Mordfall Khashoggi Türkei erlässt Haftbefehle gegen hochrangige Saudi-Araber

Saudi-Arabien macht zwei Vertraute des Kronprinzen Mohammed bin Salman für die Tötung Khashoggis verantwortlich. Nun fordert Ankara die Festnahme der Männer.

Mohammed bin Salman
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Der Istanbuler Generalstaatsanwalt hat im Fall des ermordeten saudi-arabischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi Haftbefehle gegen zwei hochrangige saudi-arabische Beamte ausgestellt. Einer von beiden sei Saud al-Qahtani, einer der engsten Berater von Kronprinz Mohammed bin Salman, kurz MbS. Das teilte die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu mit. Nach offiziellen Angaben ist er mittlerweile entlassen worden.

Der andere Haftbefehl erging demnach gegen den ehemaligen Vizechef des Geheimdienstes Ahmad Asiri. Die türkische Anklagebehörde hält beide für dringend tatverdächtig. Den Dokumenten zufolge, aus denen Anadolu zitiert, wirft die Staatsanwaltschaft den beiden Verdächtigen "geplanten und vorsätzlichen Mord" vor. Auch von "Folter" ist die Rede. Sprecher des Generalstaatsanwalts wollten die Haftbefehle nicht unmittelbar bestätigen. Sowohl gegen Qahtani als auch gegen Asiri gelten unter anderem in Deutschland Einreisesperren.

Beide halten sich in Saudi-Arabien auf. Nach saudi-arabischen Angaben befinden sie sich dort in Haft. Es ist allerdings unklar, ob sie nur unter Hausarrest stehen und nicht ausreisen dürfen, oder ob sie tatsächlich im Gefängnis sitzen. (Lesen Sie hierdie Hintergründe über Qahtani und Asiri)

Eine Auslieferung ist extrem unwahrscheinlich

Die Haftbefehle seien auch ein Zeichen für Zweifel, dass die Beschuldigten in ihrem Heimatland zur Rechenschaft gezogen würden, sagte ein mit den Ermittlungen vertrauter türkischer Regierungsvertreter. Die saudi-arabischen Behörden könnten diese Zweifel durch Auslieferung aller Verdächtigen an die Türkei entkräften. Dieser Schritt gilt allerdings als extrem unwahrscheinlich.

Khashoggi war Anfang Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden. Die türkischen Behörden machen ein aus Saudi-Arabien angereistes Mordkommando dafür verantwortlich. Der saudische Kronprinz wird verdächtigt, die Tat in Auftrag gegeben oder zumindest von ihr gewusst zu haben.

Nach Darstellung Saudi-Arabiens ordneten Asiri und al-Qahtani allerdings eigenmächtig den Einsatz an, um den im US-Exil lebenden Journalisten Khashoggi in sein Heimatland zurückzuholen. Der Einsatzleiter habe dann in Istanbul eigenmächtig entschieden, den 59-Jährigen zu töten.

Nach einer Unterrichtung durch CIA-Chefin Gina Haspel erklärten jedoch bereits am Dienstag mehrere US-Senatoren, sie seien nun mehr denn je überzeugt davon, dass MbS die Ermordung direkt angeordnet habe. US-Präsident Donald Trump hat erklärt, auch wenn der Kronprinz Kenntnis von dem Verbrechen gehabt haben könnte, blieben die USA ein unerschütterlicher Partner Saudi-Arabiens.

mkl/aev/dpa/Reuters/AFP

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