Militäroperation im Jemen Arabische Liga plant gemeinsame Streitmacht

Die Arabische Liga zieht Konsequenzen aus dem Konflikt im Jemen - und plant eine gemeinsame militärische Eingreiftruppe. Im Kampf gegen die Rebellen zerstörte die Allianz den Flughafen von Sanaa.

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Der Krieg im Jemen hat die Arabische Liga aufgeschreckt. Die Länder der Region haben beschlossen, eine gemeinsame militärische Eingreiftruppe aufzustellen. Die Staats- und Regierungschefs hätten sich auf "Prinzipien" für die neue Einheit geeinigt, sagte der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi am Sonntag bei einem Gipfeltreffen im Badeort Scharm al-Scheich. Details sollten im April gemeinsam mit militärischen Entscheidungsträgern ausgearbeitet werden.

Im Jemen haben die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen große Teile des Landes besetzt, der Präsident Abd Rabbuh Mansur al-Hadi ist außer Landes geflohen. Die arabischen Staaten wollen die Aufständischen am Sonntag aufrufen, die jemenitische Hauptstadt Sanaa zu verlassen und ihre Waffen an die "rechtmäßigen" Behörden auszuhändigen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die Aufständischen hat nach eigenen Angaben in der Nacht zum Sonntag den Flughafen von Sanaa lahmgelegt. Die Landebahn könne nicht mehr genutzt werden, hieß es am Sonntag aus jemenitischen Luftverkehrskreisen.

Zudem sollen bei den seit Donnerstag andauernden Luftangriffen die meisten Raketen der schiitischen Miliz und ihrer Verbündeten zerstört worden sein. Der Koalitionssprecher General Ahmed Assir sagte am Samstag in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, der Angriff auf noch verbleibende Raketen werde fortgesetzt, wo immer sie seien. Vor dem Einmarsch der Huthi-Rebellen in Sanaa verfügte die jemenitische Armee dem General zufolge über "zahlreiche Raketen und ballistische Raketen" mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern.

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Machtkampf auf Arabischer Halbinsel: Jeder gegen jeden im Jemen
Zuvor hatte ein ranghoher Diplomat eines Golfstaates erklärt, die jemenitische Armee habe 300 Scud-Raketen. Von ihnen seien bei den am Donnerstag begonnenen Luftangriffen 21 zerstört worden.

Allianz aus zehn Staaten

Die Saudis haben der Mission gegen die Aufständischen den Titel "Sturm der Entschlossenheit" gegeben. Das Herrscherhaus verbreitet regelmäßig Bilder aus dem Einsatzführungskommando der Armee. Saudi-Arabien betont jedoch ausdrücklich, dass es nicht allein handelt. Stolz verkündet Riad, an der Spitze einer Allianz aus zehn Staaten zu stehen, die noch dazu von den USA und Großbritannien unterstützt wird.

Außer Saudi-Arabien soll offenbar Ägypten die Hauptlast des Militäreinsatzes tragen. Nach Angaben aus Kairo bringt das Militär derzeit fünf Kriegsschiffe im Roten Meer in Stellung. Etwa 40.000 Soldaten sollen sich an der geplanten Invasion beteiligen, unterstützt von ägyptischen Kampfjets.

Die kleineren arabischen Golfstaaten Bahrain, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligen sich nach den bisher bekannten Plänen nur an den Luftangriffen gegen die Huthi-Miliz. Gleiches gilt für Jordanien, Marokko und den Sudan. Insgesamt sollen sich damit 185 Kampfjets an der Mission beteiligen. Das ist ein Vielfaches mehr, als im Irak und in Syrien gegen den IS im Einsatz ist.

Als zehnter Staat beteiligt sich Pakistan an der Operation "Sturm der Entschlossenheit". Islamabad unterstützt den Einsatz mit Flugzeugen und Kriegsschiffen.

Über die Stärke der Huthis und ihrer Verbündeten gibt es keine genauen Angaben. Die Schätzungen zur Zahl der Milizionäre schwanken zwischen 30.000 und 100.000. Die Truppe hat in den vergangenen Monaten deutlich aufgerüstet. Zu ihrem Arsenal gehören inzwischen Artilleriegeschütze, Panzerabwehrraketen und schultergestützte Flugabwehrwaffen.

Einen Teil der Waffen haben die Huthis offenbar aus Iran erhalten, vieles erbeuteten sie aber bei ihrem Vormarsch in den vergangenen Monaten. Damit können die Rebellen zwar nicht einer Invasion von 200.000 Soldaten standhalten, sie können die Truppen aber nach dem Einmarsch in einen verlustreichen Guerillakrieg verwickeln.

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Zusammengefasst: Die Arabische Liga will besser auf Konflikte in der Region reagieren können. Dafür soll eine gemeinsame Streitmacht aufgebaut werden. Der Kampf der Saudis und ihrer Verbündeten im Jemen dauert an.

ler/Reuters/AFP

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insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
erasmus89 29.03.2015
1. Es ist bezeichnend
wie der SPIEGEL im Bezug auf diese Terror/Diktatoren-Allianz so wertfrei berichten kann. Selten lese ich so wertfreie Artikel auf dieser Seite. Der Kameltreiber aus Saudi Arabien lässt Menschen wie am Fließband köpfen und zu Tode auspeitschen und zahlt Terroristen ihr Gehalt. Der General in Ägyoten hat an einem Tag 1000 Demonstranten niedergemäht und terrorisiert nun die Demokraten in Kairo usw. Arme parteiische Presse.
iasi 29.03.2015
2. Arabische Liga = Liga absolutistischer Staaten
Irgendwann kommt einer der Führer der Huthis auf die Idee, sich als arabischer Napoleon zu bezeichnen ... und was kann man ihm dann entgegnen? Der Westen versucht mal wieder zu Stabiliseren und Veränderungen zu vermeiden - und übersieht dabei die tieferen Gründe der Umstürze und Unruhen. Eine sehr schlechte Politik. Denn gerade die Arabische Liga und die Staatsführungen dieser Allianz sind doch Teil des Problems. Radikalisierung ist die Folge von ausbleibenden und verhinderten Verbesserungen für große Bevölkerungteile.
sanhe 29.03.2015
3. Prioritäten der Araber
Man anhand der im Artikel dargestellten militärischen Pläne und Erklärungen schön und exemplarisch erkennen, wo die wahren Absichten und Prioritäten der sunnitischen arabischen Staaten liegen: Nicht bei der Bekämpfung der (sunnitischen) Terrororganisation IS, sondern bei der Bekämpfung von Schiiten. Das sollte westlichen Ländern sehr zu denken geben und einmal mehr klar machen, dass die arabischen Staaten nicht wirklich nachdrücklich gewillt sind, das Problem IS zu beseitigen.
tomkey 29.03.2015
4. Allianz gegen Demokratie
Die Truppen dürfte dann überall da eingesetzt werden, wo es den Scheichs gerade paßt, nämlich den Protest des eigenen Volkes zu unterdrücken. Nur nicht da, wo es bitter nötig wäre - Kampf gegen IS. Und alles mit deutschen Waffen.
Lea S. 29.03.2015
5.
Zitat von iasiIrgendwann kommt einer der Führer der Huthis auf die Idee, sich als arabischer Napoleon zu bezeichnen ... und was kann man ihm dann entgegnen? Der Westen versucht mal wieder zu Stabiliseren und Veränderungen zu vermeiden - und übersieht dabei die tieferen Gründe der Umstürze und Unruhen. Eine sehr schlechte Politik. Denn gerade die Arabische Liga und die Staatsführungen dieser Allianz sind doch Teil des Problems. Radikalisierung ist die Folge von ausbleibenden und verhinderten Verbesserungen für große Bevölkerungteile.
Käme sich irgendein Anführer als Napoleon vor, so wäre das behandlungswürdig durch einen Arzt. Bis dahin aber, sollten wir doch bedenken dass es sich auch bei den Houthis um die berechtigten Interessen von Jemenitern handelt, die an der Politik ihres Landes teilnehmen wollen. Dieses abfällige " kommen sich die Houthis vor wie...." welches man in den Medien liest, ist unerträglich. So als würde Deutschland eine Regierung der Katholiken alleine einführen und die anderen kämen sich vor..........
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