Toter Journalist Kuciak Ermittler gehen von Auftragsmord aus

Über den Mord am Journalisten Jan Kuciak stürzte die slowakische Regierung, nun geben die Ermittler neue Details bekannt: Laut Staatsanwaltschaft wurde der Investigativreporter gezielt ermordet.

Gedenkstätte für Jan Kuciak und seine Verlobte Martina in Bratislawa
DPA

Gedenkstätte für Jan Kuciak und seine Verlobte Martina in Bratislawa


Nach wie vor gibt es keine genauen Angaben darüber, wen die Ermittler im Fall des ermordeten Investigativjournalisten Jan Kuciak und dessen Verlobter in der Slowakei verdächtigen.

Doch gut einen Monat nach der Tat gab die Staatsanwaltschaft nun neue Details zu den Umständen bekannt: Sie deuteten darauf hin, dass es sich um einen Auftragsmord handelte, sagte ein Sonderstaatsanwaltschaft der Agentur TASR.

Am Tatort sei nichts entwendet worden. "Es gab auch keine Anzeichen für einen Kampf, wahrscheinlich wurde nichts mitgenommen, was auf einen Auftragsmord hindeutet", sagte der Anklagevertreter. Kuciak habe parallel an einer Vielzahl von Recherchen gearbeitet, die Polizei gehe daher vielen Spuren nach.

Der Journalist Kuciak hatte unter anderem zu Korruptionsaffären recherchiert und Kontakte von Regierungsmitarbeitern zur italienischen Mafia untersucht. Am 25. Februar fand man ihn und seine Verlobte tot in ihrem Haus. Die beiden 27-Jährigen waren drei Tage zuvor im Stil einer Hinrichtung erschossen worden.

Zwei Schüsse ins Herz

Den Ermittlern zufolge wurde Kuciak mit zwei Schüssen ins Herz getötet, Kusnirova mit einem Schuss in den Kopf. Bisher seien 200 Zeugen unter anderem aus dem Umfeld der beiden Toten ermittelt und befragt worden. Die Tat sei außerdem bereits am 21. Februar geschehen, einen Tag früher als bisher angenommen.

Der Mord hatte eine schwere politische Krise in der Slowakei ausgelöst. Zehntausende protestierten gegen die Regierung von Ministerpräsident Robert Fico. Zunächst war der unter Korruptionsverdacht stehende Innenminister Robert Kalinak zurückgetreten. Schließlich folgte auch der Rücktritt Ficos.

Vergangene Woche dann hatte Präsident Andrej Kiska den bisherigen Vizeregierungschef, den Sozialdemokraten Peter Pellegrini, als neuen Regierungschef vereidigt. Außerdem ernannte er das von diesem vorgeschlagene Kabinett einer Dreiparteienkoalition.

Neuer Innenminister ist nun der bisherige Gesundheitsminister Tomas Drucker. Dieser einigte sich bereits mit Kiska darauf, dass die Führung der slowakischen Polizei ausgetauscht werden müsse. Auch das Justiz- und Kulturministerium haben eine neue Führung.

cht/dpa/Reuters

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