Verdacht auf Vergiftung: Arafat-Witwe will Leiche exhumieren lassen

Ist Jassir Arafat durch Gift gestorben? Schweizer Forscher haben laut al-Dschasira in der Kleidung des früheren Palästinenserpräsidenten Spuren von Polonium-210 gefunden. Die Witwe kündigte an, die Exhumierung des Leichnams zu beantragen.

Ex-Palästinenserführer Arafat (Archivbild aus dem Jahr 1995): Spekulationen um Vergiftung Zur Großansicht
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Ex-Palästinenserführer Arafat (Archivbild aus dem Jahr 1995): Spekulationen um Vergiftung

Zürich - Der vor acht Jahren verstorbene Palästinenserpräsident Jassir Arafat könnte laut einem Fernsehbericht des Senders al-Dschasira an einer Polonium-Vergiftung gestorben sein. Der Sender ließ Kleidungsstücke und andere Gegenstände, die der PLO-Führer in den Tagen vor seinem Tod benutzt oder getragen hatte, von einem Labor im Schweizer Lausanne untersuchen. In den Gegenständen fand das Institut Spuren des radioaktiven Stoffes Polonium.

Es seien "überraschend" hohe Mengen von Polonium-210 festgestellt worden, sagte der Sprecher des Instituts für Strahlenphysik in Lausanne, Darcy Christen am Dienstag. Es könnten aber keine Rückschlüsse gezogen werden, ob Arafat vergiftet wurde oder nicht. Die in seiner Krankheitsakte festgehaltenen Symptome stimmten nicht mit denen einer Vergiftung mit Polonium-210 überein.

Mit diesem Gift war 2006 in London der russische Ex-Geheimdienstagent und Regimekritiker Alexander Litwinenko getötet worden. Das Institut erklärte, eine abschließende Beurteilung der Todesursache sei aber nur durch eine Untersuchung der sterblichen Überreste Arafats möglich. Der Leichnam liegt in Ramallah begraben.

"Es war ein Verbrechen"

Arafats Witwe Suha kündigte in dem Beitrag al-Dschasiras an, sie werde die Exhumierung des Palästinenserführers beantragen. Sie sagte weiter: "Es war kein natürlicher Tod, es war ein Verbrechen."

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat forderte eine internationale Untersuchung der Todesumstände Arafats.

Seit dessen Tod im Jahr 2004 gibt es immer wieder Spekulationen unter Arabern und Palästinensern, dass Israel etwas mit dem Vorfall zu tun haben könnte. Da die betreuenden Ärzte keine genaue Todesursache nannten, verdächtigten die Palästinenser Israel, Arafat vergiftet zu haben.

Arafat war im November 2004 nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren in einem Militärkrankenhaus im französischen Clamart gestorben. Er war im Herbst in seinem Hauptquartier in Ramallah erkrankt. Da sich sein Zustand schnell verschlechterte, wurde er in das Militärkrankenhaus im Süden von Paris gebracht, wo er am 11. November 2004 verstarb.

Auch israelische Medien hatten bereits vor Jahren darüber berichtet, dass Arafat bei einem Essen im Oktober 2004 vergiftet worden sein könnte.

Israels Regierung scheint den neuen Bericht al-Dschasiras nicht sonderlich ernstzunehmen. Im Beitrag wird ein Sprecher des israelischen Außenministers mit den Worten zitiert: "Wenn lächerliche Aussagen töten könnten, dann wäre diese Reportage wohl der Hauptverdächtige."

fab/ras/dpa/Reuters

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