Tokio - Japan beschuldigt Russland, seinen Luftraum mit zwei Kampfflugzeugen verletzt zu haben. Als Reaktion hat das japanische Militär eigene Düsenjäger in Alarmbereitschaft versetzt und aufsteigen lassen. Russland wies die Vorwürfe umgehend zurück.
Die russischen Flugzeuge seien am Donnerstag kurzzeitig in der Nähe der nordjapanischen Insel Hokkaido aufgetaucht, teilte das Außenministerium in Tokio mit. Der Vorfall ereignete sich demnach während eines Gedenktags, an dem in Japan traditionell von Russland die Rückgabe umstrittener Inseln nördlich von Hokkaido gefordert wird. Russland bezeichnet die Inselgruppe als Südliche Kurilen, in Japan heißt sie übersetzt die "Nördlichen Gebiete".
Das japanische Außenministerium ließ verlauten, es sei die erste Verletzung des eigenen Luftraums durch russische Flugzeuge seit fünf Jahren gewesen. Man habe offiziell bei der russischen Regierung protestiert. Ende diesen Monats sollte ursprünglichen Planungen zufolge der ehemalige japanische Regierungschef Yoshiro Mori nach Moskau reisen, um über die Gebietsstreitigkeiten zu reden.
Hintergrund der Spannungen: Japan fordert seit Jahrzehnten die Rückgabe einiger Inseln, die sowjetische Truppen im Zweiten Weltkrieg besetzt hatten. Annäherungen der beiden Seiten sind bisher jedoch stets gescheitert. Präsident Wladimir Putin hatte etwa im Jahr 2000 eine von Japan vorgeschlagene Veränderung der Grenze abgelehnt. Wegen des Streits haben beide Länder bis heute keinen Friedensvertrag unterzeichnet.
In Japan ist der 7. Februar der "Tag der Nördlichen Gebiete". Mit dem Gedenktag soll an die Unterzeichnung eines Abkommens im Jahr 1855 erinnert werden, das den japanischen Anspruch auf die Inseln begründet. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe hatte kurz vor dem Vorfall bei einer Rede anlässlich des Gedenktags angekündigt, sich für eine Lösung der Territorialstreitigkeiten mit Russland einzusetzen. Er habe schon im Dezember mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und ihm versichert, dass er diesen Streit beenden wolle.
Wirtschaftlich ist die zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido gelegene Region wegen möglicher Bodenschätze und des Fischreichtums begehrt. Allerdings liegt in den wirtschaftlichen Interessen weit weniger Konfliktpotential, als dies bei dem japanisch-chinesischen Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer der Fall ist, die nahe großer Öl- und Gasvorkommen liegen. Im Gegensatz dazu spielt in dem Zwist mit Russland eher das Erbe des Zweiten Weltkriegs eine Rolle.
fdi/Reuters
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