Vormarsch der Dschihadisten Al-Qaida profitiert von Saudi-Arabiens Krieg im Jemen

Saudi-Arabien will mit seinen Bombenangriffen im Jemen die Huthi-Milizen zerschlagen. Bislang ohne Erfolg. Dafür baut die Terrororganisation "al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" ihre Macht aus.

Saudi-arabische Artillerie an der Grenze zum Jemen: al-Qaida wird gestärkt
AFP

Saudi-arabische Artillerie an der Grenze zum Jemen: al-Qaida wird gestärkt


Die Terrorgruppe "al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" (AQAP) hat den Hadramaut, die größte Provinz des Jemen, fast vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Ihre Kämpfer stürmten am Donnerstag den Flughafen Riyan am Golf von Aden und eine in der Nähe gelegene Militärbasis. Die Soldaten, die den Stützpunkt verteidigen sollten, flohen.

Riyan liegt in der Nähe der Küstenstadt Mukalla, die al-Qaida vor zwei Wochen eingenommen hatte. Dort kontrollieren die Dschihadisten auch den Hafen mit einem wichtigen Ölterminal. "Sie festigen ihre Position in der Stadt und werden die ganze Küste des Hadramaut paralysieren", sagte Nasser Baqazous, ein Aktivist aus Mukalla.

In der Stadt ist al-Qaida ein Bündnis mit örtlichen Stammesvertretern eingegangen. Gemeinsam habe man einen 51-köpfigen Provinzrat eingesetzt, der die Gegend regieren solle, sagte ein Lokalpolitiker der Nachrichtenagentur AP. Dort seien aber nur religiöse Parteien und Politiker vertreten.

Laut Augenzeugen ist al-Qaida in Mukalla dabei, ein streng islamistisches Regime einzurichten. Im Kulturzentrum tagt inzwischen ein "Islamisches Gericht", in den Straßen patrouillieren Sittenwächter. Die Milizionäre sollen mehrere Politiker verschleppt haben, die Sympathien für die Huthi-Rebellen und den mit ihnen verbündeten Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh geäußert hatten.

Saudi-Arabien beschwichtigt

Saudi-Arabien bombardiert gemeinsam mit anderen arabischen Staaten und mit Unterstützung der USA Ziele der Huthi-Milizen. Diese Rebellen der zaiditischen Minderheit kontrollieren die Hauptstadt Sanaa und versuchen seit Wochen die Hafenstadt Aden einzunehmen. Die Luftangriffe haben die Huthis bislang kaum geschwächt.

Ahmed Asiri, Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, hat den Vormarsch von al-Qaida im Jemen heruntergespielt. "Wenn es erst einmal einen sichern und stabilen Jemen gibt, der die gesetzliche Ordnung aufrecht erhalten kann, wird es keinen Raum für al-Qaida mehr geben", sagte er dem saudi-arabischen TV-Sender al-Arabiya al-Hadath.

AQAP gilt als der gefährlichste und stärkste Zweig des Terrornetzwerks al-Qaida. Die Terrorgruppe ist verantwortlich für mehrere gescheiterter Anschlagsversuche in den USA und hat sich zum Attentat auf "Charlie Hebdo" in Paris bekannt. Die Gruppe hat in der Provinz Hadramaut seit Langem ihre Hochburg, auch Drohnenangriffe der US-Armee dort haben sie bislang nicht entscheidend stoppen können.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Konfliktparteien im Jemen zu einer sofortigen Waffenruhe auf. "Die Saudis haben mir zugesagt, dass sie verstanden haben, dass es einen politischen Prozess geben muss", sagte Ban. "Ich rufe alle Jemeniten auf, sich mit gutem Willen zu beteiligen."

Am Donnerstag hatte der Uno-Sondergesandte für den Jemen, Jamal Benomar, seinen Rücktritt eingereicht. Er hatte vier Jahre lang vergeblich versucht, eine friedliche Lösung für den Machtkampf zu vermitteln. Aus Uno-Kreisen heißt es, Ban habe den mauretanischen Diplomaten Ismail Ould Cheikh Ahmed als Nachfolger auserkoren.

syd/AP/Reuters

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enemynr1 17.04.2015
1. Und warum fliegt
Saudi-Arabien keine Luftangriffe auf Qaida? Warum werden nur die Aufständischen bombardiert?
hevopi 17.04.2015
2. Diese ganze Situation
wird doch langsam unüberschaubar. Warum hat man noch nicht mit den Gruppen verhandelt, denn wenn es nur um die Umsetzung eines Glaubens geht, ist es doch nicht unser Problem. Der Islam gehört eben nicht zu Deutschland und muß seinen eigenen Weg finden. Auch in Saudi-Arabien werden noch Kriminelle zum Tode verurteilt und Hände abgehackt, darüber regt sich kein Mensch auf. Wenn die Bevölkerung eines Landes eine mehrheitlich getragene Meinung zur Auslegung des Islam hat, soll sie ihn doch leben, nicht unser Problem.
Kimmerier 17.04.2015
3. Gibt es überhaupt
"Ich rufe alle Jemeniten auf, sich mit gutem Willen zu beteiligen." Dieser Aufruf des UNO-Generalsekretärs setzt voraus, dass sich die Bewohner des als Jemen bezeichneten Gebietes auch alle als "Jemeniten" empfinden. Allerdings scheinen die Ereignisse der letzten Zeit eher zu zeigen, dass der Jemen - ebenso wie fast der gesanmte arabische Raum - eben keine Region mit einheitlicher Bevölkerung ist, wie wir es in Europa (noch) gewohnt sind. Insofern dürften sich die "Jemeniten" eher als Angehörige der einzelnen arabischen Stämme fühlen - und dabei ein Hauptaugenmerk auf die Ausrichtung des muslimischen Glaubens richten. Die Al-Qaida-Anhänger sind hierbei wohl in der Mehrzahl (oder gar alle?) Sunniten, ebenso wie die Anhänger des "Islamischen Staates". Das haben sie mit der Führungsschicht in SAudi-Arabien gemein, während die Huthis im Jemen Schiiten sind. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
seneca55 17.04.2015
4. Al Qaida und die Saudis gemeinsam im Yemen?
Dann werden die schiitischen Houthis jetzt wohl zermahlen. Yemen wird zum Piratennest wie Sudan am Horn von Afrika gegenüber von Yemen. Damals waren die Amis nach ihrer Invasion gegen General Aidiidh nach 2 Jahren Kampf "Night-Hawk Down" abrupt verschwunden. Schöne Aussichten!
spon-facebook-10000531708 17.04.2015
5. will der Westen den internationalen Terrorismus bekaempfen?
wenn man die Frage beantwortet: will der Westen den internationalen Terrorismus bekaempfen? muss man antworten: zumindest will man diesem Uebel nicht an die Wurzel gehen! Saudi Arabien wird nicht den Hadramaut bombardieren, denn das sind auch Sunniten und vielleicht sind auch Saudis unter denen. Die Huthi-Milizen - die Erzfeinde der Al Qaida - sind die eingeschworenen Gegner Saudi-Arabien. Israel s Premier Netanyahu schwafelt auch viel vom Kampf gegen den Terrorismus und gibt gleichzeitig der Al Nusra- Front (lokale Al Qaida) logistische Unterstuetzung. Erdogan - unser tuerkischer NATO-Partner - unterstuetzt die Nusra-Front und die IS! Und der Westen will echt diese ueblen terrorisitischen Gruppierungen bekaempfen? Das ist - wenn es nicht sehr traurig waere - eine einzige Lachnummer!
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