"Er ist gefährlich" US-Senatoren beschuldigen saudischen Kronprinz im Fall Khashoggi

Nach einem Treffen mit der CIA-Chefin zum Fall Khashoggi sind führende US-Republikaner auf Distanz zu Donald Trump gegangen: Sie zeigen sich überzeugt, dass der saudische Kronprinz an der Ermordung des Journalisten beteiligt war.

Mohammed bin Salman
REUTERS

Mohammed bin Salman


Die Chefin des Auslandsgeheimdienstes CIA, Gina Haspel, hat eine Gruppe von führenden US-Republikanern über die Erkenntnisse im Fall Jamal Khashoggi unterrichtet. Nach dem Treffen waren die US-Senatoren überzeugt: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman war an der Ermordung des regierungskritischen Journalisten beteiligt.

Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, den Mord an Khashoggi Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul angeordnet oder zumindest davon gewusst zu haben. Der im US-Exil lebende Kolumnist der "Washington Post" hatte dort Dokumente für seine Hochzeit abholen wollen, wurde aber von einem saudi-arabischen Killerkommando erwartet. Dies gab Riad mittlerweile zu, beteuert jedoch, dass der mächtige Mohammed bin Salman nichts davon gewusst habe.

Die beiden Republikaner Bob Corker - der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat - und Lindsey Graham stellten sich nun gegen ihren republikanischen Präsidenten. Graham sagte mit Blick auf den verkürzt MbS genannten Kronprinzen: "Ich denke, dass er verrückt ist, ich denke, dass er gefährlich ist, und er hat die Beziehung gefährdet." Er fügte hinzu: "Es gibt null Möglichkeiten - null -, dass das in so einer organisierten Art passiert ist ohne den Kronprinzen."

Er denke, dass MbS an der Ermordung des Journalisten Khashoggi auf der höchstmöglichen Ebene beteiligt war, sagte Graham und kündigte an, keine Waffenverkäufe an Saudi-Arabien mehr zu unterstützen, bis die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden sind.

"Vor einer Jury würde er innerhalb von 30 Minuten schuldig gesprochen"

Auch Corker zeigte sich überzeugt von der Beteiligung Prinz Mohammeds an dem Mord Khashoggis: "Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass der Kronprinz MbS die Tötung angeordnet hat, die Tötung überwacht hat, genau wusste, was passierte, und es vorab geplant hat. Wenn er vor einer Jury wäre, würde er innerhalb von 30 Minuten schuldig gesprochen."

Der hochrangigste Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des Senats, Bob Menendez, sah sich nach dem CIA-Briefing in seiner Annahme bestärkt, dass der Kronprinz die Tat angeordnet habe. Nun müssten die USA eine "sehr klare Botschaft" aussenden, sagte er dem Sender CNN.

"Bewusst blind"

US-Präsident Donald Trump hat mehrfach deutlich gemacht, dass er eine Mitschuld des Kronprinzen nicht für erwiesen hält und die Partnerschaft sowie die Geschäfte mit Saudi-Arabien nicht riskieren möchte (lesen Sie hier mehr zur Allianz von Trump und dem saudischen Kronprinzen).

US-Außenminister Mike Pompeo hatte MbS am Samstag erneut in Schutz genommen. "Ich habe alle Geheimdienstinformationen gelesen, die im Besitz der Regierung der Vereinigten Staaten sind", sagte er. "Es gibt keinen direkten Beweis, der ihn mit dem Mord an Jamal Khashoggi verbindet."

Graham sagte, er gehe davon aus, dass Pompeo den Vorgaben des Präsidenten folge. Man müsse "bewusst blind" sein, um nicht zu dem Schluss zu kommen, dass der Kronprinz in die Tat verstrickt sei. Graham sprach sich für eine Resolution des Senats aus, in der der Kronprinz als einer der Verantwortlichen für den Mord genannt wird. Gegen die Verantwortlichen müssten Sanktionen verhängt werden. "Wenn wir diese Botschaft nicht aussenden, machen wir die Welt wirklich zu einem gefährlicheren Ort."

Das "Wall Street Journal" hatte am Samstag berichtet, die CIA sei in bislang nicht veröffentlichten Dokumenten mit "mittlerer bis hoher" Sicherheit zu der Einschätzung gelangt, dass der Kronprinz Khashoggis Tod "wahrscheinlich angeordnet" habe. Es fehlten aber direkte Belege, dass der Kronprinz einen Tötungsbefehl erteilt habe.

kry/dpa



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