Verschwundener Journalist "Washington Post" publiziert bislang letzten Beitrag Khashoggis

Die "Washington Post" geht nicht mehr davon aus, dass ihr Kolumnist Jamal Khashoggi lebend zurückkehrt. Die Zeitung veröffentlichte nun seine bislang letzte Kolumne - es geht um freie Meinungsäußerung in der arabischen Welt.

Türkische Ermittler an der Residenz des saudi-arabischen Konsuls in Istanbul
DPA

Türkische Ermittler an der Residenz des saudi-arabischen Konsuls in Istanbul


Eigentlich habe man mit der Veröffentlichung warten wollen, bis Jamal Khashoggi wieder zurückgekehrt sei, schreibt Karen Attiah. "Jetzt muss ich akzeptieren: Das wird nicht passieren."

Attiah arbeitet bei der US-Zeitung "Washington Post", sie hat dort die Beiträge des Journalisten Khashoggi redigiert. Der gilt seit rund zwei Wochen als verschwunden, er wurde zuletzt gesehen, als er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betrat. Nun veröffentlichte die Zeitung den bislang letzten Beitrag Khashoggis - und machte in einem Begleittext deutlich, dass sie nicht mehr davon ausgeht, dass der saudi-arabische Journalist noch am Leben ist.

"Das ist das letzte Stück von ihm, dass ich für die 'Post' redigieren werde", schreibt Attiah. Sie habe den Beitrag am Tag nach dem Verschwinden Khashoggis von dessen Übersetzer und Assistenten erhalten. Die Kolumne zeigt laut Attiah "perfekt seinen Einsatz und seine Leidenschaft für Freiheit in der arabischen Welt. Eine Freiheit, für die er offenbar sein Leben gegeben hat."

Die Überschrift von Khashoggis Kolumne lautet: "Was die arabische Welt am meisten braucht, ist freie Meinungsäußerung." Der Journalist beklagt darin die mangelnde Pressefreiheit in den meisten arabischen Staaten. "Deshalb sind Araber, die in diesen Ländern leben, entweder nicht informiert oder falsch informiert."

Ausdrücklich kritisiert Khashoggi die Inhaftierung seines saudi-arabischen Kollegen Saleh al-Schehi "wegen angeblicher Kommentare gegen das saudische Establishment". Khashoggi beklagt, dass diese staatlichen Handlungen kaum noch Gegenreaktionen der Staatengemeinschaft nach sich zögen.

Die türkischen Behörden gehen Medienberichten zufolge davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuert dagegen seine Unschuld und bestreitet jede Mitverantwortung.

Am Mittwoch durchsuchten türkische Ermittler die Residenz des saudi-arabischen Konsuls in Istanbul und zum zweiten Mal das Konsulat selbst. Einige Ermittler kehrten am Mittwochabend zum Konsulatsgebäude zurück, das bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag durchsucht worden war. Über mögliche Erkenntnisse nach dieser Untersuchung ist bisher nichts bekannt.

Türkische Ermittler am saudi-arabischen Konsulat in Istanbul
AFP

Türkische Ermittler am saudi-arabischen Konsulat in Istanbul

Demokraten fordern Aufklärung über Trumps Finanzbeziehungen zu Saudi-Arabien

US-Präsident Donald Trump hat seit dem Verschwinden Khashoggis widersprüchliche Aussagen gemacht. Erst drohte er dem Königreich, inzwischen nimmt er es in Schutz. Die oppositionellen Demokraten fordern nun von Trump, seine Finanzbeziehungen zu Saudi-Arabien offenzulegen. In einem offenen Brief warnten elf demokratische Senatoren vor möglichen "Interessenskonflikten" des Präsidenten. Trump und seine Söhne müssten deswegen "Dokumente zu Finanztransfers vom Königreich Saudi-Arabien an die Trump Organization aus den vergangenen zehn Jahren" offenlegen.

Trump hatte die Geschäfte seiner Trump Organization nach seinem Amtsantritt Anfang 2017 an seine Söhne Donald Jr. und Eric übergeben, seine Anteile aber behalten. Am Dienstag schrieb Trump bei Twitter, er habe "keine finanziellen Interessen in Saudi-Arabien".

Dass Trump die Führung in Riad in Schutz nimmt kritisieren inzwischen auch Mitglieder seiner eigenen Partei.

Video: US-Republikaner widersprechen Trump im Fall Khasoggi

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Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin erklärte derweil, er werde am Donnerstag entscheiden, ob er an einer großen Wirtschaftskonferenz in Riad teilnehmen werde oder nicht. Die Entscheidung werde auf Grundlage eines Berichts von US-Außenminister Mike Pompeo gefällt, sagte Mnuchin bei einer Pressekonferenz.

Wegen des Falls Khashoggi haben zahlreiche wichtige Wirtschaftsvertreter ihre Teilnahme an der Konferenz "Future Investment Initiative" bereits abgesagt, darunter auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.

Pompeo war im Auftrag Trumps nach Riad und anschließend in die Türkei gereist, um den vielen offenen Fragen nachzugehen. Die saudische Führung habe eine "gründliche, vollständige und transparente" Untersuchung des Falles zugesagt, sagte der Außenminister am Mittwoch. Auf die Frage, ob die Saudis Auskunft gegeben hätten, ob Khashoggi lebe oder tot sei, sagte Pompeo, er wolle nicht über einzelne Sachverhalte reden. "Sie wollten das auch nicht." Die Saudis wollten zunächst ihre Untersuchungen abschließen.

aar/dpa/AFP



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ronald1952 18.10.2018
1. Mit Sicherheit wird
den Tätern nichts passieren, denn alle haben doch Angst der Ölhahn könnte ein wenig zu gedreht werden. Aber das wirklich Tragische ist doch wohl die Tatsache das es in unserer heutigen Zeit nach wie vor möglich ist die Menschenrechte derart mit Füssen zu treten.Gerade heute Morgen war im Morgenmagazin ein Sprecher des DIHK und jammerte herum wegen der schlechten Wirtschaftlichen Lage. Das ist absolut Armselig und zeigt mal wieder wessen Geisten Kind die Industrie ist.Mal schauen was passieren wird wenn es einen Deutschen Manager der Industrie dort treffen sollte.Wie lange schon sind Freiheits denkende Menschen verfolgt, verschlepp, gefoltert und auch Umgebracht worden? Anscheinend kann man sich nur mit einem Mittel gegen solche Menschen zu Wehr setzen und das ist mit Gewalt.Solange bis diese Einsehen das es auch Sie treffen kann.Wir bräuchten dringend eine Weltpolizei die auf der ganzen Welt uneingeschränkt eingesetzt werden kann. Wieso ist es bis Heute nicht möglich all diese Despoten und Totschläger einem Ordentlichen Gericht aus zu händigen damit sie Weggesperrt werden? Lernen es die Menschen eigentlich nie mehr sich zu Wehr zu setzten? Eigentlich wäre die UN dafür da aber leider ist das auch nur ein Abklatsch und eine Farce für alle die an die Demokratie glauben.Also hilft nur warten bis die Menschen den Kanal voll haben von solchen Despoten und diese zwangsweise entsorgen. schönen Tag noch,
trulala 18.10.2018
2. Auf einmal?
Man hat den Eindruck, dass alleine weil der ene Fall nun durch die Presse geistert und damit öffentlich wird, nimmt jeder Abstand von Saudi-Arabien. Aber es ist doch nur ein Fall von vielen, seit Jahren und dennoch hatte sie alle schon bei der Konferenz zugesagt. Doch ein bisschen zu auffallend opportunistisch.
dogma2000 18.10.2018
3. Der Wertewesten!!!
An diesem Fall lässt sich der "Wertewesten" genau analysieren und erkennen. Ein dubioser Agent der für viele Seiten "arbeitet" wird in einem fernen Land (GB), von irgendjemandem, FAST vergiftet! Ohne jegliche Beweise wird vorab schon mal die Schuld zugewiesen, weltweite Empörung und Sanktionen sind die Folge. Ohne jegliche Beweise kund zu tun. Hat man ja nicht nötig gegenüber der Gesellschaft im "Wertewesten", die schluckt ja bekanntlich alles was uns vorgesetzt wird. Erst schiessen und dann braucht man auch nicht mehr fragen. Passt. Hier wird nun ein Journalist grausam ermordet, in den 4 Wänden des arabischen Konsulats, von einer eigens dafür eingeflogenen Spezialeinheit. Nun wird in unserem "Wertewesten" erfolgreich an der Verwässerung gearbeitet damit ja niemand wirklich daran schuld sein kann. Gratuliere! Merken Sie was? Also mich erinnert es an eine Komödie. Ich würde diese gerne verfilmen, vielleicht unter "Wilder Westen vs. Werte Westen"? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen. Gespannt verfolge ich diese Komödie weiter, sonst wird die Komödie zu kurz für einen Film.
gruffelo 18.10.2018
4. Kante zeigen
Wenn Amerika & Europa ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollen müssen sie in diesem Fall klare Kante zeigen. Als ob Saudi Arabien hier an einer Untersuchung interessiert wäre. „Ihr Wort gegeben...“ - was für ein Hohn. Als ob ein Killerkommando ohne Auftrag in den Botschaften eines Landes wie Saudi Arabien wahllos morden könnte. Unfassbar dass Trump/Pompeo bereit sind, den für diesen grausamen Mord Verantwortlichen bei der Vertuschung auch noch zu assistieren.
Pocillator 18.10.2018
5. unfassbar barbarisch
Diese Untat ist mit Worten nicht zu fassen, ist beispiellos und spricht Bände über die Verfasstheit dieses Staates. Als zivilisierter Mensch mit Bemühen sich moralisch anständig zu verhalten, kann man vor Scham nur in den Boden versinken, wie die westlichen Staaten und Konzerne sich Saudi-Arabien andienen. Als Folge dessen werden vermutlich die Sanktionen gegenüber dem Iran verschärft und Waffen für den Krieg abscheulichen Krieg im Jemen an Saudi-Arabien geliefert werden. - Shame on us!
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