Neue Kämpfe in Hudaida Jemen-Vermittler fordert Einhaltung der vereinbarten Waffenruhe

Im jemenitischen Bürgerkrieg einigten sich Rebellen und die Regierung auf eine Waffenruhe für die Hafenstadt Hudaida. Doch die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt sind wieder aufgeflammt.

Regierungstruppen kämpfen in Hudaida (Aufnahme aus dem Juni)
NAJEEB ALMAHBOOBI/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Regierungstruppen kämpfen in Hudaida (Aufnahme aus dem Juni)


Die nach mehreren Tagen am Donnerstag in Schweden ausgehandelte Waffenruhe für den jemenitischen Hafenort Hudaida ist brüchig. Die Gegend um die jemenitische Stadt sei von Luftanschlägen und schweren Kämpfen erschüttert worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Einwohner und regierungstreue Kräfte.

Der UN-Sondergesandte Martin Griffiths forderte Regierungstruppen und Rebellen zur sofortigen Einhaltung der vereinbarten Waffenruhe auf. "Der Sondergesandte erwartet von den beiden Parteien, dass sie ihre Verpflichtungen gemäß dem Text und Geist des Stockholm-Abkommens respektieren", teilte Griffiths am Sonntag über Twitter mit.

Die Regierungstruppen und die Huthi-Rebellen hatten im Beisein von Uno-Generalsekretär António Guterreseine Feuerpause für Hudaida vereinbart, die in der Nacht zu Freitag in Kraft trat. Über die Hafenstadt Hudaida am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs der Huthis. Auch der Großteil der humanitären Hilfe gelangt hierüber ins Land.

Trotz der vereinbarten Waffenruhe sollen mindestens 29 Kämpfer, darunter 22 Huthi-Rebellen, in der Nacht zum Sonntag am Stadtrand von Hudaida getötet worden sein. Von unabhängiger Seite gibt es hierfür bislang keine Bestätigung. Ein Bewohner Hudaidas berichtete AFP am Telefon von heftigen Kämpfen, Kampfjets seien die gesamte Nacht zu hören gewesen.

Guterres hatte die Gespräche in der vergangenen Woche noch als Ausgangspunkt für Frieden in dem Bürgerkriegsland gelobt. Die Parteien hätten die Gespräche Ende Januar fortsetzen wollen. Denn der Status der umkämpften Küstenstadt Hudaida galt als ein Knackpunkt bei den Beratungen.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge kamen in dem Konflikt insgesamt bereits rund 10.000 Menschen ums Leben, mehr als 60.000 wurden verletzt. Alle zehn Minuten stirbt laut Unicef ein Kind an vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung.

Die Gefechte in Hudaida waren vor den Friedensgesprächen zunächst abgeflaut, nachdem auch die USA nach dem Mord am saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi verstärkt auf ein Ende des jemenitischen Bürgerkrieges gedrungen hatten.

Im Jemen kämpfen die Huthi-Rebellen seit mehr als vier Jahren gegen die Regierung, die von einer saudi-arabisch geführten Militärkoalition unterstützt wird. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen Verbündeten seines schiitischen Erzfeindes Iran. Das Bündnis trug mit seinen Luftangriffen maßgeblich zur Eskalation des Konflikts bei. Die Uno bezeichnet den Bürgerkrieg im Jemen als die größte humanitäre Krise weltweit.

apr/AFP/dpa

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