Sanaa - Zunächst war vor leichten Verletzungen die Rede, dann von einem Granatsplitter in der Herzgegend. Jetzt berichtet ein Vertreter der US-Regierung, dass die Verletzungen des Machthabers Ali Abdullah Salih noch schwerwiegender sind als bislang offiziell dargestellt.
Der Präsident habe an 40 Prozent seines Körpers Verbrennungen erlitten, sagte der US-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Dienstag. Außerdem habe er eine Blutung im Kopf. Laut der Online-Ausgabe der "New York Times" wurde dies von der Regierung im Jemen bestätigt. Salih gehe es nicht so gut, wie es seine Helfer darstellten, werden westliche Diplomaten zitiert.
Der Palast von Salih war bei einem Raketenangriff in der vergangenen Woche getroffen worden. Bislang hieß es, Salih sei in einer Klinik in Saudi-Arabien, wo ihm ein Raketensplitter operativ aus der Brust entfernt wurde. Noch am Montag hatte ein hochrangiger Regierungsbeamter erklärt, der Staatschef werde binnen weniger Tage wieder in seine Heimat kommen. Salihs Ausreise war in Jemen mancherorts von jubelnden Massen begrüßt und sogar mit einem Feuerwerk gefeiert worden. Angesichts der Schwere seiner Verletzungen wird nun erneut gemutmaßt, dass Salih gar nicht mehr in den Jemen zurückkehren könnte. Andernfalls befürchten Beobachter eine neue Verschärfung des blutigen Konflikts in dem arabischen Land.
Auch in Salihs Abwesenheit reißen die Proteste nicht ab: Am Dienstag forderten Tausende Demonstranten vor dem Sitz des Vizepräsidenten die Einsetzung eines Übergangsrats, der eine neue Regierung bilden soll. Auch riefen sie zu einem Marsch gegen eine Rückkehr Salihs, an dem sich eine Million Menschen beteiligen sollen.
Seit fünf Monaten fordern Demonstranten im Jemen überwiegend friedlich ein Ende der seit beinahe 33 Jahren währenden Herrschaft Salihs. Zuletzt kam es vor allem in der Hauptstadt Sanaa zu schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und rivalisierenden Clans mit Hunderten Toten. Aber auch aus anderen Landesteilen wurden Kämpfe gemeldet, so auch am Dienstag aus dem Süden, wo der jemenitische Arm der radikal-islamischen al-Qaida besonders aktiv ist. Die Armee erklärte, sie habe in Sindschibar Dutzende Extremisten getötet. Auch in Tais soll es zu Kämpfen gekommen sein. In Sanaa schien dagegen eine von Saudi-Arabien vermittelte Waffenruhe zu halten.
can/Reuters/dapd
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