Verschwundener Journalist Saudi-Arabien erlaubt Durchsuchung des Istanbuler Konsulats

Immer noch ist unklar, wie der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi in der Türkei verschwunden ist. Ermittler dürfen nun das saudi-arabische Konsulat in Istanbul durchsuchen.

Das saudi-arabische Konsulat in Istanbul (Mitte)
AP/ DHA

Das saudi-arabische Konsulat in Istanbul (Mitte)


Der regimekritische Journalist Jamal Khashoggi hatte die Politik seiner Heimat Saudi-Arabien kritisiert und fürchtete nach eigenen Angaben Vergeltung. Seit einer Woche gilt er als vermisst. Bewahrheitet sich seine Befürchtung?

Um das zu klären wollen türkische Ermittler das saudi-arabische Konsulat in Istanbul untersuchen. Dafür haben sie nun die Erlaubnis bekommen: "Die Behörden haben mitgeteilt, dass sie für eine Zusammenarbeit offen sind und das Konsulatsgebäude untersucht werden kann", teilte der Sprecher des Außenministeriums in Ankara, Hami Aksoy, mit.

Khashoggi hatte am Dienstag vergangener Woche das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, kam aber nicht wieder heraus. Nach Einschätzung türkischer Polizei- und Geheimdienstkreise wurde er im Konsulat ermordet. Der saudi-arabische Botschafter in den USA, Chalid bin Salman, wies die Meldungen über den Mord als "vollkommen falsch" zurück.

Laut Beobachtern ist Khashoggi kein Einzelfall

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen äußerte sich tief besorgt über das offenbar erzwungene Verschwinden des Journalisten. "Wenn die Berichte über seinen Tod und die außerordentlichen Umstände, die dazu führten, stimmen, ist dies wahrhaft schockierend", sagte die Uno-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani. Der Journalist schrieb unter anderem auch für den SPIEGEL.

Jamal Khashoggi
REUTERS

Jamal Khashoggi

Nach Ansicht von Beobachtern ist das Verschwinden Khashoggis kein Einzelfall, sondern Muster einer immer aggressiveren Außenpolitik des 33 Jahre alten saudischen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman (mehr dazu lesen Sie hier).

Ankara bestellte bereits zweimal den Botschafter des saudi-arabischen Königsreichs in dem Fall ein. Der Fall Khashoggi könnte zu einer diplomatischen Krise zwischen Ankara und Riad führen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan forderte am Montag bei einem Besuch in Ungarn, Saudi-Arabien müsse Beweise vorlegen, sollte der Journalist das Gebäude wirklich verlassen haben.

vks/dpa/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
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sozialismusfürreiche 09.10.2018
1. naja
ich will Saudi-Arabien nicht in Schutz nehmen. Keine Ahnung was da so abgeht. Aber ist es nicht üblich, dass ein Verbrechen nachgewiesen werden muß? Klar kann ein Beschuldigter helfen indem er entlastendes vorlegt, aber gilt nicht so lange die Unschuldsvermutung? Oder ist das in der Türkei anders?
Antalyaner 09.10.2018
2. Umsonst
Nach über einer Woche seit dem Verschwinden von Kashoggi, blieb den Saudis genug Zeit, jegliche Spuren im Gebäude zu beseitigen. Die Durchsuchung wird mit höchster Wahrscheinlichkeit nichts bringen.
morini 09.10.2018
3.
Klingt ein wenig nach Souveränitätsverlust.
sven2016 09.10.2018
4. Ab nach Hause
Sollte man nicht den saudischen Botschafter zum Suchen nach Hause schicken statt den Gangstern immer weiter Waffen zu liefern. P.S.: Die Unschuldsvermutung gilt - wenn überhaupt - nur vor Gericht. Im zwischenstaatlichen Handeln ist das kein Kriterium. Auch im privaten Bereich übrigens nicht. Wenn ich von jemand vermuten muss, er sei ein gefährlicher Verbrecher, habe ich keine Kontakte mehr mit ihm. Ende.
ein-berliner 09.10.2018
5. Stimmt
Zitat von moriniKlingt ein wenig nach Souveränitätsverlust.
Ein Stück aus dem Tollhaus ein Konsulat zu durchsuchen. Das geht nur in Ali Baba Ländern bei 1000 und eine Nacht.
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