Kommandoeinsatz gegen al-Qaida Dutzende Tote bei US-Militäraktion im Jemen

Beim Angriff eines US-Spezialkommandos im Jemen sind mindestens 30 Menschen getötet worden - unter ihnen zahlreiche Frauen und Kinder. Auch ein US-Soldat kam bei dem Einsatz gegen mutmaßliche Qaida-Kämpfer ums Leben.

Qaida-Kämpfer im Jemen
AFP PHOTO/HO/AL-MALAHEM MEDIA

Qaida-Kämpfer im Jemen


Das US-Militär registriert den ersten gefallenen Soldaten seit der Amtsübernahme von Donald Trump. Der Mann wurde in der Nacht zum Sonntag bei einer Kommandoaktion im Jemen getötet. Die Mission richtete sich nach Angaben des Pentagon gegen einen Stützpunkt der Terrororganisation "Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" (AQAP).

An dem Angriff auf die Ortschaft Jakla in der zentraljemenitischen Provinz Baida waren Drohnen und Apache-Hubschrauber beteiligt. Der Einsatz habe sich laut Vertretern der Provinzbehörden gegen Häuser, eine Schule, eine Moschee und eine medizinische Einrichtung gerichtet, die von Qaida-Kämpfern genutzt worden seien. Laut US-Militär habe Trump persönlich die Mission angeordnet. Demnach wurden bei dem Einsatz 14 Terroristen getötet.

Drei US-Soldaten seien bei einem Feuergefecht verwundet worden. Ein Hubschrauber sei unsanft gelandet. Daraufhin habe die US-Armee das Fluggerät vorsätzlich zerstört.

In der Mitteilung des US-Militärs ist keine Rede von zivilen Opfern. Ärzte vor Ort berichten von rund 30 Toten, darunter zehn Frauen und drei Kinder. Provinzvertreter sprachen von 41 getöteten Qaida-Kämpfern, sowie jeweils acht getöteten Frauen und Kindern.

AQAP teilte mit, dass einer ihrer Anführer, Abdulrauf al-Dhahab, bei dem Angriff getötet wurde. Laut Augenzeugen soll zunächst eine Drohne Dhahabs Wohnhaus bombardiert haben, anschließend seien US-Soldaten mit Hubschraubern gekommen und in die Häuser gestürmt.

Unter den toten Kindern soll sich die achtjährige Noura al-Awlaki befinden. Sie ist die Tochter des in den USA geborenen Qaida-Kommandeurs Anwar al-Awlaki. Er war 2011 bei einem US-Drohnenangriff im Jemen getötet worden.

Das Gebiet um Jakla wird von Stammesmilizen kontrolliert, die ein loses Bündnis mit AQAP geschlossen haben. In der Nähe des Ortes sollen sich mehrere Ausbildungslager der Terrororganisation befinden.

Der Angriff war der erste Einsatz eines US-Spezialkommandos im Jemen seit Dezember 2014. In den vergangenen Jahren hat die US-Armee Dutzende Drohnenangriffe gegen mutmaßliche AQAP-Stellungen durchgeführt. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet - Kämpfer wie Zivilisten.

Am Freitag verhängte Donald Trump ein Einreiseverbot für alle jemenitischen Bürger.

syd/AP/AFP



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