Streit um Senkaku-Inseln Japanisches Schiff kreuzt vor umstrittenen Inseln

Kritische Sonntagsfahrt: Ein japanisches Schiff ist um die Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer patrouilliert. Im Territorialzwist zwischen China und Japan ist derzeit jede Bewegung brisant - und könnte zum Eklat führen.

REUTERS / Kyodo

Es bleibt unruhig in den Gewässern rund um die umstrittene Inselgruppe im Ostchinesischen Meer: Ein japanisches Schiff befand sich am Sonntag auf Patrouillenfahrt um die Inseln, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu heißen. Um einen diplomatischen Konflikt zu vermeiden, hat die japanische Regierung den 25 Menschen an Bord verboten, auf den unbewohnten Inseln an Land zu gehen. Tokios nationalistischer Gouverneur Shintaro Ishihara hatte die Gruppe von Experten geschickt, hieß es im japanischen Fernsehen. Demnach sollten sie Erkundigungen für den Bau eines kleinen Fischerhafens auf einer der Inseln einziehen.

Die kleine Inselgruppe von nicht einmal sechs Quadratkilometern Fläche ist seit Jahrzehnten Gegenstand eines territorialen Konflikts: Seit 1972 werden die Inseln von Japan verwaltet, Taiwan und China akzeptieren dessen Anspruch jedoch nicht und beanspruchen die Inseln ebenfalls für sich. Im Laufe des letzten Monats hat sich der Konflikt verschärft.

Tokio will Inseln für 20,5 Millionen Euro kaufen

Gouverneur Ishihara plant nach eigenen Angaben, sich im Oktober selbst zu den Inseln zu begeben. Er teilte außerdem mit, dass er die Inseln ihren derzeitigen Eigentümern aus Japan abkaufen wolle. Vier der Inseln befinden sich in Privatbesitz, die fünfte gehört der japanischen Hauptstadt Tokio. Die japanische Zeitung "Nikkei" berichtete unterdessen, die Tokioter Regierung wolle die Inselgruppe ihrerseits zum Preis von umgerechnet 20,5 Millionen Euro erwerben. Durch das Ausbooten des Gouverneurs wolle sie eine weitere Eskalation des Territorialstreits mit China vermeiden, hieß es.

Erst Mitte August war eine Gruppe japanischer Aktivisten auf der Insel gelandet und hatte die japanische Flagge gehisst. Nur wenige Tage zuvor hatten chinesische Aktivisten einen ähnlichen Vorstoß gewagt, wurden allerdings von der japanischen Küstenwache gestoppt. Tausende Menschen in China hatten daraufhin gegen die Landung japanischer Aktivisten auf den Senkaku-Inseln demonstriert. China forderte Japan wiederholt auf, Aktionen zu unterlassen, "die Chinas territoriale Integrität untergraben".

Beide Länder erheben Anspruch auf die Inselgruppe. Tokio beruft sich auf das Jahr 1885, in dem Japan die Kontrolle der Inseln übernahm. Peking hält dagegen, die Diaoyu-Inseln hätten bereits während der Ming-Dynastie der Jahre 1368 bis 1644 zu China gehört.

Die Inselgruppe ist nicht nur von strategisch wichtiger Bedeutung. Die See ist auch fischreich, in der Nähe befinden sich wichtige Seestraßen, und auf dem Meeresboden werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet.

juh/afp/ap

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insgesamt 9 Beiträge
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friedenspfeife 02.09.2012
1. Mit wem hat Japan
eigentlich KEIN Problem mit irgendwelchen Inseln? Mit RUS gibts auch Krach. Haben die keinen Platz mehr auf Ihren Eilanden? Geld genug haben die ja - koennten vielleicht Griechenland kaufen!!
blumt0pf 02.09.2012
2.
Zitat von friedenspfeifeeigentlich KEIN Problem mit irgendwelchen Inseln? Mit RUS gibts auch Krach. Haben die keinen Platz mehr auf Ihren Eilanden? Geld genug haben die ja - koennten vielleicht Griechenland kaufen!!
Mit wem hat China KEIN Problem wegen territorialen Ansprüchen? Die sich für ihre Ansprüche sogar auf ein Zeitalter von vor 400-600 Jahren berufen. Wie lächerlich und gleichsam dreist.
frankfurter_75 02.09.2012
3. Japan?
China erhebt Ansprüche gegenüber allen seinen Nachbarn. Die von China beanspruchten Gebiete würden das chinesische Staatsgebiet auf die doppelte Grösse bringen - das Thema in Asien ist momentan eine äussert expansionistische Aussenpolitik Chinas. Bis in die 1970er Jahre hinein wies übrigens jede chinesische Karte die Inseln als japanisches Hoheitsgebiet aus.
edmond_d._berggraf-christ 02.09.2012
4. Das Ringen um die südostasiatischen Staaten dürfte spannend werden
An sich ist die Lage der südostasiatischen Staaten wie Korea Japan, (beide Teile), Taiwan, den Philippinen, Thailand, Birma oder Vietnam klar: Gegen das übermächtige China müßten sich diese Verbünden und den Beistand der anderen Großmächte Indien, Rußland und VS-Amerika suchen; aber hier beginnt auch schon das Dilemma: Rußland ist durch VS-Amerikas Feindschaft zum Bündnis mit China gezwungen worden und Indien ist zwischen dem mohammedanischen Indien, China selbst und Birma eingekeilt, weshalb das Ringen um Birma sehr spannend werden dürfte; und VS-Amerika schwankt noch immer zwischen Freund- und Feindschaft, Zusammenarbeitet oder Streit mit China und ist daher als Bündner nicht gerade sehr zuverlässig. Hinzu kommt, daß jene Länder sehr verschieden und sehr zerstritten sind, weshalb eine Bedrängnis Japans oder Koreas keinesfalls den jeweils anderen notwendig zum Beistand bewegen dürfte; und nicht zuletzt: China vermag jene Staaten für sich als Bündner zu gewinnen, weil es teilen kann.
ofelas 02.09.2012
5. Einen Punkt setzen
Zitat von blumt0pfMit wem hat China KEIN Problem wegen territorialen Ansprüchen? Die sich für ihre Ansprüche sogar auf ein Zeitalter von vor 400-600 Jahren berufen. Wie lächerlich und gleichsam dreist.
Die Manchu wurden bis sie "China" eroberten nicht als Chinesen gesehen, Tibet wurde von den Mongolen erobert und nicht von Chinesen....China leitet seinen Anspruch davon ab, das andere China eroberten und dann irgendein Gebiet irgendwann fuer irgend eine Zeit als Gebiet beanspruchten Jetzt koennen wir alle darauf warten das China das ehemalige Territorium der Mongolen beansprucht und wir haben im Osten eine Grenze mit China. Ist Japan erwachsener in seiner Geschichtsbetrachtung, denke nicht
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