vor dem saudi-arabischen Konsulat in Istanbul.

Karman erhielt ihren Friedensnobelpreis im Jahr 2011 gemeinsam mit Leymah Gbowee und Ellen Johnson-Sirleaf aus Liberia für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte.

Das saudi-arabische Konsulat in Istanbul
DPA

Das saudi-arabische Konsulat in Istanbul

Der Journalist und Regimekritiker Khashoggi hatte das Konsulat in Istanbul im Viertel Levent am vergangenen Dienstag betreten, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen. Nach Angaben türkischer Offizieller zeigen Videoaufnahmen, dass er das Gebäude nicht verlassen hat. Medien und Freunde berichteten unter Berufung auf türkische Ermittler und Regierungskreise, Khashoggi sei ermordet worden. Saudi-Arabien wies die Vorwürfe zurück. Demnach soll Khashoggi erst nach dem Besuch in dem Konsulat verschwunden sein.

"Saudi-Arabien wollte Khashoggi zum Schweigen bringen"

"Seine Verschleppung und sein Verschwinden sind ein großes Verbrechen, und die, die es begangen haben, müssen zur Verantwortung gezogen werden - auch (Kronprinz) Mohammed bin Salman", sagte Karman weiter. Der mächtige Thronfolger sei in die Details des Falls eingeweiht gewesen, der nun international untersucht werden müsse.

"Saudi-Arabien wollte Jamal Khashoggi zum Schweigen bringen, aber was passierte, war das Gegenteil. Seine Stimme ist stärker geworden und verbreitet sich weiter." Auch Hunderte Fälle von Misshandlung und Gewalt gegen Gefangene in saudi-arabischen Gefängnissen rückten nun in den Fokus.

Der Fall sorgt zwischen der Türkei und Saudi-Arabien für weitere Spannung. Schon zuvor war das Verhältnis der beiden Ländern schwierig, weil sowohl Ankara als auch Riad um Einfluss in der Region kämpfen. Das Verschwinden Khashoggis könnte jetzt eine schwere Krise auslösen.

aev/dpa



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