Ermordeter US-Journalist Wie James Foleys Befreiung scheiterte

Fast zwei Jahre bangten Freunde und Familie um James Foley. Im November 2012 wurde der Journalist verschleppt - angeblich von Assad-treuen Milizen. Wie gelangte der Fotograf in die Hände des IS? Warum scheiterte die Befreiung? Versuch einer Rekonstruktion.

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Journalist Foley: Er wurde in Nordsyrien verschleppt
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Journalist Foley: Er wurde in Nordsyrien verschleppt


Hamburg - Die Spur des James "Jim" Foley verliert sich vor einem Internetcafé im Norden Syriens. Am 22. November 2012 wurde der Fotoreporter in der Stadt Binnisch von bewaffneten Männern entführt. Foley hatte sich gerade auf den Weg zur nahegelegenen türkischen Grenze gemacht. Sein Übersetzer wurde ebenfalls verschleppt, aber kurze Zeit später freigelassen. Wer Foley damals in seine Gewalt brachte, ist bis heute unklar. Das FBI macht eine "organisierte Gang" für die Geiselnahme verantwortlich.

Fünf Monate nach der Verschleppung meldete sich der Chef der Onlineplattform GlobalPost, für die Foley gearbeitet hatte, zu Wort: "Wir glauben mit sehr hoher Gewissheit, dass Jim von einer regimetreuen Miliz verschleppt und anschließend den Regierungstruppen übergeben wurde", sagte GlobalPost-Chef Philip Balboni im Mai 2013.

Mehrere seriöse Quellen hätten bestätigt, dass Foley in einem Gefangenenlager im Umland von Damaskus festgehalten werde. "Wir glauben, dass die Anlage dem Geheimdienst der syrischen Luftwaffe unterstellt ist", sagte Balboni weiter. Man gehe davon aus, dass Foley zusammen mit einem oder mehreren westlichen Journalisten festgehalten werde - darunter mindestens ein Amerikaner. Das syrische Regime behauptete damals, keine Informationen über Foleys Schicksal zu besitzen.

US-Militäroperation am 4. Juli

Bislang ist noch unklar, ob die Information, dass der Journalist von Assads Schergen festgehalten wurde, falsch ist. Oder ob das Regime in Damaskus Foley an die Terroristen vom "Islamischen Staat" auslieferte. Spätestens ab September 2013 muss sich der Reporter in der Gewalt der Dschihadisten befunden haben: Nach Foleys Ermordung sagte der französische Journalist Nicolas Henin, er sei sieben Monate lang zusammen mit dem US-Kollegen festgehalten worden. Im April 2014 ließen die Entführer Henin frei. Die französische Regierung soll den Geiselnehmern ein Lösegeld in Millionenhöhe übergeben haben - die US-Regierung lehnt Verhandlungen mit den Terroristen dagegen kategorisch ab.

Offenbar wurden die Geiseln in der Nähe der syrischen Stadt Rakka festgehalten, der inoffiziellen Hauptstadt des "IS-Kalifats". Die US-Regierung hat nach Foleys Ermordung eingeräumt, dass sie in diesem Sommer einen Befreiungsversuch unternommen hatte, um das Leben der Verschleppten zu retten. Nach Informationen des britischen "Telegraph" fand diese Geheimoperation einer US-Spezialeinheit am 4. Juli dieses Jahres statt.

Die Zeitung beruft sich auf den Augenzeugenbericht eines Syrers, der sich Ibrahim al-Rakkawi nennt. Der Mann veröffentlichte an jenem Tag eine Schilderung auf Facebook, die jedoch nach wenigen Stunden von den Administratoren entfernt wurde. Nach Angaben des "Telegraph" existiert jedoch ein Screenshot des Eintrags, der Rakkawis Behauptung stützt.

Demnach spielte sich die US-Operation so ab: Um kurz nach Mitternacht bombardierten Kampfflugzeuge ein IS-Hauptquartier, das von den Dschihadisten "Osama Bin Laden Camp" genannt wird. Dabei handelt es sich um die ehemalige Militärbasis Akarschi, die von den Extremisten erobert worden war. Bewohner der Gegend bestätigten gegenüber der "Financial Times", dass das Gelände in der Nacht zum 4. Juli beschossen wurde.

Zur gleichen Zeit sollen US-Spezialkräfte mit Fallschirmen auf dem Gelände einer Ölraffinerie südöstlich von Rakka gelandet sein. Offenbar vermuteten die Amerikaner, dass die Geiseln dort festgehalten wurden. Der Augenzeuge Rakkawi beruft sich dabei auf einen befreundeten Bauern aus der Gegend. Die US-Soldaten sollen mehrere IS-Kämpfer getötet haben, die Geiseln seien jedoch wenige Stunden zuvor an einen anderen Ort gebracht worden.

Jordanische Soldaten sollen am Einsatz beteiligt gewesen sein

Im Anschluss sollen die Spezialeinheiten die Häuser in der Ortschaft Akarschi durchsucht haben, unter anderem auch das Haus des Augenzeugen Rakkawi. Mehrere Augenzeugen berichteten dem "Telegraph" und der "FT" übereinstimmend, dass dabei neben US-Truppen auch jordanische Soldaten beteiligt gewesen seien. Mindestens ein Jordanier sei bei dem Gefecht mit IS-Kämpfern getötet worden, möglichweise auch ein US-Soldat. Die Kämpfe zwischen den Kommandoeinheiten und den Dschihadisten sollen drei Stunden gedauert haben.

Für IS soll die Schießerei sehr verlustreich gewesen sein. Die Dschihadisten in Akarschi warteten vergeblich auf Verstärkung aus Rakka. Nach Angaben von Rakkawi sollen US-Soldaten die Verbindungsstraße abgeriegelt haben. Andere Augenzeugen berichteten hingegen, dass sich IS-Kommandeure geweigert hätten, zusätzliche Kämpfer zu schicken - aus Angst, noch mehr Männer zu verlieren.

Die riskante Operation der Amerikaner endete als Fehlschlag: Die Spezialkräfte konnten das Leben Foleys und der anderen Geiseln nicht retten. Gut sechs Wochen später hat ein IS-Terrorist den Reporter getötet. Wenige Tage zuvor hatten sie den Mord an ihrer Geisel in einer E-Mail an die Eltern angekündigt.

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wachsamer_bürger 22.08.2014
1. angeblich von Assad-treuen Milizen. Wie gelangte der Fotograf in die Hände des IS?
...angeblich von Assad-treuen Milizen. Wie gelangte der Fotograf in die Hände des IS? Das ist doch mal ne gute Frage! Eventuell war es ja auch eine Lüge das Assad treue Milizen ihn entführten weil es so schön ins Assad-bashing-konzept passte.
ihawk 22.08.2014
2. Interne Probleme
Die angebliche Tatsache "die Geiseln seien jedoch wenige Stunden zuvor an einen anderen Ort gebracht worden" könnte noch ein Nachspiel haben ... entweder die Operation wurde verraten oder die IS kann die US Kommunikation abhören ... beides wäre zu peinlich um bekannt zu werden.
Daku85 22.08.2014
3. @wachsamer_bürger
Der arme Assad und seine humanitären Hilfstruppen... Immer werden sie als die bösen dargestellt, dabei wollen sie dich eigentlich nur ein bisschen Frieden... Ganz im Ernst, dieser Beißreflex, sobald eine amerikanische oder sonstige westliche Quelle abgegeben wird, ist vollkommen irrational. Welchen Grund sollten die Amis haben, um da irgendwas zu manipulieren oder zurückzuhalten? Die haben gar kein Interesse an Syrien, sonst hätte das der Assad schon vor längerem zu spüren bekommen.
heisenberg18, 22.08.2014
4. Der Abschaum des Abschaums, ...
... der auch noch eine ehrenwerte Religion wie den Islam für seine schmutzigen Handlungen als Tarnkäppchen verwenden will. Es passt nicht. Nackte, widerliche Machtgier schimmert durch all das Geschwafel hindurch. Totschweigen. Einkapseln. Flüchtlinge aufnehmen. Aushungern. Keine Geschäfte.
eduard1979 22.08.2014
5. treue Milizen von Assad.
irgend wie bekomme ich das Gefühl nicht los, das hier Medien bzw. US Regierungsquelle einfach lügen wie es denen gerade passt. Was Assad alles schon angelastet wurde und dann trat dennoch eine offensichtliche Wendung zu Gunsten von Assad es offenbart uns hier - wie verlogen die westlichen Regierungen doch sind, Hauptsache ihre Außenpolitik mit schlimmster Gewalt durchsetzen. Das Leben von diesem Journalisten geht auf das Konto Amerikas selbst. sechs Wochen nach der Befreiungsaktion wurde er ermordet, oder man ließe ihn los und somit billigte die Hinrichtung unmittelbar.
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