Verschwundener Journalist Khashoggi Trump nimmt Saudi-Arabien in Schutz

Noch immer ist unklar, was mit dem Journalisten Jamal Khashoggi geschah. Die G7 wollen die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Der US-Präsident betont: Auch für Saudi-Arabien solle die Unschuldsvermutung gelten.

Donald Trump
AP

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Der amerikanische Präsident Donald Trump hat die Führung in Riad im Fall des verschwundenen Journalisten und Regimekritikers Jamal Khashoggi in Schutz genommen: Auch für Saudi-Arabien müsse die Unschuldsvermutung gelten. "Jetzt wird wieder gesagt: 'Du bist schuldig, bis deine Unschuld bewiesen ist'", sagte Trump in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. "Ich mag das nicht."

Trump zog dabei Parallelen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den neuen Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh. Auch Kavanaugh habe sich in seinen Augen als "unschuldig" erwiesen, sagte Trump. Im Fall Khashoggi müsse jetzt erst einmal herausgefunden werden, was passiert sei.

Das fordern auch die Außenminister der G7-Staaten. Das Verschwinden Khashoggis sei weiterhin "sehr beunruhigend", und die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es in einer Erklärung Kanadas - das Land führt derzeit den Vorsitz der Gruppe der sieben wichtigsten Industrienationen. Die G7-Außenminister riefen Saudi-Arabien zu einer "gründlichen, glaubwürdigen, transparenten und zügigen Untersuchung" auf.

Von Khashoggi fehlt jede Spur, seit er am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul ging um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seine türkische Verlobte wartete vor dem Gebäude über Stunden vergeblich darauf, dass der Journalist wieder herauskam. Türkische Ermittler hegen den Verdacht, dass Khashoggi im Konsulat ermordet wurde. Riad bestreitet dies und sprach Medienberichten zufolge kürzlich erstmals von einem Verhör, das außer Kontrolle geraten sein soll.

Videoanalyse zur saudi-arabischen Erklärung im Fall Khashoggi: "Das ist ein Märchen"

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Khashoggi, der am 13. Oktober 60 Jahre geworden wäre, lebte seit mehr als einem Jahr im US-Exil und schrieb unter anderem für die Zeitung "Washington Post" regierungskritische Artikel über Saudi-Arabien.

US-Außenminister Mike Pompeo attestierte der saudi-arabischen Führung am Dienstag nach Gesprächen in Riad den "ernsthaften" Willen, den Fall aufzuklären und mögliche Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Das gelte auch für "ranghohe" saudi-arabische Vertreter. Pompeo war im Auftrag Trumps zu Besuch in Riad, um dem Fall nachzugehen. Er wurde dort vom Kronprinzen Mohammed bin Salman, von König Salman und Außenminister Adel al-Dschubeir empfangen. Anschließend wollte Pompeo in die Türkei reisen.

Auch Trump hatte gesagt, der saudische Kronprinz habe ihm am Telefon die "vollständige" Untersuchung des Falls zugesagt. Antworten werde die saudi-arabische Führung bereits "in Kürze" liefern, schrieb Trump bei Twitter. Mohammed bin Salman habe jede Kenntnis von den Vorgängen im Konsulat in Istanbul "absolut bestritten".

Der 33 Jahre alte Kronprinz steht international unter Druck, da er verdächtigt wird, die Ermordung Khashoggis angeordnet zu haben. Für die Trump-Regierung ist der Fall überaus delikat. Sie setzte bislang auf enge Zusammenarbeit mit Riad. Saudi-Arabien ist einer ihrer wichtigsten Verbündeten im Vorgehen gegen Iran und außerdem ein massiver Abnehmer von US-Rüstungsprodukten (mehr zum Taktieren Trumps im Fall Khashoggi erfahren Sie hier).

Lagarde verschiebt Reise nach Saudi-Arabien

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, verschob derweil ihre geplante Reise in den Nahen Osten, wo sie an einer großen Investoren-Konferenz in Saudi-Arabien teilnehmen wollte. Noch vor wenigen Tagen hatte sie erklärt, sie werde trotz erheblicher Vorwürfe gegen die politische Führung des Königreichs im Fall Khashoggi nach Riad reisen.

Am 23. Oktober soll in Riad eine große Investorenkonferenz mit einem Großaufgebot an Prominenz aus Wirtschaft und Politik in Riad stattfinden. Nach den Vorkommnissen um Khashoggi hagelte es jedoch bereits Absagen: Unter anderem haben der Chef der Großbank HSBC, John Flint, sowie die Vorstandsvorsitzenden des Unterhaltungskonzerns Viacom und vom Fahrdienstleister Uber abgesagt.

Bisher nicht offiziell abgesagt haben unter anderem US-Finanzminister Steven Mnuchin und der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Joe Kaeser. Von Siemens hieß es am Dienstag, man beobachte die Situation noch.

aar/dpa/AFP/Reuters

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sven2016 17.10.2018
1. Nicht vor Gericht
Die Unschuldsvermutung ist ein Begriff aus dem Verfahren vor Gericht, mehr nicht. Das würde treffen, falls man den Trupp ausSaudi-Arabien in der Türkei anklagen könnte. Dass Trump es nicht mag, wenn seine Freunde und Finanziers schlecht aussehen ist bekannt, aber irrelevant. Wenn er seinen Sex-Richter in die gleiche Umgebung stellt, wird das schon stimmen.
anonym187 17.10.2018
2. komisch...Iran hält sich am Atomabkommen
und trotzdem wird der Iran sanktioniert. Saudi Arabien verstößt offensichtlich gegen internationales Recht und soll jetzt nicht bestraft werden...woran es wohl liegrn könnte? stimmt ja die USA haben ihre alten Waffen an die Saudis verkauft und möchten mehr an die Saudis verkaufen. Außerdem wäre die Saudis die letzten Verbündeten neben Israel. Ich denke, dass hier jedem klar sein sollte, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird
aotearoaflor 17.10.2018
3.
Mann sollte sich fragen, warum wirtschaftliche Interessen über der Würde des Menschen stehen! Und dass im Jahr 2018 und nicht 1820! Alle die an einem solchen oder ähnlichem Verbrechen (siehe Skripal) beteiligt waren, gehören zur Rechenschaft gezogen und sollten nicht mit Milliardenseals belohnt werden.
alexanderfillar 17.10.2018
4. Wie die Welt belogen wird
Wenn Trump sagt, MbS habe versprochen, es werde gründlich untersucht, dann ist das natürlich auch so....? Die Menschen sind zum Glück klug genug zu wissen, dass Politiker in solchen Angelegenheiten skrupellos lügen. Ich vermute stark, die US-Regierung weiß genau was los ist und Pompeo fliegt nun nach Saudi Arabien, um Schadensbegrenzung zu betrieben. Und die saudische Regierung wird weiterhin unliebsame Journalisten ermorden...
ex rostocker 17.10.2018
5. Deutschland ist von den Saudis abhängig, nicht umgekehrt
Venezuela, Nigeria, Irak und Iran sind als Erdöllieferanten weitgehend ausgefallen. Wenn durch Boykott oder saudische Exportsperre (können die sich locker leisten) auch noch Saudi-Arabien ausfällt, wird es in Deutschland unruhig werden. Der Preis für Heizöl, Benzin und Gas ist für uns so wichtig wie der Brotpreis vor 100 Jahren. Jeder überlege sich, ob er sich einen verdoppelten Preis für Treibstoff oder für die Heizung leisten kann. Da bleibt der Ruf nach Menschenrechten bei den Saudis jedem Deutschen im Halse stecken - wie auch bei den Boykottmaßnahmen gegen die Sowjetunion ... ähm... Russland.
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