Trump-Schwiegersohn Jared Kushner Der Absturz von "Mr Perfect"

Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zog mit beispielloser Macht ins Weiße Haus. Doch politisch ist er weitgehend gescheitert - und steht nun im Fokus der Russland-Ermittler.

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Von , New York


Wer wissen will, wessen Stuhl im Weißen Haus wackelt, muss nur "Breitbart" lesen. Die Website des nationalkonservativen Polit-Agitators Steve Bannon, Ex-Chefideologe des US-Präsidenten, ist weiterhin ein gutes Barometer dafür, wer im West Wing "in" ist und wer "out".

Aktuellster Ungnade-Kandidat: Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

Kushner und seine Gattin, "first daughter" Ivanka Trump, sitzen als Top-Berater im Weißen Haus. Dies habe sich jedoch als "eine der destruktivsten Entscheidungen" herausgestellt, resümierte "Breitbart" jetzt: Die beiden stünden Trumps Agenda nur "im Weg". Am Wochenende folgten in der "New York Times" und der "Washington Post" ähnlich koordinierte Indiskretionen, wonach die Tage des Glamour-Duos in Washington gezählt seien.

Jared Kushner und Ivanka Trump (Januar 2017)
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Jared Kushner und Ivanka Trump (Januar 2017)

Kushners Spitzname "Mr Perfect" hat längst nur noch ironischen Klang. Mit seinem Super-Portfolio ist er gescheitert - und nun wird er durch seine immer zentralere Rolle in der Russlandaffäre auch zum juristischen Problem.

Nicht durch Zufall ist er neuerdings aus der Öffentlichkeit verschwunden. Trump wolle ihn und Ivanka am liebsten wieder nach Manhattan zurückschicken, heißt es: "Er drängt sie zum Gehen", sagte ein Vertrauter dem Magazin "Vanity Fair".

Kushners Aufgaben - und was daraus wurde

Trump ließ das jetzt zwar offiziell dementieren. Doch Jared Kushner und Ivanka Trump waren von dem Moment an umstritten, da sie im Januar mit ins Weiße Haus einzogen. Kritiker störten sich an der schamlosen Vetternwirtschaft; Bannon - der trotz seines Abgangs aus dem Weißen Haus ein Vertrauter des Präsidenten geblieben ist - titulierte die beiden schon immer abfällig als "das Königshaus".

Trotzdem gab Trump dem völlig unerfahrenen Kushner, 36, eine absurde Aufgabenfülle: ein blasiges Projekt namens "Regierungsreform", das Ende der Opioid-Epidemie, die Chinapolitik und, ach ja, mal eben die Lösung des hundertjährigen Nahostkonflikts. Sowie die Leitung eines spontan geschaffenen White House Office of American Innovation, das mit Hilfe des Privatsektors "die Lebensqualität für die Amerikaner verbessern" sollte.

Davon ist wenig übrig. Die Beratungsgremien aus Wall-Street-Bossen und Tech-Innovatoren existierten nur auf dem Papier und lösten sich im August ganz auf, aus Protest gegen Trumps Umarmung der rechtsextremen Szene. Die Opioid-Krise packte Trump derweil lieber selbst an, die China-Politik ebenfalls.

Bannon, Trump, Kushner (Juni 2017)
REUTERS

Bannon, Trump, Kushner (Juni 2017)

Und Kushners Nahost-Einsatz? Er reiste mehrmals in die Region, kehrte aber bisher mit leeren Händen zurück. Stattdessen warf seine Rolle nur Fragen auf. Als ein Investor aus Katar zum Beispiel einen 500-Millionen-Dollar-Kredit an Kushners wankenden Immobilienkonzern stornierte, begann Trump prompt, die Blockade des Emirats durch Saudi-Arabien anzuheizen - Zufall?

Kushner versus Kelly

Seit Juli hat nun der neue Stabschef John Kelly im Weißen Haus das Sagen. Er habe dem politisch moderaten Kushner "die Flügel gestutzt", so hört man. Kelly habe seine Aufgaben reduziert und dulde Kushners Extravaganzen nicht länger, etwa dass er an Trump vorbei mit den Demokraten verhandele.

Auch soll Trump seinen Schwiegersohn für die schwerste Krise seiner Amtszeit mitverantwortlich machen, die Berufung des Russland-Sonderermittlers Robert Mueller. Die Ironie: Mueller nimmt sich nun zusehends auch Kushner vor. Denn der hatte im Wahlkampf offenbar viel weitreichendere - und folgenschwerere - Kontakte zu Moskau, als er später einräumte. Bei seiner Sicherheitsprüfung fürs Weiße Haus "vergaß" er, mehr als hundert dieser Treffen anzugeben.

Ärger wartet auch in New York

Ivanka Trump gerät ebenfalls in die Kritik. Monatelang gastierte sie als Repräsentantin Trumps auf der Weltbühne. Jetzt sieht sie sich immer mehr an den Rand gedrängt: Wenn sie diese Woche als US-Delegierte am Global Entrepreneurship Summit in Indien teilnimmt, wird ihr das Außenministerium keine nennenswerte Begleitung mitgeben.

Kushner streitet ab, nach New York zurückkehren zu wollen. "Wir wollen bleiben", sagte er der "Washington Post" am Wochenende. Auch in der alten Heimat warten massive Probleme: Sein Wolkenkratzer 666 Fifth Avenue, das Kernstück des Immobilienkonzerns seiner Familie, muss neu finanziert werden. Die Rest-Hypothek ist spätestens 2019 fällig - 1,2 Milliarden Dollar.

Doch alle potenziellen Geldgeber in den USA wie im Ausland - darunter die aus China, Russland und Katar - winken seit der Wahl dankend ab.

insgesamt 30 Beiträge
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steffen.ganzmann 27.11.2017
1. Aus der Wikipedia über Herrn Kushner:
---Zitat--- [...] Nach Recherchen des Wirtschaftsjournalisten und Pulitzer-Preisträgers Daniel Golden wurde Kushner von Vertretern seiner Highschool als mäßiger Schüler beschrieben. Dennoch wurde Kushner an der für ihr rigoroses Auswahlsystem bekannten Harvard University angenommen. Zuvor hatte Kushners Vater der Elite-Universität 2,5 Millionen US-Dollar gespendet. Kushner schloss sein Soziologie-Studium 2003 mit einem Bachelor of Arts (B.A.). Zudem absolvierte Kushner 2007 an der New York University Law School ein kombiniertes Jura- und Betriebswirtschaftsstudium mit einem Doktor (J.D.) und Master (M.B.A.). Vorher hatte sein Vater Charles Kushner auch der New York University eine Spende in Höhe von 3 Millionen US-Dollar zukommen lassen [...] ---Zitatende--- *Honi soit qui mal y pense!*
rgom 27.11.2017
2. Nur zwei
Nur zwei der abstrusen Fehlbesetzungen Trumps. Die Folgen seiner Präsidentschaft für das Land werden über Jahre hinaus verheerend sein.
Onkel Drops 27.11.2017
3. der letzte Abschnitt sagt alles...
er wird momentan auf unter 1 Milliarde Vermögen geschätzt und muss in 2 Jahren 1,2 haben um seine Hypothek zu bezahlen. ebenso hält er es in der Politik, viel Tamtam aber am Ende klappt nix. na dann könnte er bis zur Wahl ja schon mal privat die Flügel gestutzt bekommen. große Klappe haben sie alle bis sie sich beweisen sollen. die armen US Bürger, Kopf hoch , den werdet ihr über stehen!!! lernt was daraus...
enzio 27.11.2017
4. Kein auf Fakten gestützter Journalismus
Dieser Beitrag hat nichts Handfestes gegen Kushner vorzubringen, sondern ergeht sich im Schreiben über Hörensagen, und bietet als Quelle die ansonsten so heftig kritisierte Platform "Breitbart" an. Sie reiht sich damit ein in die von unserem Meinungskartell gegen Trump getragene Kampagne, die ab und an Familienmitglieder ins Visier nimmt, wenn gegen Trump überhaupt nichts mehr einfallen will - eigentlich schade. Macht doch mal wieder auf Fakten gestützten Journalismus......
woiza 27.11.2017
5.
Zitat von steffen.ganzmann*Honi soit qui mal y pense!*
Das hat John Oliver schon mal analysiert: https://www.youtube.com/watch?v=wD8AwgO0AQI
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