Okinawa 70.000 Japaner demonstrieren gegen neue US-Basis

Die US-Armee will eine neuen Stützpunkt auf der japanischen Pazifikinsel Okinawa errichten. Die Pläne sind seit Jahren umstritten, nun haben Zehntausende gegen die Militärpräsenz demonstriert.

Protest auf gegen neue US-Militärbasis auf Okinawa
Koji Harada/Kyodo News via AP

Protest auf gegen neue US-Militärbasis auf Okinawa


Takeshi Onaga hat jahrelang gegen den Bau einer neuen US-Militärbasis auf Okinawa gekämpft. Als Gouverneur der Provinz Präfektur Okinawa stemmte er sich seit 2014 gegen die Entscheidung der Zentralregierung in Tokio, der US-Armee die Errichtung eines neuen Stützpunkts auf der Pazifikinsel zu gewähren.

Am Mittwoch erlag Onaga einem Krebsleiden. Am Samstag haben Zehntausende Japaner in Okinawas Hauptstadt Naha in strömendem Regen des verstorbenen Politikers gedacht - und zugleich gegen den Neubau der Militärbasis protestiert. Laut offiziellen Angaben nahmen 70.000 Menschen an der Kundgebung teil.

Takeshi Onaga (am 27. Juli)
HITOSHI MAESHIRO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Takeshi Onaga (am 27. Juli)

Die Pläne des Pentagon sehen vor, den US-Stützpunkt Futenma, der in einer dichtbesiedelten Region auf Okinawa liegt, an die dünner besiedelte Nordküste zu verlegen. Schon in den nächsten Tagen soll damit begonnen werden, Land an der Küste aufzuschütten, das für die neue Basis in der Henoko-Bucht benötigt wird. Kritiker des Projekts fürchten Schäden für die Umwelt am Pazifik, besonders für Korallen und Seekühe, die in dem Gebiet ansässig sind.

Doch generell ist das US-Militär bei der Bevölkerung von Okinawa äußerst unbeliebt. Während die einheimische Wirtschaft von der Truppenpräsenz profitiert, klagen viele Anwohner über steigende Kriminalität, Lärmbelästigung und Unfälle. Ein Großteil der in Japan stationierten US-Soldaten ist auf der Insel im Einsatz - insgesamt etwa 26.000 Mann. Das Pentagon unterhält dort seit dem Sieg der USA über Japan im Zweiten Weltkrieg eine starke Truppenpräsenz.

Insgesamt gibt es 14 Stützpunkte der US-Armee auf Okinawa - sie bedecken damit fast ein Fünftel der Insel, die etwa so groß ist wie das Saarland. Für die Vereinigten Staaten ist Okinawa vor allem wegen der Nähe zu China, Taiwan und der koreanischen Halbinsel von strategisch großer Bedeutung.

Bereits 1996 hatten sich Washington und Tokio darauf verständigt, die Basis Futenma zu schließen und die Zahl der US-Marines auf Okinawa um 9000 Mann zu reduzieren. Lokalpolitiker stemmten sich jedoch vehement dagegen, einen neuen Stützpunkt im Norden der Insel zu errichten. 2010 zerbrach wegen des Streits gar eine Regierungskoalition in Tokio.

Takeharu Onaga, Sohn des verstorbenen Gouverneurs, sagte bei der Demonstration am Samstag: "Okinawa muss noch immer Opfer bringen, zu denen die Japaner auf den Hauptinseln nicht bereit sind".

syd/AP



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