Vermisster Regimekritiker in Istanbul Türkei bestellt Saudi-Arabiens Botschafter ein

Seit dem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul ist der Journalist Jamal Khashoggi verschwunden. Riad weist den Vorwurf einer Entführung zurück. Die Türkei hat nun den Botschafter des Königreichs einbestellt.

Jamal Khashoggi
ALI HAIDER/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Jamal Khashoggi


Nach Angaben seiner Freunde wollte er am Dienstag im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul nur einen Behördengang erledigen. Er wollte Papiere abholen, um seine türkische Verlobte heiraten zu können. Doch seit dem Besuch der Vertretung im Stadtteil Besiktas ist der Regimekritiker Jamal Khashoggi nicht mehr gesehen worden. Ob er das Konsulat verließ, ist unklar. Seither gibt es den Verdacht, dass er von Saudi-Arabien entführt worden sein könnte.

Das türkische Außenministerium hat deshalb den saudi-arabischen Botschafter einbestellt. Das berichten die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu, die Zeitung "Hürriyet" und der Sender NTV. Dies sei laut Anadolu bereits am Mittwoch erfolgt. Aus dem türkischen Außenministerium hieß es jedoch am Nachmittag, der Botschafter sei am Donnerstag einberufen worden.

Saudi-Arabien weist den Vorwurf zurück, dass der bekannte Journalist entführt worden sein könnte. Die saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA ließ verlauten, Khashoggi sei verschwunden, nachdem er das Konsulat verlassen habe. Doch das steht im Widerspruch zu türkischen Erkenntnissen.

Ein Berater des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogans sagte der "Hürriyet": "Es gibt Videoaufnahmen, wie er das Konsulat betritt, aber nicht, wie er es verlässt. Unsere Polizei untersucht den Fall."

Jamal Khashoggi wurde 1958 in Medina geboren. Er hat Saudi-Arabien vor einiger Zeit verlassen und ist ein gefragter politischer Kommentator - auch für den SPIEGEL schrieb er Gastbeiträge zur Situation in Saudi-Arabien. Im November 2017 kritisierte er, dass Kronprinz Mohammed bin Salman in seinem Heimatland ein Klima der Repression und Angst verbreite.

mho/dpa



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