Getöteter Journalist Saudi-Prinz Mohammed nannte Khashoggi offenbar einen gefährlichen Islamisten

In der Öffentlichkeit bedauert Mohammed bin Salman den Tod von Jamal Khashoggi. In einem Telefonat mit dem Weißen Haus soll der saudische Thronfolger aber ganz anders über den Journalisten gesprochen haben.

Mohammed bin Salman
REUTERS

Mohammed bin Salman


Wenige Tage nach dem Verschwinden von Jamal Khashoggi soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den getöteten Journalisten als gefährlichen Islamisten bezeichnet haben. Das berichten die "Washington Post" und die "New York Times".

Bin Salman machte die Äußerung demnach in einem Gespräch mit Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und dem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Die Zeitungen berufen sich auf namentlich nicht genannte Personen mit Kenntnis vom Gespräch.

Khashoggi betrat am 2. Oktober das saudi-arabische Konsulat in Istanbul, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Danach verschwand er. Seine Leiche wurde noch nicht gefunden.

Öffentlich äußert der Kronprinz Bedauern

Der Journalist sei kurz nach Betreten des Konsulats erwürgt worden, teilte zuletzt die Staatsanwaltschaft in Istanbul mit. Dann hätten die Täter Khashoggis Leiche zerstückelt. Der Mord sei im Vorfeld geplant gewesen.

Damit widersprechen die Türken der offiziellen Erklärung aus Saudi-Arabien: Das Königshaus hatte Khashoggis Tod als Unfall und Verkettung unglücklicher Umstände dargestellt. Zwischen dem Publizisten und saudi-arabischen Agenten im Konsulat habe sich aus einem Streit eine Schlägerei entwickelt, in deren Verlauf der 59-jährige Journalist getötet wurde.

Das Königshaus bestreitet jede Beteiligung. Der Kronprinz sprach zuletzt von einem "abscheulichen Verbrechen"; dieses sei "sehr schmerzhaft für alle Saudis und alle Menschen auf der Welt". Saudi-Arabien arbeite gemeinsam mit den türkischen Behörden an der Aufklärung. Bin Salman kündigte eine strenge Bestrafung der Täter an.

Khashoggis Familie widerspricht der Charakterisierung

Khashoggis Familie bestritt den Vorwurf, der getötete Journalist sei ein gefährlicher Islamist gewesen. Khashoggi sei auch kein Mitglied der Muslimbruderschaft gewesen; diesen Vorwurf habe er über die Jahre wiederholt zurückgewiesen.

"Jamal Khashoggi war keine in irgendeiner Form gefährliche Person. Das Gegenteil zu behaupten, wäre lächerlich", heißt es in einem Statement der Familie gegenüber der Washington Post, für die Khashoggi arbeitete.

asa



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