Mord an Journalisten Saudischer Kronprinz soll von Kugel für Khashoggi gesprochen haben

Welche Rolle spielte Mohammed bin Salman beim Mord an Jamal Khashoggi? Der US-Geheimdienst hat der "New York Times" zufolge belastende Aussagen des saudischen Kronprinzen abgehört.

Mohammed bin Salman (Archivfoto von November 2018)
REUTERS

Mohammed bin Salman (Archivfoto von November 2018)


Neue US-Geheimdiensterkenntnisse im Mordfall Jamal Khashoggi stärken einem Medienbericht zufolge den Verdacht gegen den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Die "New York Times" berichtete, der Kronprinz habe einem Mitarbeiter rund ein Jahr vor der Ermordung des Journalisten gesagt, er würde gegebenenfalls "mit einer Kugel" gegen Khashoggi vorgehen. Unklar sei aber, inwieweit das wörtlich gemeint gewesen sei.

Die US-Zeitung beruft sich auf ein von US-Geheimdiensten abgehörtes Gespräch zwischen dem mächtigen Thronfolger und einem Mitarbeiter im September 2017. Das aufgezeichnete Gespräch wurde demnach erst kürzlich schriftlich festgehalten.

Mohammed bin Salman sagte demnach, der in Washington im Exil lebende Khashoggi müsse nach Saudi-Arabien gelockt oder mit Gewalt zurückgeholt werden. Wenn das nicht gelinge, würde er "mit einer Kugel" gegen den regierungskritischen Journalisten vorgehen.

Frist des US-Kongresses läuft aus

Rund 13 Monate nach diesem Gespräch wurde Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul von einem extra angereisten 15-köpfigen Kommando ermordet. Die saudische Führung bestreitet, die Ermordung des Journalisten angeordnet zu haben, und macht eigenmächtig handelnde Agenten verantwortlich.

Die türkische Regierung warf Riad am Freitag vor, Saudi-Arabien lasse bei der Untersuchung des Mordfalls jede Transparenz vermissen. Dies sei "besorgniserregend und schädlich für ihre Glaubwürdigkeit", sagte ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Der "New York Times"-Bericht erschien just vor Ablauf einer Frist des US-Kongresses an die Regierung von Präsident Donald Trump im Fall Khashoggi. Der Auswärtige Ausschuss des Senats hatte der Regierung im Oktober 120 Tage Zeit gegeben, Verantwortliche für den Mord zu benennen und gegen diese vorzugehen. Die Frist läuft am Freitag aus.

Die US-Regierung hatte bereits im vergangenen November Sanktionen gegen 17 aktuelle oder frühere Regierungsmitarbeiter des Königreichs verhängt. Die saudische Führung aber blieb unbehelligt. Dagegen machte der Senat im Dezember in einer Resolution den mächtigen Kronprinzen "verantwortlich für den Mord" an dem Regierungskritiker. Trump setzt weiter auf ein enges Bündnis mit dem Thronfolger.

cte/AFP

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insgesamt 48 Beiträge
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SpitzensteuersatzZahler 08.02.2019
1.
Tja Wasser predigen und Wein trinken - anders kann ich mir nicht erklären, warum zivilisierte Länder überhaupt Beziehungen zu so einem Land pflegen...
isi-dor 08.02.2019
2.
Zitat von SpitzensteuersatzZahlerTja Wasser predigen und Wein trinken - anders kann ich mir nicht erklären, warum zivilisierte Länder überhaupt Beziehungen zu so einem Land pflegen...
Für Trump steht Öl über allem.
Das dazu 08.02.2019
3. Was passierte?
Nichts. Ein bischen dudu, die ausführenden Organe wurden bestraft, aber sonst? Glaubt jemand ernsthaft das 15! Agenten auf eigene Faust handeln, Flugzeug chatern usw. und ohne Rückendeckung in ein Konsulat fliegen, jemanden umbringen und der Konsul gibt sich mit dem Hinweis, jaja, hat alles seine Richtigkeit zufrieden? Es waren ja nicht nur die 15 Agenten involviert. Völlige Farce und wie reagiert die "Weltenwertegemeinschaft"? Gar nicht. Da wird sich lieber über eine Gasleitung aufgeregt.
Bernhard.R 08.02.2019
4. Einen schriftlichen Mordbefehl von MbS
wird es nicht geben. Derartige Aufträge werden subtiler erteilt. Etwa: "Das Problem sollte endgültig geklärt werden."
frankzekert 08.02.2019
5. @isi-dor
Die USA fördern mittlerweile selbst mehr Öl als sie verbrauchen. Ich glaube dass Trump seine privaten Geschäfte im Sinn hat und vielleicht auch seine Phantasiezahlen zu Waffenverkäufen.
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