Jemen: Dutzende Menschen sterben bei Anschlägen und Kämpfen

Bombenexplosionen und Feuergefechte: Alle Hoffnungen, mit der Wahl eines neuen Präsidenten werde der Jenen zur Ruhe kommen, sind am Wochenende erneut enttäuscht worden. Hinter den Anschlägen stecken offenbar Islamisten, die al-Qaida nahestehen.

Anschlagopfer im Krankenhaus von Zinjibar: im Süden des Landes eskaliert die Gewalt Zur Großansicht
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Anschlagopfer im Krankenhaus von Zinjibar: im Süden des Landes eskaliert die Gewalt

Hamburg - Auch eine Woche nach der Vereidigung des neuen Staatschefs kommt der Jemen nicht zur Ruhe: Zwei Selbstmord-Attentäter rissen am Sonntag laut Behördenangaben bei Anschlägen auf Militärposten im Süden des Landes mindestens 15 Soldaten mit in den Tod. Bei anschließenden Kämpfen mit den Rebellen wurden nach Angaben von Ärzten weitere 35 Soldaten getötet und Dutzende zum Teil schwer verletzt. Die Zahl der Opfer werde daher voraussichtlich noch steigen, sagten Ärzte in einem Militärkrankenhaus in der Hafenstadt Aden. Die erste Autobombe sei bei der Küstenwache in der Hafenstadt Zinjibar explodiert. Ein weiterer Anschlag erfolgte auf einen Militärposten in der Stadt.

Die Regierung rechnet die beiden Anschläge der Al-Qaida nahestehenden Gruppe Ansar Al-Sharia zu. Ein Regierungssprecher sagte, es handele sich bei den beiden abgestimmten Anschlägen um eine gezielte Kampagne gegen den neuen Präsidenten Abd Rabbuh Mansur al-Hadi.

Al-Hadi hatte Ende Februar den bisherigen Staatschef Ali Abdullah Salih nach 33jähriger Amtszeit abgelöst. Die Vereinbarung zum Machtwechsel kam unter dem Druck der Golf-Monarchien zustande, nachdem Salih sich trotz monatelanger Demonstrationen nicht zum Amtsverzicht bewegen ließ. Der 66jährige Al-Hadi, bislang Salihs Stellvertreter, soll als Übergangspräsident lediglich zwei Jahre im Amt bleiben. Seine Wahl wird allerdings von Seperatisten im Süden des Landes ebenso wenig akzeptiert wie von den Islamisten um Al-Qaida.

Bereits am Samstag war ein Selbstmordanschlag auf einen Militärstützpunkt im Süden des Landes verübt worden. Das Attentat mit einer Autobombe habe einer Kaserne der Republikanischen Garde in der Stadt Baida südwestlich von Sanaa gegolten, hieß es aus Armeekreisen. Dabei kam ein Soldat ums Leben. Das dreistöckige Kasernengebäude wurde nach Zeugenangaben weitgehend zerstört. Nach der Explosion des Wagens hätten sich Bewaffnete Schusswechsel mit Soldaten der Garde geliefert, die von einem Sohn des früheren Präsidenten Salih geführt wird. Baida liegt in der Nähe von Rückzugsgebieten von Al-Qaida im südlichen Jemen.

Bei seiner Amtsübernahme hatte Hadi einen entschlossenen Kampf gegen die Islamisten im Jemen angekündigt. Bereits kurz nach der Vereidigungszeremonie ereignete sich im Südosten des Landes ein Selbstmordanschlag, bei dem mindestens 26 Soldaten der Garde getötet wurden. Am Mittwoch bekannte sich Al-Qaida dazu.

ric/afp/rtr

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