Jemen Regierung rätselt über Schicksal der entführten Deutschen

Was ist mit der entführten deutschen Familie H. im Jemen passiert? Zwei neue Videos mit den drei gekidnappten Kindern geben der Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen neue Rätsel auf. Das Datum wurde manipuliert, von den Eltern gibt es keine Spur - die Kontaktaufnahme zu den Tätern ist sehr schwierig.


Berlin - Bis heute hat die Bundesregierung keine Klarheit darüber, ob die im Juni im Jemenentführte deutsche Familie aus Sachsen noch lebt und wer hinter der Verschleppung steht.

Zwei im Herbst der deutschen Botschaft in Sanaa zugespielte Videoszeigen nach Informationen des SPIEGEL nicht die ganze Familie - sondern lediglich die Kinder Lydia, 5, Anna, 3, und Simon, 1. Von den Eltern Johannes und Sabine H., beide 37, fehlt seit der Verschleppung in der nordjemenitischen Provinz Saada jede Spur.

Bei der ersten Aufnahme, die dem Krisenstab Anfang August übergeben wurde, ist vor allem eines der Mädchen zu sehen. Im September reichten die Entführer über Mittelsmänner eine zweite Aufnahme nach, bei der Simon in einem alarmierenden gesundheitlichen Zustand abgebildet ist. Versuche des Krisenstabs im Auswärtigen Amt, den Entführern Medikamente für die Kinder zukommen zu lassen, scheiterten allerdings. Eine Untersuchung der Videos ergab, dass die digitale Datierung nachträglich manipuliert wurde, um die Aufnahmen aktueller erscheinen zu lassen.

Die Familie war am 12. Juni mit zwei deutschen Bibelschülerinnen, einem Briten und einer Südkoreanerin gekidnappt worden. Noch während des Überfalls setzten die Deutschen per Handy einen Hilferuf ab, berichtete damals eine lokale Zeitung. Drei Tage später wurden die verstümmelten Leichen der zwei deutschen Frauen sowie der Koreanerin entdeckt - sie waren erschossen worden.

Zu den Rätseln der Entführung gehört auch, dass die Kidnapper zwar Geld forderten, aber seither keinen weiteren Kontakt mehr gesucht haben. Politische Forderungen wurden bislang nicht gestellt.

Das wiederum passt nicht zu der von den deutschen Sicherheitsbehörden vermuteten Beteiligung von al-Qaida an der Entführung. Der Krisenstab hofft nun darauf, dass sich die Entführer erneut melden.

Der frühere Staatssekretär Jürgen Chrobog vermittelt in dem Fall als Sonderbeauftragter des Auswärtigen Amtes. Chrobog war vor vier Jahren zusammen mit seiner Familie selbst Entführungsopfer im Jemen.



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schwarzer Schmetterling, 26.12.2009
1. was soll das
Zitat von sysopWas ist mit der entführten deutschen Familie H. im Jemen passiert? Zwei neue Videos mit den drei gekidnappten Kindern geben der Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen neue Rätsel auf. Das Datum wurde manipuliert, von den Eltern gibt es keine Spur - die Kontaktaufnahme zu den Tätern ist sehr schwierig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,668995,00.html
lieber spiegel - berichtet doch bitte mit etwas mehr hintergrund, zum beispiel aus welchem umfeld die deutschen stammten - und dass dies auch etwas fundamentalistisch ist - vielleicht gibt es nun wieder märtyrer für den rechten glauben. und wer im umfeld von moslemischen fanatikern mit einer bibel unterm arm durch die gegend läuft - sorry, der muss halt mit allem rechnen, oder geradzu blind vor vertrauen sein. und wäre sehr schön, wenn der spiegel wieder zu alter form zurückfindet und sich nicht nur als nachrichtenorgan der bundesregierung darstellt, sondern mal kritisch hinterfragt.
Ostseeküste 26.12.2009
2. Die Verantwortung
Die Verantwortung für das Leid der Kinder tragen in erster Linie die Täter!! Ich verstehe wirklich nicht, dass Menschen als erstes versuchen, die Täterschuld zu verharmlosen. Das stößt mich so sehr ab! Kein Mensch sollte so mitleidlos sein, um mit dem Leid dieser armen Kinder sein politisches-religiöses-ideologisches Süppchen zu kochen. Wie widerwärtig und niederträchtig solche Menschen bloß sein können! Ich hoffe so sehr, dass diesen Kindern, die sowieso schon durch die Hölle gegangen sein müssen, geholfen werden kann. Warum hat es so lange gedauert, bis ein Beauftragter in den Jemen entsandt wurde? Hat die Regierung befürchtet, in ein schlechtes Licht zu geraten, wenn sie Landsleuten in einem islamischen Land zu Hilfe kommt? Lieber rettet man wohl wohlfeil das Klima als deutsche Kinder. Und speziell an Sie "Schwarzer Schmetterling": Wenn Sie den Eltern die Schuld an dem Leid der Kinder geben, weil sie als Christen in einem islamischen Land von ihrem Glauben gesprochen haben, dann dürften Sie auch nicht viel dagegen einzuwenden haben, wenn sehr viel radikalere islamische Missionare à la Expreisboxer Pierre Vogel mal kräftig einen an die (Häkel-)Mütze kriegen sollten. Das wäre nur logisch, es sei denn, Sie haben zwei Maßstäbe: Den einen für einen Rechtsstaat mit zivilisierten Menschen und den anderen für einen Unrechtsstaat mit unzivilisierten Menschen. Ich habe diese unterschiedlichen Maßstäbe nicht. Jetzt fragt sich bloß, wer von uns beiden der Rassist ist.
Lostara 26.12.2009
3. Falsch
Die Schuld an der Entführung und am evtentuellen Leid der Kinder tragen die Eltern. - Allein schon die Kinder in den Nordjemen mitzuschleppen, in ein Gebiet, in welchem selbst die Regierung des Jemen machtlos ist, und quasi kein Gesetz mehr herrscht. - Sich in einem Land der Missionierung schuldig zu machen, in welchem dieses per Gesetz verboten ist. - Sämtliche Warnungen, sowohl des deutschen Botschafters in Sana'a als auch der Muslime vor Ort in den Wind zu schlagen ...dazu gehört eine solche Blödheit, das einem nur leid tun kann, das die Kinder solche Eltern "erwischen" mußten. Nebenbei bemerkt, die "Bibelschule" zu der die Leute gehörten, ist in Deutschland nicht mal als Kirche anerkannt - sondern steht als Sekte unter Beobachtung. Diese Informationen stammen aus einem Spiegel-Artikel, welcher kurz nach der Entführung in der Print-Ausgabe erschienen ist.
nica27 26.12.2009
4.
@ Ostseeküste: Bei uns herrscht Religionsfreiheit. Jeder kann glauben oder nichtglauben was er will. Im Jemen aber nicht und wer die Unverforenheit besitzt Missionsarbeit leisten zu wollen dem passiert nun mal dieses Schicksal. Besonders im Jemen. Die Menschen dort haben ihren Glauben. Wer gibt den Missionaren das Recht diesen Glauben zu einem Unglauben zu erklären und nur das Christentum zum einzig wahren Glauben zu erklären? Gestände man jedem das Recht zu zu glauben was man wolle hätten wir sehr viel weniger Probleme auf dieser Erde. Der ewige Versuch der Mission durch Christen hat dich das alles erst verschuldet. Die Kinder tun mir leid, sie sind Opfer ihrer fehlgeleiteten Eltern geworden.
johnny_f. 26.12.2009
5.
Das Schicksal der Eltern sollte doch eigentlich niemanden interessieren, denn falls diese ermordet wurden, dann sind sie endlich bei ihrem Schöpfer. Die meisten aus dieser Sekte wünschen sich nichts lieber als das. Gott wollte es so, ok super. Wen interessiert es? Kein Mitleid von mir. Da prallen halt zwei gegensätzliche schwachsinnige Auslegungen zweier unterschiedlicher Religionen aufeinander. Mord oder Ermordung, alles Gottes Wille. Die einen kommen gleich in den Himmel, die anderen später ins Paradies. Gottes Wille ist halt unergründlich. Keiner ist traurig alle sind happy, also was soll der ganze Aufriss? Warum er oder der andere Gott seine Schäfchen durch Gewaltverbrechen zu sich holt oder warum er Menschen beauftragt zu morden erschließt sich mir allerdings nicht. Und wenn jetzt wer kommt, aber die einen waren "gut" und die anderen waren "böse", dann sage ich ok, die Missionare sind keine bösen Menschen, allerdings wird irgendwer im Jemen das Gegenteil behaupten. Was tun? Vielleicht sollten alle mal ihre Bibel oder ihren Koran oder sonst was auf den Haufen menschlicher Irrtümer schmeißen und sich auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen. Das hilft schon ungemein... Die einzigen Personen die einem wirklich leid tun sind die Kinder. Die Opfer wurden von religiösen Fanatikern, Eltern und Täter.
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