Verschwundener Journalist Saudi-Arabien bestätigt Tötung Khashoggis in Istanbuler Konsulat

Fast drei Wochen nach Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi hat Saudi-Arabien dessen Tod eingeräumt. 18 Personen wurden festgenommen, der Vizepräsident des Geheimdienstes offenbar entlassen.

Eingang zum saudi-arabischen Konsulat in Istanbul
AP

Eingang zum saudi-arabischen Konsulat in Istanbul


Saudi-Arabien hat den Tod des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi bestätigt. Zwischen Khashoggi und mehreren Personen im Istanbuler Konsulat sei es zum tödlichen Streit gekommen, berichtete die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur Spa. Die "Diskussionen" zwischen Khashoggi und "denjenigen, die er im Konsulat des Königreichs in Istanbul getroffen" habe, "entwickelten sich zu einem Faustkampf, der zu seinem Tod führte", hieß es weiter. Es seien bereits 18 Personen festgenommen worden.

Zudem wurde nach Angaben von Spa der Vizepräsident des Geheimdienstes, General Ahmad Asiri, auf Befehl des Königs von seinem Posten entbunden. Asiri gilt als enger Vertrauter von Kronprinz Mohammed bin Salman. Es gab zuletzt Spekulationen, dass der General in einer vom Königshaus verbreiteten Version der Ereignisse als der Schuldige an der Tat dargestellt werden sollte. Auch ein weiterer enger Berater von Kronprinz Mohammed, der für Medien zuständige Saud Al-Qahtani, wurde vom König entlassen. Kronprinz Mohammed bin Salman steht unter Druck. Eine Verbindung zu der Tat könnte dem 33-Jährigen schwer schaden.

Telefonat zwischen Erdogan und König Salman

Jamal Khashoggi
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Jamal Khashoggi

Khashoggi hatte am 2. Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen wollen und war seither verschwunden. Die türkischen Behörden gingen nach Medienberichten bisher davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Spezialkommando getötet wurde. Riad hatte diese Vorwürfe bis jetzt vehement bestritten. Der Journalist hatte auch Kolumnen für die "Washington Post" verfasst.

Kurz vor dem Eingeständnis des Todes des Regimekritikers haben der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und der saudische König Salman miteinander telefoniert. Das geht aus einem in der Nacht veröffentlichten Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu hervor. Erdogan und Salman hätten am Freitagabend über den Fall Khashoggi gesprochen und über die Wichtigkeit, voll bei den Ermittlungen zu kooperieren. Während des Gesprächs hätten der Präsident und der König Informationen über die Fortschritte der Ermittlungen ausgetauscht.

US-Präsident Donald Trump begrüßte die Festnahmen in Saudi-Arabien, hält den Fall aber noch nicht für restlos aufgeklärt. "Es ist nur ein erster Schritt, aber es ist ein großer erster Schritt", sagte Trump am Freitagabend in Arizona. Trump wollte keine öffentlichen Zweifel an der offiziellen Darstellung Saudi-Arabiens zum Tod Khashoggis äußern, betonte aber auch: "Wir haben einige Fragen." Er wolle deshalb mit Kronprinz Mohammed bin Salman sprechen.

Asiri möglicher Sündenbock

UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte sich "zutiefst beunruhigt" zum Tod Kashoggis und kondolierte der Familie des Journalisten. "Der Generalsekretär verweist auf die Notwendigkeit einer sofortigen, gründlichen und transparenten Untersuchung der Todesumstände", sagte sein Sprecher Stephane Dujarric. Zudem müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Verlobte, Hatice Cengiz, verabschiedete sich nach der Nachricht auf Twitter von "ihrer Liebe" und wünschte ihm, dass er "im Paradies ruhe".

Die "Washington Post" hatte vor einigen Tagen unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichtet, der nun wohl entlassene Vize-Geheimdienstchef Asiri sei ein "möglicher Sündenbock". Er habe Thronfolger Mohammed in der Vergangenheit wiederholt vorgeschlagen, "etwas gegen Khashoggi und andere zu unternehmen". Spa zufolge wurden noch mindestens drei weitere hochrangige Geheimdienstmitarbeiter entlassen. Der Geheimdienst solle nun insgesamt neu aufgestellt werden - dieser Prozess solle vom Kronprinz selbst überwacht werden.

Das vage Eingeständnis aus Riad dürfte auch auf wachsenden Druck von US-Präsident Trump zurückgehen, einem der wichtigsten Verbündeten des Königshauses. Trump hatte zuletzt eine "schwere Bestrafung" für den Fall angekündigt, dass Saudi-Arabien für den Tod Khashoggis verantwortlich sein sollte. US-Außenminister Mike Pompeo hatte in dieser Woche zudem sowohl Riad als auch Ankara besucht, um sich nach dem Stand der Ermittlungen zu erkundigen.

Noch keine Konsequenzen für Riad bekannt

Das Weiße Haus äußerte sich in einer ersten Stellungnahme nicht zu möglichen Konsequenzen für Saudi-Arabien. In einer Mitteilung hieß es am Freitagabend: "Die Vereinigten Staaten nehmen die Mitteilung des Königreichs Saudi-Arabien zur Kenntnis, dass seine Ermittlungen zum Schicksal von Jamal Kashoggi voranschreiten und dass es gegen die bislang identifizierten Verdächtigen vorgeht."

Der republikanische US-Senator Lindsay Graham meldete unterdessen Zweifel an der Darstellung an. "Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass ich der neuen saudischen Schilderung zum Tod Herrn Khashoggis skeptisch gegenüberstehe", teilte Graham auf Twitter mit. Der US-Kongressabgeordnete Eric Swalwell forderte Saudi-Arabien auf, den Verbleib der Leiche Khashoggis aufzuklären.

Saudi-Arabien hatte seine Gangart mit Kritikern in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Unter der rigiden Herrschaft von Kronprinz Mohammed bin Salman wurden zahlreiche Aktivisten, Kleriker, Geschäftsleute oder Frauenrechtler eingesperrt. Auch im Ausland verschwanden nach Medienberichten mindestens drei kritische Angehörige der Königsfamilie. Es gibt Hinweise darauf, dass sie ins Königreich verschleppt wurden.

Auch außenpolitisch tritt die Monarchie unter dem Thronfolger deutlich aggressiver auf. Er gilt unter anderem als Initiator der Blockade des Nachbaremirats Katar von 2017, der Festsetzung des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri vergangenes Jahr und der Eskalation im Jemen-Krieg mit Zehntausenden Toten.

mkl/yes/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 178 Beiträge
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Xiang3025 20.10.2018
1. 15 Mann und eine Knochensäge
... durch Zufall an einem Ort, wo eine ganz bestimmte Person ganz zufällig in einen Streit gerät. Wahrscheinlich hat er jetzt noch Schuld. Sounds legit. Dann können wir ja zum Rüstungs... äh Tagesgeschäft übergehen.
tailspin 20.10.2018
2. Ueberraschung?
Was soll man erwarten von einem Staat, der Saebel im Wappen hat? Koepfen ist dort noch ueblich und legitim. Dann ist Kashoggi eben nicht oeffentlich hingerichtet worden sondern hinter einem Paravant. Macht das einen Unterschied?
TheFunk 20.10.2018
3. Was für eine Überraschung!
soso, es kam zum Streit und am Ende musste er also zersägt werden....tragisch... quasi ein Unfall... ironieoff: Saudi-Arabien jetzt bitte endlich mit Sanktionen belegen. Jemen-Krieg, Unterstützung des IS und jetzt noch sowas.... komisch, der Iran macht sowas nicht, hält sich an Verträge und Vereinbarungen und wird sanktioniert... Sinn?!
hansfitter 20.10.2018
4.
Da sind die Saudis ja in guter Gesellschaft mit Ländern wie die USA, Rußland, Israel und vielen Anderen die sich gerade aufregen. Das macht die Sache nicht besser, ist aber leider die Realität.
dr_jp 20.10.2018
5. Glatter Mord
Es war wohl eher glatter Mord von einem Spezialkommando und kein tödlicher Streit. Damit dürfte sich Saudi-Arabien ins Abseits geschossen haben.
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