Trump-Enthüllungsbuch von Ex-FBI-Chef Vernichtung auf 384 Seiten

Ex-FBI-Chef James Comey legt seine Memoiren vor. Das Buch ist voller peinlicher und verstörender Details über den mächtigsten Mann der Welt: Donald Trump. Auch angebliche sexuelle Eskapaden bleiben nicht ausgespart.

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Lange nicht mehr sollte der Inhalt eines Buches so geheim bleiben. Der Verlag schützte das elektronische Manuskript mit einem Codenamen und Passwörtern, Lektoren und Agenten mussten Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnen, die druckfrischen Exemplare sollten erst in letzter Minute ausgeliefert werden.

Es half nichts. Die Memoiren des früheren FBI-Direktors James Comey, dessen Rauswurf durch US-Präsident Donald Trump die Russland-Ermittlungen auslöste, erscheinen weltweit zwar erst am Dienstag, beherrschen aber jetzt schon alle US-Schlagzeilen. Dem SPIEGEL liegt ein Exemplar vor, das in der deutschen Übersetzung 384 Seiten umfasst.

Darin rechnet Comey brutal mit seinem Ex-Chef ab. Er vergleicht ihn mit einem Mafiaboss, beschreibt ihn als pathologischen Lügner, bekräftigt den Verdacht, Trump stehe Russland seltsam nahe und habe die Ermittlungen des FBI sabotieren wollen. Und Comey garniert das Buch mit einer Reihe von Anzüglichkeiten.

Trump reagierte mit einem typischen Wutausbruch: Comey sei ein "verlogener Schleimball", twitterte er. Es sei ihm "eine große Ehre" gewesen, ihn zu feuern.

"Größer als das Amt", so lautet der Titel, in der englischen Originalfassung "A Higher Loyalty" - eine Anspielung auf Trumps Forderung nach geradezu blinder Treue. Comey fühlt sich aber einer "tieferen Loyalität gegenüber der Wahrheit verpflichtet" und zeichnet ein düsteres Bild von den USA unter Trump: "Was heute vor sich geht, ist nicht normal."

Das Weiße Haus
AFP

Das Weiße Haus

Mafiosi im Weißen Haus

Comey - der von Barack Obama ernannt und im Mai 2017 von Trump geschasst worden war - beschreibt den Präsidenten als eine Art Mafiaboss, der eine Gefahr für die USA darstelle. Trumps "Schweigekreis des Einverständnisses", mit dem er sich umgebe, seine Loyalitätschwüre und sein "Leben im Lügengestrüpp" erinnerten ihn an eine kriminelle Vereinigung, schreibt Comey. Der Autor kennt sich aus: Seine Karriere hat er mit dem Kampf gegen das organisierte Verbrechen in New York begonnen.

"Der gegenwärtige Präsident ist ein Mann ohne Moral und agiert ohne jede Bindung an die Wahrheit und die Werte unserer Demokratie", schreibt Comey. Falsche Loyalität habe er auch von ihm und dem FBI eingefordert, als die Bundespolizei gegen Trumps damaligen Sicherheitsberater Michael Flynn wegen dessen Russland-Kontakte ermittelte. Er habe sich diesen Eingriff verbeten - worauf Trump ihn fristlos gefeuert habe.

Wladimir Putin und Donald Trump
DPA

Wladimir Putin und Donald Trump

Die Russland-Verbindungen

Aufgrund von Comeys Entlassung setzte das US-Justizministerium den Russland-Sonderermittler Robert Mueller ein. Dieser prüft auch, ob Trump versucht hat, die Justiz zu behindern - das wäre ein Amtsenthebungsgrund. In seinem Buch legt Comey zwar keine handfesten Indizien dafür vor. Doch er deutet immer wieder an, wie suspekt ihm Trumps Verhalten gewesen sei.

Das Benehmen des Präsidenten sei "verstörend" gewesen und habe "alle Grundsätze ethisch integrer Führung verletzt", erklärt Comey. Es sei jedoch womöglich nicht illegal gewesen. Dennoch untermauert Comey seine frühere Aussage vor dem Senat, Trump habe ihn unter vier Augen gedrängt, als FBI-Chef "von Flynn abzulassen". Kurz darauf trat Flynn zurück, weil er seine Russland-Kontakte verschwiegen hatte. Später bekannte er sich des Meineids schuldig und kooperiert seither als Zeuge mit Mueller.

Russlands Einmischung in die US-Wahlen habe Trump dagegen ebenso wenig interessiert wie die Frage, "welche Bedrohung Russland künftig darstellen könnte", so Comey. Es sei ihm nur darum gegangen, wie sich diese Berichte auf ihn selbst auswirkten. Comey verurteilt außerdem jene, die Trump in Schutz nähmen, allen voran die Republikanische Partei, der er bis vor Kurzem selbst angehörte. Es sei falsch, "schweigend zuzusehen - obwohl man es besser weiß -, wie ein Präsident schamlos versucht, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Institutionen des Gesetzesvollzugs zu untergraben, die dafür geschaffen wurden, unsere Politiker im Zaum zu halten".

Die Firma des Ex-Agenten Steele in London
Getty Images

Die Firma des Ex-Agenten Steele in London

Bizarre Eskapaden

Großen Wirbel in den US-Medien macht das Kapitel des Buchs, in dem Comey die anzüglichsten Vorwürfe gegen Trump anspricht. Dabei geht es um das berüchtigte "Dossier" des britischen Ex-Geheimagenten Christopher Steele, das Gegner Trumps in Auftrag gegeben hatten und in dem Trump unter anderem sexuelle Eskapaden in Russland vorgeworfen werden - Anschuldigungen, die sich bislang nie bestätigt haben.

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James Comey:
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Comey schreibt, dass Trump von dem Steele-Dossier - über dessen Details er ihn persönlich informiert habe - wie besessen gewesen sei. Trump habe alles abgestritten und gefragt, "ob ich ihn für einen Typen halte, der die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen müsse". Er habe Comey gedrängt, die Vorwürfe öffentlich zu widerlegen, für die "einprozentige Wahrscheinlichkeit", dass seine Frau Melania Trump sie glauben könnte.

An anderer Stelle macht sich Comey über Trumps Aussehen lustig - seine Größe, sein Gesicht, seine Hände.

Trump und Clinton bei einer Wahlkampf-Debatte
REUTERS

Trump und Clinton bei einer Wahlkampf-Debatte

Entschuldigung bei Clinton

Nach der US-Präsidentschaftswahl sahen viele Demokraten Comey zunächst als Erzfeind. Er hatte kurz vor der Wahl öffentlich erklärt, dass das FBI die Ermittlungen zu Hillary Clintons E-Mail-Skandal wiederaufgenommen habe - ein Statement, das Clinton und ihre Fans bis heute für ihre Niederlage mitverantwortlich machen.

Comey entschuldigt sich nun dafür. "Ich habe gelesen, sie nehme mir das persönlich übel, und das bedaure ich sehr. Es tut mir leid, dass ich ihr und ihren Anhängern nicht besser erklären konnte, warum ich mich so und nicht anders entschieden habe." Er habe mit Clintons Wahlsieg gerechnet und wollte die Wiederaufnahme der Ermittlungen nicht "verschweigen", um sie als Präsidentin nicht zu delegitimieren.

Trumps Stabschef John Kelly
REUTERS

Trumps Stabschef John Kelly

Brisantes Telefonat mit John Kelly

Eine kurze Passage des Buchs dreht sich um Ex-Heimatschutzminister John Kelly, den Trump später zu seinem Stabschef machte. Comey erzählt, er sei nach seinem Rauswurf von Kelly kontaktiert worden. In dem "hoch emotionalen Anruf" habe dieser aus Solidarität seinen Rücktritt als Minister angekündigt. "Er wolle nicht für Leute arbeiten, die keine Ehre haben und jemanden wie mich so behandeln. Ich beschwor Kelly, auf dem Posten zu bleiben, weil das Land unbedingt Leute mit Prinzipien brauche, die den Präsidenten umgaben. Vor allem diesen Präsidenten."

Diese Information dürfte Trumps ohnehin schon angespanntes Verhältnis zu Kelly - einer der letzten moderaten Kräfte im Weißen Haus - noch weiter verschlechtern. Nachdem der Journalist Michael Wolff in seinem Enthüllungsbuch "Fire and Fury" ähnlich despektierliche Äußerungen von Steve Bannon zitiert hatte, musste Trumps einstiger Chefstratege gehen.

Wer weiß, wie lange John Kelly nun im Amt verbleibt?



insgesamt 159 Beiträge
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Seite 1
teeka 13.04.2018
1. Erklär mir doch endlich mal jemand....
....was noch alles passieren muss, damit dieser Mensch nicht mehr länger die USA regiert ?
gertner27 13.04.2018
2. Sehr glaubwürdig
der von Trump wegen dessen Parteilichkeit gefeuerte FBI-Chef schreibt ein Buch über Trump. Sehr glaubwürdig und hundertprozentig Objektiv. was will man mehr?
Rio connection 13.04.2018
3. Trump und Medien
ist eigentlich ein schwieriges Feld fuer Journalisten. Wie soll man einerseits seine Begeisterung in Schach halten, wenn man ploetzlich Skandale am Fliessband praesentiert bekommt und von Sex bis Waffengewalt und sozialen Medien alles dabei ist, und gleichzeitig mit sachlichen Dokumentationen dazu beitragen muss, dass der maechtigste Mann der Welt diese nicht in seinem infantilen Wahn in die Luft jagt. Ich denke die groesste Herausforderung dieser verrueckten Tage ist bei den Journalisten und ich hoffe so sehr, dass sie der Versuchung nicht erliegen.
yoda56 13.04.2018
4. Vielleicht bringt sich hier...
...ein ernst zunehmender demokratischer Gegenkandidat für 2020 in Stellung?
andreasbln 13.04.2018
5. Alles Fakenews...
da wird sich hinterher nichts bewegen... es wird als Racheakte abgetan und damit hat es sich. Außerdem wissen doch eigentlich alle jetzt schon was er gesagt, getan und angestellt hat... also was soll's
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